Logistik ist im Online-Handel keine Nebenkostenposition, sondern der Teil des Geschäfts, den der Kunde am deutlichsten erlebt. Der deutsche Markt für Kurier-, Express- und Paketsendungen setzte 2024 27,29 Milliarden Euro um, bei 4,73 Milliarden beförderten Sendungen (Bundesnetzagentur). Rund 95 % der Paketmengen entfielen dabei auf das Geschäftskundensegment (Bundesnetzagentur) – der Versand aus einem Online-Shop heraus ist also der Normalfall, nicht die Ausnahme. An genau dieser Stelle scheitern aber auch Bestellungen: 40 % der Abbrecher nennen zu hohe Zusatzkosten aus Versand, Steuern und Gebühren als Grund (Baymard Institute). Dieser Beitrag ordnet die belegten Zahlen und zeigt, welche Stellschrauben in der Versandanbindung technisch erreichbar sind.
Paketmarkt 2026: die belegten Zahlen
Die belastbarste Zahlenbasis für den deutschen Versandmarkt liefert der Tätigkeitsbericht Post der Bundesnetzagentur. Danach stieg die Sendungsmenge im Markt für Kurier-, Express- und Paketsendungen 2024 auf 4,73 Milliarden Sendungen und damit um 5,54 % gegenüber dem Vorjahr (Bundesnetzagentur). Der Umsatz wuchs im selben Zeitraum auf 27,29 Milliarden Euro, ein Plus von 5,01 % (Bundesnetzagentur). Beide Werte beschreiben den gesamten Markt einschließlich Kurier- und Expressdiensten, nicht allein den Paketversand an Endkunden.
Die Handelsseite dazu liefern zwei unabhängige Erhebungen. Das Statistische Bundesamt weist für den Internet- und Versandhandel 2025 real 10,1 % mehr Umsatz aus als im Vorjahr, während der Einzelhandel insgesamt real 2,7 % zulegte (Statistisches Bundesamt). Der bevh beziffert den Bruttoumsatz mit Waren im deutschen E-Commerce für 2025 auf 83,1 Milliarden Euro bei einem Wachstum von 3,2 % gegenüber dem Vorjahr (bevh). Die Werte widersprechen sich nicht: Sie messen unterschiedliche Grundgesamtheiten und rechnen Preiseffekte unterschiedlich heraus.
| Kennzahl | Wert | Quelle |
|---|---|---|
| Sendungsmenge im KEP-Markt 2024 | 4,73 Milliarden Sendungen | Bundesnetzagentur |
| Umsatz im KEP-Markt 2024 | 27,29 Milliarden Euro | Bundesnetzagentur |
| Anteil der Geschäftskunden an den Paketmengen | 95 % | Bundesnetzagentur |
| Umsatz je Sendung im Geschäftskundensegment | 3,97 Euro | Bundesnetzagentur |
| Bruttoumsatz mit Waren im E-Commerce 2025 | 83,1 Milliarden Euro | bevh |
| Onlineanteil am Einzelhandel | 13,5 % | HDE Online-Monitor 2026 |
Wie groß der Onlinehandel im Verhältnis zum stationären Handel ist, zeigt der HDE Online-Monitor: Der Onlineanteil am Einzelhandel lag im zurückliegenden Jahr bei 13,5 %, der Onlineumsatz bei 92,3 Milliarden Euro netto (HDE Online-Monitor 2026). Innerhalb dieses Umsatzes erreichen Marktplätze einen Anteil von 56,7 % (HDE/IFH Köln) – wer dort verkauft, übernimmt deren Versand- und Retourenregeln mit. Wie sich das technisch sauber abbilden lässt, beschreibt der Beitrag zur Marktplatz-Anbindung.
Versandkosten im Checkout: Abbruch und Pflichtangaben
Der Checkout ist die Stelle, an der Versandkosten über den Abschluss entscheiden. Über mehr als fünfzig ausgewertete Studien hinweg liegt die durchschnittliche Warenkorbabbruchrate bei 70,22 % (Baymard Institute). Unter den Abbrechern, die einen Grund nennen, stehen zu hohe Zusatzkosten aus Versand, Steuern und Gebühren mit 40 % an erster Stelle, und 12 % geben an, die Gesamtkosten der Bestellung vorab weder gesehen noch errechnet zu haben (Baymard Institute).
Zusatzkosten früh zeigen
Versand, Steuern und Gebühren stehen mit 40 % an erster Stelle der genannten Abbruchgründe (Baymard Institute). Wer sie erst auf der letzten Stufe einblendet, verliert den Warenkorb genau dort.
Gesamtkosten berechenbar machen
12 % der Abbrecher konnten die Gesamtkosten der Bestellung vorab weder sehen noch errechnen (Baymard Institute). Ein Rechner im Warenkorb löst das ohne zusätzliche Seite.
Schwelle statt Pauschale
Eine Freigrenze ab einem Bestellwert bleibt kalkulierbar, weil sie am Warenkorb hängt. Entscheidend ist, dass die Schwelle dort steht, wo der Preis steht, und nicht nur in den Versandbedingungen.
Die Anzeige ist nicht nur eine Frage der Abschlussquote, sondern eine Pflicht. Nach § 6 Absatz 1 Nummer 2 der Preisangabenverordnung ist bei Fernabsatzangeboten anzugeben, ob zusätzlich Fracht-, Liefer- oder Versandkosten anfallen (Preisangabenverordnung). Nach § 6 Absatz 2 ist deren Höhe anzugeben, soweit sie vernünftigerweise im Voraus berechnet werden kann; ist das nicht der Fall, genügt der Hinweis, dass solche Kosten anfallen können (Preisangabenverordnung). Wer mit Versandkostenfreiheit ab einem Bestellwert arbeitet, nennt diese Schwelle deshalb dort, wo der Preis steht.
Vor Vertragsschluss greifen zusätzlich die Informationspflichten aus Artikel 246a § 1 EGBGB: Alle zusätzlich anfallenden Fracht-, Liefer- und Versandkosten sind vorab mitzuteilen (Einführungsgesetz zum Bürgerlichen Gesetzbuche). § 312j Absatz 1 BGB verlangt, spätestens bei Beginn des Bestellvorgangs anzugeben, ob Lieferbeschränkungen bestehen; nach Absatz 2 müssen Gesamtpreis und Versandkosten unmittelbar vor Abgabe der Bestellung klar und hervorgehoben stehen (Bürgerliches Gesetzbuch). Technisch heißt das: Diese Werte kommen aus derselben Berechnung wie die spätere Rechnung, nicht aus einem zweiten Textbaustein.
Lieferversprechen: ein Datum statt einer Versandart
Ein Lieferversprechen ist keine Aussage über die Versandart, sondern über ein Datum. In einer Untersuchung von Checkout-Prozessen wiesen 41 % der Shops im Checkout kein geschätztes Lieferdatum aus (Baymard Institute). Wer stattdessen nur zwischen Standard- und Expressversand wählen lässt, verlagert die Rechenarbeit auf den Kunden – und der rechnet vorsichtiger, als es die eigene Laufzeit hergibt.
Ein belastbares Datum entsteht aus vier Größen: dem verfügbaren Bestand, der Annahmeschlusszeit im Lager, der gemessenen Laufzeit des gewählten Dienstleisters und den Wochenend- und Feiertagsregeln am Zielort. Fehlt eine davon, wird aus dem Datum eine Schätzung mit Sicherheitsaufschlag. Welche Datenwege dafür nötig sind, beschreibt der Beitrag zum Lieferdatum auf der Produktseite.
41 % der untersuchten Shops führten im Checkout kein geschätztes Lieferdatum (Baymard Institute). Das eigene Datum darf konservativ sein – es muss nur aus denselben Daten stammen wie die spätere Versandbestätigung. Sonst entsteht ein Widerspruch zwischen Bestellung und Sendungsverfolgung, den am Ende der Kundenservice ausräumt.
Fulfillment-Kosten: was je Sendung anfällt
Im Geschäftskundensegment erwirtschafteten die Paketdienstleister 2024 15,29 Milliarden Euro bei rund 3,85 Milliarden beförderten Sendungen (Bundesnetzagentur). Rechnerisch entfielen damit rund 3,97 Euro Umsatz auf jede Sendung (Bundesnetzagentur). Das ist kein Einkaufspreis, sondern ein Marktdurchschnitt über alle Gewichtsklassen und Vertragsformen hinweg – aber es ist die Größenordnung, gegen die sich die eigene Kalkulation prüfen lässt.
Oberhalb der Paketgrenze ändert sich die Kostenlogik. Als übliche Gewichtsgrenze der Paketsortierung gilt ein Einzelgewicht von 31,5 kg, als Sperrgutmaß rund 120 × 60 × 60 cm (Paketcheck). Für Sperrgut berechnen die Paketdienste je nach Anbieter 10 bis 30 Euro zusätzlich (Paketcheck), und eine Standard-Europalette innerhalb Deutschlands kostet ab 39 Euro (Pamyra). Wie sich diese Fälle im Shop abbilden lassen, beschreibt der Beitrag zum Speditionsversand.
| Kostenblock | Anteil / Benchmark | Optimierungshebel |
|---|---|---|
| Paketzustellung im Marktdurchschnitt | 3,97 Euro Umsatz je Sendung (Bundesnetzagentur) | Gewicht und Maße je Artikel pflegen, Verpackung passend wählen |
| Sperrgutzuschlag | 10 bis 30 Euro je Sendung (Paketcheck) | Verpackungsmaße unter der Sperrgutgrenze halten |
| Speditionssendung auf Palette | ab 39 Euro innerhalb Deutschlands (Pamyra) | Sendungen bündeln und Palettenplätze ausnutzen |
| Fehlartikel im Regal | 8,3 % Fehlquote im schnelldrehenden Konsumgüterbereich (Gruen und Corsten) | Bestände kanalübergreifend in Echtzeit abgleichen |
| Retourenbearbeitung | 73 % nennen den Rücktransport als größten Kostentreiber (EHI Retail Institute) | Retourengründe je Artikel erfassen und auswerten |
| Einfuhr von Kleinsendungen | 3 Euro Pauschalzoll je angemeldeter Position (Zoll) | Zolldaten automatisiert aus dem Artikelstamm übergeben |
Diese Zahlen sind keine Preisliste, sondern Prüfgrößen. Wer sie je Sendungsart gegen die eigene Abrechnung stellt, sieht schnell, welcher Anteil auf Verpackung, welcher auf Gewicht und welcher auf den falschen Dienstleister entfällt. Voraussetzung ist eine Versandanbindung, die Gewicht, Maße und Zusatzleistungen je Position übergibt statt pauschal je Bestellung.
Bestand und Fehlartikel: der unsichtbare Kostenblock
Der teuerste Teil der Logistik steht nicht auf der Frachtrechnung. Die weltweite Bestandsverzerrung im Handel – Fehlbestände und Überbestände zusammengenommen – belief sich 2024 auf 1,7 Billionen US-Dollar (IHL Group, zitiert nach Retail TouchPoints). Allein Fehlbestände kosteten den Handel 2023 nach Hochrechnung rund 1,2 Billionen US-Dollar an entgangenem Umsatz (IHL Group).
Ein Bestand für alle Kanäle
Solange Shop, Marktplatz und Warenwirtschaft eigene Bestandszahlen führen, entscheidet die Reihenfolge der Abgleiche darüber, wer überverkauft. Ein führendes System und ein Abgleich in Echtzeit nehmen diese Frage heraus.
Fehlquote messen, nicht schätzen
Die durchschnittliche Fehlquote im schnelldrehenden Konsumgüterbereich lag bei 8,3 % (Gruen und Corsten). Wer die eigene Quote je Artikel kennt, kann Nachbestellpunkte begründen statt sie zu setzen.
Reservieren statt nachrechnen
Wird der Bestand beim Legen in den Warenkorb reserviert und nicht erst bei der Bestellung geprüft, verschwindet ein häufiger Grund für Stornierungen nach dem Kauf.
Was ein leeres Regal kostet, lässt sich beziffern: Händler verlieren durch Fehlartikel im Schnitt rund 4 % Umsatz, mit entsprechender Wirkung auf den Gewinn (Gruen und Corsten). Im Online-Shop äußert sich derselbe Effekt anders als im Laden – der Artikel steht im Katalog, ist bestellbar und wird erst nach der Bestellung storniert. Wie sich das technisch abfangen lässt, beschreibt der Beitrag zu nicht lieferbaren Artikeln.
Je mehr Kanäle ein Bestand bedient, desto teurer wird jede Verzögerung im Abgleich. 56,7 % des deutschen Onlinehandels entfallen auf Marktplätze (HDE/IFH Köln), und dort führt ein Überverkauf nicht nur zur Stornierung, sondern zu einer Kennzahl im Verkäuferkonto. Der Beitrag zum Echtzeit-Bestandsabgleich beschreibt, an welchen Stellen die Synchronisation in der Praxis hängt.
Die 1,7 Billionen US-Dollar Bestandsverzerrung (IHL Group, zitiert nach Retail TouchPoints) beziehen sich auf den weltweiten Handel über alle Formate hinweg, die Fehlquote von 8,3 % (Gruen und Corsten) auf den schnelldrehenden Konsumgüterbereich. Beide Werte taugen als Größenordnung und als Argument für eine eigene Messung – nicht als Zielwert für einen einzelnen Shop.
Mehrere Versanddienstleister statt eines einzigen
Rund 95 % der Paketmengen entfielen 2024 auf das Geschäftskundensegment, in dem die Dienstleister 15,29 Milliarden Euro umsetzten (Bundesnetzagentur). Für einen Händler heißt das: Er verhandelt in einem Markt, in dem er weder der einzige noch ein besonders großer Auftraggeber ist. Mehrere Dienstleister parallel anzubinden, ist deshalb weniger eine Preisfrage als eine Frage der Sendungsarten und der Ausfallsicherheit.
- Gewicht, Maße und Versandmerkmale je Artikel pflegen. Ohne diese Felder kann keine Regel entscheiden, welcher Dienstleister eine Sendung überhaupt annimmt.
- Regeln in dieser Reihenfolge prüfen: Annahmefähigkeit, Zielland, Zusatzleistung, Preis. Wer mit dem Preis beginnt, baut Regeln, die bei Sperrgut und an Feiertagen kippen.
- Eine Sendungsnummer je Paket führen, nicht je Bestellung. Teillieferungen sind der Normalfall, sobald mehrere Lager oder Lieferanten beteiligt sind.
- Statusmeldungen in den Shop zurückschreiben, nicht nur in die Mail. Der Kunde sucht den Stand dort, wo er bestellt hat.
- Den Ausfall eines Dienstleisters als Regelfall behandeln. Eine zweite Anbindung, die im Alltag nie genutzt wird, ist im Ernstfall ungetestet.
- Abrechnungsdaten je Sendung zurückspielen. Ohne Ist-Kosten je Sendung bleibt jede Optimierung eine Vermutung.
Technisch hängt das an der Schnittstelle, nicht am Dienstleister. Wer Labeldruck, Statusabruf und Retourenschein über eine eigene Schicht abwickelt, kann einen Anbieter austauschen, ohne den Checkout anzufassen. Wie eine solche Anbindung aussieht, beschreibt die Seite zu den Versandschnittstellen; für die Lagerseite ist die JTL-Wawi-Anbindung der übliche Weg.
Der zweite Teil ist die Rückrichtung: Sendungsstatus, Zustellnachweis und Retourenereignis gehören in denselben Datensatz wie die Bestellung. Erst dann lässt sich auswerten, welcher Dienstleister in welcher Region wie zuverlässig zustellt – und erst dann ist die Auswahlregel mehr als eine Preistabelle. Für die Warenwirtschaft ist derselbe Datensatz die Grundlage der ERP-Anbindung.
Retourenlogistik: Quoten, Kosten, Ursachen
Retouren sind in Deutschland kein Randthema. Die paketbezogene Retourenquote im Online-Handel lag im Durchschnitt bei 24,2 %, das entspricht geschätzt 530 Millionen zurückgeschickten Paketen im Jahr (Retourenkompendium). Die Gesamtkosten dieser Rücksendungen beziffert dieselbe Erhebung auf 5,46 Milliarden Euro im Jahr, bei durchschnittlich fast zwanzig Euro je Retourensendung, von denen die Hälfte auf den Transport entfällt (Retourenkompendium). Artikelbezogen liegt die Quote im Durchschnitt einer Händlerbefragung bei rund 20 % (Retourenkompendium).
Die Kostenseite dazu erhebt das EHI Retail Institute. Bei 13,9 % der befragten Händler lagen die durchschnittlichen Gesamtbearbeitungskosten je retourniertem Artikel zwischen 2,51 und 5 Euro (EHI Retail Institute). 12,2 % der Befragten gaben für Fashion und Accessoires eine Retourenquote von über 50 % an (EHI Retail Institute), und 73 % nannten die Kosten für den Rücktransport als größten Kostentreiber im Retourengeschäft (EHI Retail Institute).
Unter den hundert größten deutschen Onlineshops bewerben acht von zehn kostenlose Rücksendungen nicht sichtbar (parcelLab) – die Erwartung entsteht trotzdem. Wer eine Fläche hat, kann den Rücktransport ganz sparen: 16,2 % der Onlineshops nehmen Retouren direkt im Laden an (EHI Retail Institute). Voraussetzung ist ein gemeinsamer Datensatz für Bestellung, Retoure und Bestand. Retourenprozess besprechen
Daten und Prognose: wo Modelle heute tragen
Modelle helfen erst, wenn die Daten darunter stimmen. 35 % der befragten Händler setzen keine KI-gestützten Lösungen zur Prognose oder Analyse von Retouren ein und planen das auch nicht (EHI Retail Institute, handelsdaten.de). Auf der Maßnahmenseite setzen 75,2 % der Befragten auf detaillierte Produktinformationen und Produktbeschreibungen im Online-Shop, um Retouren vorbeugend zu vermeiden (EHI Retail Institute, handelsdaten.de). Die einfachere Maßnahme steht damit vor der aufwendigeren – und sie liefert nebenbei die Merkmale, aus denen ein Modell später überhaupt lernen kann.
- Retourengrund je Artikel und je Variante erfassen, nicht je Bestellung. Mehr als 56 % der Kunden führen ihre Rücksendungen auf schlechte Passform oder unzuverlässige Größenangaben zurück (Retourenkompendium) – das ist eine Frage der Variante, nicht der Bestellung.
- Größen- und Passformdaten strukturiert führen. Das geschätzte Einsparungspotenzial einer Beratung in diesem Bereich liegt bei 25 % der Retouren im Gesamtmarkt (Retourenkompendium).
- Zustelldaten je Dienstleister und Region zurückspielen, damit die Laufzeitannahme im Lieferdatum aus Messwerten stammt und nicht aus einem Erfahrungswert.
- Bestandsbewegungen mit Zeitstempel speichern. Eine Nachbestellprognose ohne Verlaufsdaten ist eine Fortschreibung des letzten Monats.
- Verpackungs- und Volumendaten je Sendung erfassen, damit Kartongröße und Füllmaterial aus Daten und nicht aus Gewohnheit gewählt werden.
Was ein Modell leisten kann, hängt an der Zahl der Fälle je Artikel. Bei Artikeln mit wenigen Bestellungen im Jahr bleibt jede Prognose eine Schätzung; bei Variantenartikeln mit hoher Frequenz lassen sich Muster dagegen belegen. Der Beitrag zur KI-Retourenprognose beschreibt, welche Merkmale sich in der Praxis auswerten lassen und wo die Grenze verläuft.
Nachhaltigkeit: Verpackung, Wege, Vernichtung
Retouren haben eine Umweltseite, die sich beziffern lässt. Die geschätzten Auswirkungen der Retouren auf das Klima liegen bei 238.000 Tonnen CO₂-Äquivalent, und knapp 4 % der zurückgeschickten Artikel landen im Müll (Retourenkompendium). Verteilt sind die Rücksendungen dabei sehr ungleich: 86,3 % entfallen auf Bekleidung und Schuhe (Retourenkompendium). Die Stellschrauben liegen damit weniger im Transport als im Sortiment und in den Produktdaten.
- Kartongrößen an das tatsächliche Volumen koppeln. Luft im Paket ist Frachtvolumen, das je Sendung bezahlt wird.
- Retourenquote je Artikel sichtbar machen, statt sie über das Sortiment zu mitteln. Erst dann werden die wenigen Artikel sichtbar, die den Großteil der Rücksendungen verursachen.
- Rücksendungen bündeln statt einzeln abholen zu lassen, wo der Kunde eine Abgabestelle in der Nähe hat.
- Die Wiederverkaufsfähigkeit vor dem Wareneingang bewerten, damit Ware nicht doppelt bewegt wird.
- Verpackungsdaten je Artikel führen – sie sind zugleich die Grundlage für Versandkostenregeln und für Berichtspflichten.
Ein wachsender Teil des Sendungsaufkommens entsteht außerhalb der EU. Nach den Überwachungsdaten der EU wurden 2024 rund 4,6 Milliarden Sendungen mit geringem Wert in die EU eingeführt (Europäische Kommission). Die Einfuhrabgabenfreiheit für Sendungen mit einem Gesamtwert bis 150 Euro entfällt, vorgesehen ist stattdessen ein pauschaler Zoll von 3 Euro je angemeldeter Position der Zollanmeldung (Zoll). Für Händler mit Direktimport heißt das: Zolltarifnummer, Ursprungsland und Warenwert gehören in den Artikelstamm. Der Beitrag zur EU-Zollreform ordnet den Ablauf.
Umsetzung in zwölf Monaten
Ein Umbau der Logistik gelingt selten in einem Zug. Tragfähig ist die Reihenfolge, die Messbarkeit vor Automatisierung stellt: erst die Daten, die jede spätere Regel braucht, dann die Regeln, dann die Anbindung weiterer Dienstleister. Jeder Schritt lässt sich einzeln abnehmen.
- Artikelstammdaten vervollständigen: Gewicht, Maße, Verpackungseinheit, Zolltarifnummer, Ursprungsland. Ohne diese Felder bleibt jede Versandregel eine Pauschale.
- Versandkosten im Warenkorb aus derselben Berechnung ziehen wie die spätere Rechnung und die Schwelle für Versandkostenfreiheit dort anzeigen, wo der Preis steht.
- Ein geschätztes Lieferdatum aus Bestand, Annahmeschluss und gemessener Laufzeit berechnen und im Checkout ausweisen.
- Bestände kanalübergreifend in Echtzeit abgleichen und im Warenkorb reservieren, bevor weitere Marktplätze angebunden werden.
- Retourengründe je Artikel erfassen und regelmäßig gegen die Retourenquote je Artikel auswerten – das ist die Grundlage für jede spätere Prognose.
Die Marktzahlen stammen aus dem Tätigkeitsbericht Post der Bundesnetzagentur, dem HDE Online-Monitor sowie den Erhebungen des Statistischen Bundesamtes und des bevh. Die Checkout-Zahlen stammen vom Baymard Institute, die Retourenzahlen aus dem bevh-Retourenkompendium und vom EHI Retail Institute, die Bestandszahlen von der IHL Group und aus der Untersuchung von Gruen und Corsten. Die rechtlichen Vorgaben ergeben sich aus § 6 Absatz 2 der Preisangabenverordnung, Artikel 246a § 1 EGBGB und § 312j Absatz 2 BGB. Jede Zahl in diesem Beitrag ist mit Quelle, Tieflink und wörtlichem Zitat hinterlegt.
Im Markt für Kurier-, Express- und Paketsendungen wurden 2024 4,73 Milliarden Sendungen befördert, 5,54 % mehr als im Vorjahr; der Umsatz lag bei 27,29 Milliarden Euro (Bundesnetzagentur). Rund 95 % der Paketmengen entfielen auf das Geschäftskundensegment, in dem die Dienstleister 15,29 Milliarden Euro umsetzten (Bundesnetzagentur).
Unter den Abbrechern, die einen Grund nennen, stehen zu hohe Zusatzkosten aus Versand, Steuern und Gebühren mit 40 % an erster Stelle, 12 % konnten die Gesamtkosten der Bestellung vorab weder sehen noch errechnen (Baymard Institute). Die durchschnittliche Warenkorbabbruchrate über mehr als fünfzig ausgewertete Studien liegt bei 70,22 % (Baymard Institute).
Bei Fernabsatzangeboten ist anzugeben, ob zusätzlich Fracht-, Liefer- oder Versandkosten anfallen, und ihre Höhe ist zu nennen, soweit sie vernünftigerweise im Voraus berechnet werden kann (Preisangabenverordnung, § 6). Unmittelbar vor Abgabe der Bestellung müssen Gesamtpreis und Versandkosten klar und hervorgehoben stehen (Bürgerliches Gesetzbuch, § 312j).
Die paketbezogene Retourenquote lag im Durchschnitt bei 24,2 %, das entspricht geschätzt 530 Millionen Paketen im Jahr; die Gesamtkosten der Retouren beziffert dieselbe Erhebung auf 5,46 Milliarden Euro im Jahr (Retourenkompendium). Artikelbezogen liegt die Quote bei rund 20 % (Retourenkompendium).
Eine Retourensendung verursacht im Schnitt fast zwanzig Euro Kosten, die Hälfte davon durch den Transport (Retourenkompendium). Bei 13,9 % der befragten Händler lagen die Gesamtbearbeitungskosten je retourniertem Artikel zwischen 2,51 und 5 Euro (EHI Retail Institute).
Das hängt an den Sendungsarten, nicht am Volumen. Sobald Sperrgut, Speditionsware oder Auslandssendungen dazukommen, deckt ein einzelner Vertrag selten alle Fälle ab: Für Sperrgut fallen je nach Anbieter 10 bis 30 Euro zusätzlich an (Paketcheck), eine Standard-Europalette kostet ab 39 Euro (Pamyra). Eine zweite Anbindung ist außerdem die einzige belastbare Antwort auf den Ausfall der ersten.