Jede Sekunde zählt: Eine Sekunde längere Ladezeit kostet durchschnittlich 7% Conversion (Akamai). Ein kompletter Ausfall? Verlorene Umsätze, frustrierte Kunden, SEO-Schäden. Professionelles Shop-Monitoring erkennt Probleme in unter 60 Sekunden - lange bevor Kunden sie bemerken. Besonders kritisch ist dies für Shops mit optimiertem Checkout. Dieser Guide zeigt, wie Sie Ihren Online-Shop zuverlässig überwachen.
Warum Shop-Monitoring unverzichtbar ist
Ein Online-Shop ist keine statische Website - er ist ein komplexes System aus Webserver, Datenbank, Payment-Provider, Schnittstellen und externen Diensten. Jede Komponente kann ausfallen.
- Direkte Umsatzverluste: Kein Shop = keine Bestellungen. Bei 100.000€ Tagesumsatz kostet eine Stunde Ausfall 4.166€
- Vertrauensverlust: Kunden, die einen Fehler sehen, kommen oft nicht wieder
- SEO-Schäden: Google wertet Ausfälle und langsame Seiten negativ - Rankings leiden
- Kaskadeneffekte: Ein kleines Problem (volle Festplatte) wird zum großen Ausfall
- Reaktionszeit: Ohne Monitoring erfahren Sie von Problemen erst durch Kundenbeschwerden
Die durchschnittlichen Kosten von IT-Ausfällen liegen bei 5.600$ pro Minute für Unternehmen (Gartner). Für Online-Shops kommt der Reputationsschaden hinzu - ein Ausfall während einer Kampagne kann verheerend sein.
Die vier Säulen des Shop-Monitorings
Uptime-Monitoring
Ist der Shop erreichbar? HTTP-Statuscode, SSL-Zertifikat, DNS-Auflösung.
Performance-Monitoring
Wie schnell ist der Shop? Ladezeiten, TTFB, Core Web Vitals.
Error-Tracking
Welche Fehler treten auf? JavaScript-Errors, PHP-Exceptions, 404/500-Codes.
Alerting
Wer wird wie benachrichtigt? E-Mail, SMS, Slack, PagerDuty.
1. Uptime-Monitoring
Das Fundament jedes Monitorings: Ist der Shop erreichbar? Uptime-Monitoring prüft regelmäßig (alle 1-5 Minuten), ob die Website antwortet.
Was geprüft werden sollte
- HTTP-Status: Gibt der Server 200 OK zurück?
- SSL-Zertifikat: Ist es gültig und nicht bald ablaufend?
- DNS-Auflösung: Wird die Domain korrekt aufgelöst?
- Keyword-Check: Enthält die Seite erwarteten Content (nicht nur Fehlerseite)?
- Wichtige Endpunkte: Startseite, Produktseiten, Checkout, API-Endpunkte
Prüfen Sie von mehreren Standorten aus. Ein lokaler Netzwerkfehler beim Provider sollte nicht als globaler Ausfall gewertet werden - aber ein echter Ausfall sollte von jedem Standort erkannt werden.
Uptime-Ziele (SLA)
| Uptime | Ausfallzeit/Jahr | Ausfallzeit/Monat | Empfehlung |
|---|---|---|---|
| 99% | 87,6 Stunden | 7,3 Stunden | Unzureichend für E-Commerce |
| 99.5% | 43,8 Stunden | 3,65 Stunden | Minimum für kleine Shops |
| 99.9% | 8,76 Stunden | 43 Minuten | Standard für E-Commerce |
| 99.95% | 4,38 Stunden | 22 Minuten | Empfohlen für umsatzstarke Shops |
| 99.99% | 52 Minuten | 4,3 Minuten | Enterprise-Level |
Für die meisten Online-Shops ist 99.9% Uptime ein realistisches und sinnvolles Ziel. Das bedeutet maximal 8,76 Stunden Ausfall pro Jahr - verteilt auf geplante Wartungen und ungeplante Incidents.
2. Performance-Monitoring
Ein Shop kann erreichbar sein - aber wenn er 10 Sekunden zum Laden braucht, sind die Kunden weg. Performance-Monitoring misst kontinuierlich die Ladezeiten.
Wichtige Metriken
- TTFB (Time to First Byte): Zeit bis der Server antwortet. Ziel: unter 200ms
- LCP (Largest Contentful Paint): Zeit bis der größte sichtbare Content lädt. Ziel: unter 2,5s
- FID/INP (Interaction Delay): Zeit bis die Seite auf Klicks reagiert. Ziel: unter 100ms
- CLS (Cumulative Layout Shift): Wie stark springt das Layout? Ziel: unter 0,1
- Vollständige Ladezeit: Zeit bis alles geladen ist. Ziel: unter 3-4s
Diese Metriken sind auch die Core Web Vitals - Google's Ranking-Faktoren für die Nutzererfahrung. Schlechte Werte schaden nicht nur der Conversion, sondern auch der SEO.
Synthetische Tests (vom Monitoring-Tool) zeigen, was passieren könnte. Real User Monitoring (RUM) zeigt, was tatsächlich passiert - mit echten Nutzern, echten Geräten, echten Netzwerken.
Performance-Trends erkennen
Ein einmaliger Messwert ist weniger aussagekräftig als der Trend über Zeit. Gutes Performance-Monitoring zeigt:
- Baseline: Wie schnell ist der Shop normalerweise?
- Anomalien: Wann weicht die Performance signifikant ab?
- Degradation: Wird der Shop über Zeit langsamer (schleichende Probleme)?
- Peaks: Wann ist die Last am höchsten? (Kampagnen, Tageszeit)
3. Error-Tracking
Fehler passieren - die Frage ist: Wissen Sie davon? Error-Tracking sammelt und analysiert Fehler im Echtzeit.
Arten von Fehlern
- HTTP-Fehler: 404 (Seite nicht gefunden), 500 (Server-Fehler), 503 (Überlastet)
- JavaScript-Fehler: Uncaught exceptions, die Features im Browser brechen
- Backend-Fehler: PHP exceptions, Datenbank-Timeouts, API-Fehler
- Business-Logik-Fehler: Checkout-Abbrüche, fehlgeschlagene Zahlungen
Professionelles Error-Tracking (Sentry, Bugsnag, Rollbar) liefert nicht nur den Fehler, sondern auch Kontext: Welcher Nutzer? Welcher Browser? Welche Schritte führten zum Fehler?
Priorisierung von Fehlern
Nicht jeder Fehler ist gleich kritisch. Eine sinnvolle Priorisierung:
| Priorität | Beschreibung | Reaktionszeit |
|---|---|---|
| P1 - Kritisch | Shop komplett down, Checkout defekt, Datenverlust | Sofort (< 15 Min) |
| P2 - Hoch | Wichtige Funktion defekt (Suche, Warenkorb), viele Nutzer betroffen | < 1 Stunde |
| P3 - Mittel | Feature eingeschränkt, Workaround möglich, wenige Nutzer | < 24 Stunden |
| P4 - Niedrig | Kosmetische Fehler, Edge Cases, keine Business-Impact | Nächster Sprint |
4. Alerting richtig konfigurieren
Monitoring ohne Alerting ist nutzlos - wenn niemand benachrichtigt wird, bringt die beste Überwachung nichts. Aber: Zu viele Alerts führen zu Alert Fatigue - und werden ignoriert.
Alert-Kanäle
- E-Mail: Für niedrige Priorität, asynchrone Benachrichtigung
- Slack/Teams: Für Team-Sichtbarkeit, schnelle Koordination
- SMS: Für kritische Alerts außerhalb der Arbeitszeit
- PagerDuty/Opsgenie: Für 24/7-Bereitschaft mit Eskalation
- Telefon: Für P1-Incidents, wenn SMS nicht reicht
Wer wird zuerst benachrichtigt? Wenn nach 15 Minuten keine Reaktion erfolgt - wer dann? Definieren Sie Eskalationsketten für kritische Alerts, damit Probleme nicht liegen bleiben.
Alert-Schwellenwerte
Gute Schwellenwerte vermeiden Fehlalarme, erkennen aber echte Probleme zuverlässig:
- Uptime: Alert bei 2 fehlgeschlagenen Checks von 3 Standorten (vermeidet Flapping)
- Response Time: Alert wenn TTFB > 1s für > 5 Minuten (nicht bei einzelnen Spikes)
- Error Rate: Alert wenn Fehlerrate > 5% für > 2 Minuten
- SSL: Warnung 30 Tage vor Ablauf, kritisch 7 Tage vor Ablauf
Monitoring für Shop-Systeme
Je nach Shop-System gibt es spezifische Monitoring-Anforderungen:
Shopware 6 Monitoring
Shopware 6 bringt eigene Health-Checks mit. Zu überwachen sind:
- Queue-Worker: Laufen die Message-Queue-Consumer? Stauen sich Jobs?
- Scheduled Tasks: Werden Cronjobs (Indexierung, Cache) ausgeführt?
- Elasticsearch: Ist der Index aktuell? Funktioniert die Suche?
- Cache: Ist Redis/Varnish erreichbar und performant?
- Storage: Haben alle Dateisysteme (public, private, temp) ausreichend Platz?
WooCommerce Monitoring
WooCommerce basiert auf WordPress. Spezifische Checks:
- WP-Cron: Läuft der WordPress-Cron zuverlässig?
- Action Scheduler: Werden asynchrone Jobs abgearbeitet?
- Plugin-Updates: Sind kritische Sicherheitsupdates verfügbar?
- REST API: Ist die WooCommerce REST API erreichbar?
- Checkout-Flow: Synthetischer Test des kompletten Checkout-Prozesses
Kosten und Anbieter
Monitoring muss nicht teuer sein - aber kostenlos ist selten ausreichend. Ein Überblick:
| Anbieter | Stärken | Preis ab |
|---|---|---|
| UptimeRobot | Einfaches Uptime-Monitoring | Kostenlos (begrenzt) |
| Pingdom | Uptime + Performance, einfach | ~15€/Monat |
| Datadog | Umfassend, APM, Logs, Metriken | ~30€/Host/Monat |
| New Relic | Starkes APM, Real User Monitoring | Kostenlos (begrenzt) |
| Sentry | Error-Tracking, Release-Tracking | Kostenlos (begrenzt) |
| Grafana Cloud | Open-Source-basiert, flexibel | Kostenlos (begrenzt) |
Für die meisten Online-Shops ist eine Kombination sinnvoll: Uptime-Tool (Pingdom, UptimeRobot) + Error-Tracking (Sentry) + Performance (Google Lighthouse CI, RUM).
Checkliste: Shop-Monitoring Setup
- Uptime-Monitoring für Startseite, Produktseiten, Checkout, API eingerichtet
- Mehrere geografische Standorte konfiguriert
- SSL-Zertifikat-Überwachung aktiv
- Performance-Baseline ermittelt und Schwellenwerte definiert
- Error-Tracking im Frontend (JavaScript) und Backend implementiert
- Alert-Kanäle konfiguriert (E-Mail, Slack, SMS)
- Eskalationsketten für kritische Incidents definiert
- Runbook/Dokumentation für häufige Incidents erstellt
- Regelmäßige Review der Alerts (wöchentlich/monatlich)
Für E-Commerce empfehlen wir 1-Minuten-Intervalle für kritische Endpunkte (Startseite, Checkout) und 5-Minuten-Intervalle für sekundäre Seiten. Häufigere Checks bedeuten schnellere Erkennung, aber auch mehr Kosten.
99.9% ist der Standard für E-Commerce - das entspricht maximal 8,76 Stunden Ausfallzeit pro Jahr. Für umsatzstarke Shops sind 99.95% oder besser anzustreben.
Idealerweise beides. Externes Monitoring (von außen) zeigt, was Kunden sehen. Internes Monitoring (Server-Metriken) zeigt, warum etwas passiert. Die Kombination ermöglicht schnelle Diagnose.
Definieren Sie sinnvolle Schwellenwerte, die echte Probleme erkennen, aber Noise vermeiden. Nutzen Sie Bestätigungen (2 von 3 Checks fehlgeschlagen) und gruppieren Sie zusammenhängende Alerts.
Basis-Monitoring (Uptime, SSL) ist einfach selbst einzurichten. Für umfassendes Performance-Monitoring, Error-Tracking und APM empfehlen wir professionelle Unterstützung - falsch konfiguriertes Monitoring kann mehr schaden als nutzen.
Prävention statt Feuerlöschen
Ein Ausfall, den Sie in 60 Sekunden erkennen, kostet einen Bruchteil dessen, was ein Ausfall kostet, den erst Ihre Kunden bemerken. Professionelles Monitoring ist keine Kür, sondern Pflicht für jeden Shop, der Umsatz und Reputation schützen will.
Dieser Artikel basiert auf Daten von Akamai (Performance-Studien), Gartner (Downtime-Kosten), Google Web Vitals und Best Practices aus dem Site Reliability Engineering (SRE). Stand: Januar 2026.
Monitoring für Ihren Shop
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