E-Commerce-Unternehmen in Deutschland stehen vor einer besonderen Herausforderung: Hunderte oder Tausende Transaktionen pro Tag müssen nicht nur abgewickelt, sondern auch korrekt verbucht werden. Die DATEV-Schnittstelle ist dabei der entscheidende Baustein, um Bestellungen, Zahlungen und Retouren automatisch in Buchungssätze zu verwandeln - und das GoBD-konform. In diesem Beitrag erfahren Sie, worauf es bei der Integration ankommt und wie Sie typische Fallstricke vermeiden.
Warum DATEV im E-Commerce unverzichtbar ist
DATEV ist die dominierende Software im deutschen Steuerberatungsmarkt. Über 90 Prozent (Bundeskartellamt) aller Steuerkanzleien in Deutschland arbeiten mit DATEV-Produkten. Für E-Commerce-Unternehmen bedeutet das in der Praxis: Wer seinen Steuerberater mit sauberen, vorverarbeiteten Daten versorgen will, kommt an einer DATEV-Schnittstelle kaum vorbei.
Ohne eine automatisierte Anbindung müssen Buchungsdaten manuell aufbereitet und übertragen werden. Bei einem Online-Shop mit mehreren hundert Bestellungen pro Tag ist das nicht nur zeitaufwändig, sondern auch fehleranfällig. Falsche Kontierungen, fehlende Belege oder nicht zugeordnete Zahlungen führen zu Nachfragen vom Steuerberater - und im schlimmsten Fall zu Problemen bei der Betriebsprüfung.
Die Digitalisierung der Geschäftsprozesse schreitet dabei weiter voran: Laut dem Digital Office Index 2024 (Bitkom) planen oder nutzen mehr als die Hälfte der befragten Unternehmen bereits KI-gestützte Lösungen zur Automatisierung von Verwaltungsprozessen. Im E-Commerce ist dieser Trend besonders ausgeprägt, da hier das Transaktionsvolumen traditionelle Buchhaltungsmethoden schnell an ihre Grenzen bringt. Gerade im B2B-Umfeld spielt die Digitalisierung eine zentrale Rolle - wie Unternehmen ihren Vertrieb digital transformieren, zeigt unser Beitrag zur B2B-Digitalisierung.
Je mehr Transaktionen ein Online-Shop verarbeitet, desto größer wird der Vorteil einer automatisierten DATEV-Anbindung. Was bei zehn Bestellungen am Tag noch manuell funktioniert, wird bei hundert oder tausend Bestellungen zum Engpass.
DATEV-Ökosystem: Die wichtigsten Komponenten
DATEV bietet ein umfangreiches Ökosystem an Produkten und Schnittstellen, die für die E-Commerce-Integration relevant sind. Das Verständnis der einzelnen Komponenten ist entscheidend für eine erfolgreiche Anbindung.
DATEV Unternehmen online
Plattform für den digitalen Belegaustausch zwischen Unternehmen und Steuerkanzlei. Belege werden digital erfasst und dem Steuerberater bereitgestellt.
DATEVconnect
Ermöglicht die bidirektionale Integration von DATEV-Produkten in heterogene Softwarelandschaften - im eigenen Netzwerk oder über Cloud-Dienste.
DATEV-Buchungsstapel
Standardisierter Import von Buchungssätzen im EXTF-Format. Der gängigste Weg, um Transaktionsdaten aus dem E-Commerce zu übermitteln.
Welche Daten werden übertragen?
Eine DATEV-Schnittstelle im E-Commerce muss unterschiedliche Datentypen verarbeiten und korrekt zuordnen. Der Datenfluss umfasst in der Regel folgende Bereiche:
| Datenart | Quelle | Ziel in DATEV |
|---|---|---|
| Bestellungen | Shop-System | Buchungsstapel (Erlöse) |
| Zahlungen | Payment-Provider | Bankbuchungen |
| Retouren | Shop / ERP | Stornobuchungen |
| Gebühren | Payment / Marktplatz | Aufwandsbuchungen |
| Rechnungen | Shop-System | Belegarchiv |
| Gutschriften | Shop / ERP | Korrekturbuchungen |
Die Herausforderung liegt dabei in der korrekten Zuordnung: Jede Transaktion muss dem richtigen Erlös- oder Aufwandskonto zugewiesen werden, Steuersätze müssen korrekt ermittelt werden, und die Verknüpfung zwischen Bestellung, Zahlung und Beleg muss lückenlos nachvollziehbar sein. Besonders komplex wird es bei Retouren und Gutschriften - ein professionelles Retourenmanagement liefert hier die nötigen Daten für eine saubere Verbuchung.
Technische Anforderungen an die Schnittstelle
Die technische Umsetzung einer DATEV-Schnittstelle erfordert die Berücksichtigung verschiedener Formate, Protokolle und Standards. Hier sind die wichtigsten Aspekte:
- EXTF-Format: Das DATEV-Exportformat für Buchungsstapel. Strukturierte CSV-Dateien mit festgelegtem Aufbau für Buchungssätze, Sachkonten und Debitoren/Kreditoren
- XML-Schnittstelle: Für die Übermittlung strukturierter Belegdaten an DATEV Unternehmen online
- REST-API: DATEVconnect bietet moderne API-Endpunkte für den automatisierten Datenaustausch
- EBICS-Protokoll: PSD2-konformes Bankprotokoll für den gesicherten Zahlungsdatenabgleich
- Belegbilder: PDF- oder Bilddateien der Rechnungen und Gutschriften für das digitale Belegarchiv
Das EXTF-Format (DATEV-Exportformat) ist der Standard für Buchungsstapel-Importe. Für die Belegübergabe und den Austausch über DATEV Unternehmen online wird häufig XML verwendet. Beide Formate haben ihre Berechtigung - die Wahl hängt vom konkreten Anwendungsfall ab.
GoBD-Konformität sicherstellen
Die Grundsätze zur ordnungsmäßigen Führung und Aufbewahrung von Büchern, Aufzeichnungen und Unterlagen in elektronischer Form (GoBD) stellen klare Anforderungen an die E-Commerce-Buchhaltung. Das aktualisierte BMF-Schreiben vom Juli 2025 bringt dabei neue Regelungen, insbesondere im Zusammenhang mit der E-Rechnungspflicht.
- Nachvollziehbarkeit: Jeder Geschäftsvorfall muss vom Beleg bis zur Buchung lückenlos verfolgbar sein - von der Shop-Bestellung über die Zahlung bis zum DATEV-Export
- Unveränderbarkeit: Einmal erfasste Buchungen dürfen nicht unprotokolliert geändert werden. Die Schnittstelle muss Änderungen revisionssicher dokumentieren
- Zeitgerechte Erfassung: Geschäftsvorfälle müssen zeitnah erfasst werden - idealerweise automatisch am Tag der Transaktion
- Maschinelle Auswertbarkeit: Daten müssen für Betriebsprüfungen in maschinell auswertbarer Form vorliegen
- Verfahrensdokumentation: Der gesamte Prozess von der Transaktion bis zur Buchung muss dokumentiert sein
Eine professionelle DATEV-Schnittstelle stellt sicher, dass alle diese Anforderungen automatisch erfüllt werden. Die Beratung durch Experten ist dabei in der Regel empfehlenswert, um die individuellen Anforderungen des Unternehmens zu berücksichtigen.
E-Rechnungspflicht und DATEV-Integration
Seit dem 1. Januar 2025 ist die E-Rechnung für inländische B2B-Umsätze verpflichtend. Bis zum 31. Dezember 2026 dürfen Unternehmen mit Zustimmung des Empfängers noch Papierrechnungen oder andere elektronische Formate versenden. Für Unternehmen mit einem Vorjahresumsatz bis 800.000 Euro verlängert sich diese Frist bis Ende 2027.
Für die DATEV-Integration bedeutet das: Die Schnittstelle muss strukturierte E-Rechnungen im Format ZUGFeRD oder XRechnung verarbeiten können. Laut den aktualisierten GoBD 2025 gelten diese E-Rechnungen als aufbewahrungspflichtige Unterlagen, die im Originalformat archiviert werden müssen. Mehr dazu erfahren Sie auf unserer Seite zu ZUGFeRD und XRechnung.
Typische Herausforderungen bei der DATEV-Integration
Die Anbindung eines Online-Shops an DATEV ist komplexer, als es auf den ersten Blick erscheint. Aus unserer Projekterfahrung kennen wir die häufigsten Stolperfallen:
- Mehrere Steuersätze und Länder: Bei internationalem Verkauf müssen unterschiedliche Steuersätze, OSS-Regelungen und länderspezifische Buchungslogiken berücksichtigt werden
- Payment-Provider-Komplexität: Zahlungsanbieter liefern aggregierte Auszahlungen, die auf einzelne Bestellungen aufgeschlüsselt werden müssen - inklusive Gebühren und Einbehalten
- Retouren und Teilstornos: Die korrekte buchhalterische Abbildung von Retouren, Teilstornos und Gutschriften erfordert präzise Logik
- Marktplatz-Abrechnung: Plattformen wie Amazon oder eBay liefern komplexe Abrechnungen mit Provisionen, Werbekosten und FBA-Gebühren
- Währungsumrechnung: Bei Verkäufen in Fremdwährungen müssen Umrechnungskurse korrekt erfasst und Kursdifferenzen verbucht werden
- Datenvolumen: Hohe Transaktionszahlen erfordern performante Batch-Verarbeitung und skalierbare Architektur
Wer über mehrere Kanäle verkauft - eigener Shop, Amazon, eBay und weitere Marktplätze - muss sicherstellen, dass alle Transaktionen kanalübergreifend korrekt erfasst und konsolidiert werden. Doppelbuchungen oder fehlende Transaktionen sind häufige Fehlerquellen.
Vorteile der automatisierten DATEV-Anbindung
Eine professionell umgesetzte DATEV-Schnittstelle bringt messbare Vorteile für E-Commerce-Unternehmen und deren Steuerberater:
Zeitersparnis
Manuelle Datenaufbereitung entfällt nahezu vollständig. Buchungssätze werden automatisch erzeugt und an DATEV übermittelt.
Fehlerreduktion
Automatisierte Systeme können Buchungsfehler um bis zu 95 Prozent (DATEV) reduzieren. Validierungsregeln prüfen Daten vor der Übertragung.
Compliance
GoBD-konforme Erfassung, lückenlose Dokumentation und revisionssichere Archivierung - automatisch und zuverlässig.
Skalierbarkeit
Ob 100 oder 10.000 Transaktionen pro Tag - die automatisierte Schnittstelle skaliert mit dem Unternehmenswachstum.
Zusammenarbeit
Der Steuerberater erhält vorbereitete, korrekt kontierte Buchungssätze. Das spart beiden Seiten Zeit und Aufwand.
Transparenz
Echtzeit-Überblick über Finanzströme. Offene Posten, Zahlungseingänge und Erlöse sind jederzeit aktuell.
Der Integrationsprozess Schritt für Schritt
Die Einrichtung einer DATEV-Schnittstelle für Ihren Online-Shop folgt einem strukturierten Prozess:
- Anforderungsanalyse: Welche Shop-Systeme, Payment-Provider und Vertriebskanäle sind im Einsatz? Welche Buchungslogik wird benötigt?
- Kontenrahmen-Mapping: Zuordnung der Shop-Transaktionen zu den DATEV-Sachkonten (SKR03 oder SKR04) in Abstimmung mit dem Steuerberater
- Schnittstellendesign: Technische Konzeption der Datenflüsse, Formate (EXTF, XML) und Übertragungswege
- Individuelle Entwicklung: Implementierung der Schnittstelle mit Validierung, Fehlerbehandlung und Logging
- Test mit Echtdaten: Intensive Prüfung mit realen Transaktionsdaten - der Steuerberater validiert die Buchungsergebnisse
- Go-Live und Monitoring: Produktivschaltung mit kontinuierlicher Überwachung und Alerting bei Fehlern
Binden Sie Ihren Steuerberater von Anfang an in das Projekt ein. Er kennt die Anforderungen an den Kontenrahmen, die Buchungslogik und die DATEV-Konfiguration - und kann so frühzeitig auf mögliche Probleme hinweisen.
ERP-System und DATEV verbinden
In vielen E-Commerce-Unternehmen läuft die Buchhaltung nicht direkt aus dem Shop-System, sondern über ein vorgelagertes ERP-System. Lösungen wie SAP Business One oder andere Warenwirtschaftssysteme können als zentrale Datendrehscheibe fungieren. Einen umfassenden Überblick über die Anbindung von Warenwirtschaftssystemen an Shopware und SAP bietet unser Beitrag zur ERP-Integration im E-Commerce.
In diesem Szenario werden Bestellungen zuerst vom Shop ins ERP übertragen, dort verarbeitet und anschließend als Buchungssätze an DATEV weitergeleitet. Der Vorteil: Das ERP-System bündelt Daten aus verschiedenen Kanälen und reichert sie mit Zusatzinformationen an - etwa Lagerkosten, Einkaufspreise oder interne Verrechnungen. Eine professionelle Middleware-Lösung kann diese Datenflüsse zentral orchestrieren und die Komplexität der Anbindung deutlich reduzieren.
Monitoring und Wartung der Schnittstelle
Eine DATEV-Schnittstelle ist keine Einmal-Lösung. Sie muss kontinuierlich überwacht und gepflegt werden, um zuverlässig zu funktionieren:
- Automatisches Monitoring: Überwachung der Übertragungen auf Fehler, Timeouts und Dateninkonsistenzen
- Alerting: Sofortige Benachrichtigung bei fehlgeschlagenen Exporten oder unplausiblen Buchungssätzen
- Regelmäßige Abstimmung: Monatlicher Abgleich der exportierten Buchungen mit den DATEV-Daten des Steuerberaters
- Updates und Anpassungen: Bei Änderungen an Steuersätzen, Kontenrahmen oder DATEV-Schnittstellen-Spezifikationen
- Professionelles Hosting: Zuverlässige Infrastruktur mit hoher Verfügbarkeit für zeitkritische Buchhaltungsexporte
So könnte Ihr B2B-Shop aussehen:
Industrieteile-Portal
Häufige Fragen zur DATEV-Schnittstelle
Die Dauer hängt von der Komplexität ab. Für einen einzelnen Shop mit einem Payment-Provider sind erfahrungsgemäß 4-6 Wochen realistisch. Multi-Channel-Szenarien mit mehreren Marktplätzen und komplexer Buchungslogik können 8-12 Wochen in Anspruch nehmen.
Der Standard ist das EXTF-Format (DATEV-Exportformat). Es handelt sich um strukturierte CSV-Dateien mit einem festgelegten Header und Buchungssatz-Aufbau. Für Belegbilder und Stammdaten kommen zusätzlich XML-Formate zum Einsatz.
In der Regel ja. Der Steuerberater definiert den Kontenrahmen (SKR03 oder SKR04), die Kontenzuordnungen und die Buchungslogik. Eine frühe Einbindung vermeidet typischerweise Nacharbeiten und stellt sicher, dass die Daten den Anforderungen der Kanzlei entsprechen.
Eine professionell umgesetzte Schnittstelle kann die GoBD-Anforderungen an Nachvollziehbarkeit, Unveränderbarkeit und zeitgerechte Erfassung erfüllen. Entscheidend ist die korrekte Implementierung - einschließlich lückenloser Protokollierung und revisionssicherer Archivierung. Die individuelle Konformität sollte mit dem Steuerberater abgestimmt werden.
Ja, auch Transaktionen von Marktplätzen wie Amazon oder eBay können über die DATEV-Schnittstelle verbucht werden. Die Komplexität liegt dabei in der Aufschlüsselung von Provisionen, Werbekosten und FBA-Gebühren auf einzelne Buchungssätze.
Seit dem 1. Januar 2025 müssen Unternehmen E-Rechnungen im B2B-Bereich empfangen können. Die DATEV-Schnittstelle muss daher strukturierte Formate wie ZUGFeRD und XRechnung verarbeiten können. Laut den aktualisierten GoBD 2025 gelten E-Rechnungen als aufbewahrungspflichtige Unterlagen, die im Originalformat archiviert werden müssen. Für E-Commerce-Unternehmen bedeutet das in der Praxis: Die Schnittstelle sollte E-Rechnungen automatisch validieren, im korrekten Format an DATEV übermitteln und revisionssicher archivieren. Eine frühzeitige Anpassung der Schnittstellenarchitektur vermeidet typischerweise kostspielige Nacharbeiten. Mehr dazu erfahren Sie auf unserer Seite zu ZUGFeRD und XRechnung.
Dieser Artikel basiert auf Daten und Informationen aus: Bundeskartellamt (Fallbericht DATEV-Marktanteile), DATEV (Schnittstellen-Dokumentation, DATEVconnect), Bundesministerium der Finanzen (GoBD, BMF-Schreiben Juli 2025), Bitkom (Digital Office Index 2024). Die genannten Zahlen können je nach Erhebungszeitraum und Quelle variieren.
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