70% aller Online-Warenkörbe werden vor dem Kauf abgebrochen (Baymard Institute). Das bedeutet: Von zehn Kunden, die Produkte in den Warenkorb legen, schließen nur drei den Kauf ab. Für Online-Shops ist das ein enormes Umsatzpotenzial, das ungenutzt bleibt. Die gute Nachricht: Mit gezielter Checkout-Optimierung - kombiniert mit gutem Shop-Monitoring - lässt sich die Abbruchrate deutlich senken.
Warum brechen Kunden den Checkout ab?
Bevor Sie optimieren können, müssen Sie die Gründe für Abbrüche verstehen. Eine Studie des Baymard Institute (2024) zeigt die häufigsten Ursachen:
| Abbruchgrund | Anteil |
|---|---|
| Zusätzliche Kosten zu hoch (Versand, Steuern) | 48% |
| Konto-Erstellung erforderlich | 26% |
| Lieferung zu langsam | 23% |
| Checkout zu kompliziert/lang | 22% |
| Versandkosten nicht vorab sichtbar | 21% |
| Website nicht vertrauenswürdig | 18% |
| Technische Fehler | 17% |
| Rückgabebedingungen nicht akzeptabel | 16% |
| Zu wenige Zahlungsoptionen | 13% |
| Kreditkarte abgelehnt | 9% |
Die meisten Abbruchgründe sind vermeidbar. Transparente Kosten, Gastbestellung und ein einfacher Checkout-Prozess adressieren bereits die Top-4-Gründe.
Die 10 wichtigsten Checkout-Optimierungen
1. Gastbestellung anbieten
26% der Abbrüche (Baymard Institute) entstehen durch Pflicht-Registrierung. Bieten Sie immer eine Gastbestellung an. Kunden können nach dem Kauf optional ein Konto erstellen - mit einem Klick, da alle Daten bereits vorliegen.
- Gastbestellung als primäre Option anzeigen
- Registrierung als optionalen Vorteil positionieren (Bestellhistorie, schnellere Bestellungen)
- Social Login als Alternative anbieten (Google, Apple)
- Nach Kauf: Ein-Klick-Kontoerstellung mit vorausgefüllten Daten
2. Kosten früh und transparent zeigen
48% der Abbrüche (Baymard Institute) passieren wegen unerwarteter Zusatzkosten. Zeigen Sie Versandkosten, Steuern und Gebühren so früh wie möglich - idealerweise bereits auf der Produktseite oder im Warenkorb.
- Versandkosten-Rechner im Warenkorb basierend auf PLZ
- Schwellenwert für kostenlosen Versand prominent anzeigen (Ab 50 EUR versandkostenfrei)
- Alle Kosten aufschlüsseln - keine versteckten Gebühren am Ende
- Bei internationalen Shops: Zoll und Steuern transparent kommunizieren
3. Checkout auf maximal 3 Schritte reduzieren
Je mehr Schritte, desto mehr Absprungpunkte. Die optimale Checkout-Länge liegt bei 3 Schritten oder weniger. Ein One-Page-Checkout kann die Conversion um bis zu 21% steigern (Invesp).
Schritt 1
Kontaktdaten und Lieferadresse
Schritt 2
Versandart und Lieferoptionen
Schritt 3
Zahlung und Bestätigung
4. Progress-Indikator einsetzen
Kunden wollen wissen, wo sie im Prozess stehen. Ein visueller Fortschrittsbalken reduziert die gefühlte Komplexität und motiviert zum Abschluss. Zeigen Sie klar: Schritt 1 von 3, Schritt 2 von 3, etc.
5. Vertrauenssignale integrieren
18% der Abbrüche (Baymard Institute) entstehen durch mangelndes Vertrauen. Bauen Sie Sicherheit auf durch:
- SSL-Zertifikat mit sichtbarem Schloss-Symbol
- Trusted Shops, TÜV-Siegel oder ähnliche Zertifizierungen
- Sichere Zahlung-Badges (Visa, Mastercard, PayPal)
- Kundenbewertungen und Testimonials im Checkout
- Kontaktmöglichkeiten (Telefon, Chat) sichtbar platzieren
Platzieren Sie Vertrauenssignale in der Nähe des Bezahl-Buttons und der Kreditkartenfelder - dort, wo die höchste Unsicherheit besteht.
6. Mehr Zahlungsoptionen anbieten
13% der Kunden (Baymard Institute) brechen ab, weil ihre bevorzugte Zahlungsmethode fehlt. In Deutschland sind folgende Zahlungsarten unverzichtbar:
| Zahlungsart | Nutzung DE | Empfehlung |
|---|---|---|
| PayPal | 30% | Pflicht |
| Kreditkarte | 18% | Pflicht |
| Kauf auf Rechnung | 20% | Sehr empfohlen |
| Klarna/Ratenkauf | 12% | Empfohlen |
| SEPA-Lastschrift | 10% | Empfohlen |
| Apple/Google Pay | 8% | Empfohlen |
Moderne Zahlungsanbieter wie Klarna, PayPal oder Mollie bieten mehrere Optionen in einer Integration.
7. Mobile Checkout optimieren
60% des E-Commerce-Traffics kommt von Mobilgeräten, aber die mobile Conversion-Rate liegt oft 50% unter Desktop (Monetate). Der mobile Checkout braucht besondere Aufmerksamkeit:
- Große Touch-Targets (min. 44x44px)
- Automatische Tastatur-Typen (numerisch für PLZ, E-Mail für E-Mail)
- Autofill und Adressvorschläge nutzen
- Apple Pay / Google Pay als Express-Checkout
- Sticky Buy-Button am unteren Bildschirmrand
8. Formularfelder minimieren
Jedes zusätzliche Formularfeld erhöht die Abbruchwahrscheinlichkeit. Fragen Sie nur, was Sie wirklich brauchen:
- Verzichtbar: Anrede, Titel, Firmenname (bei B2C), Faxnummer
- Zusammenfassen: Vor- und Nachname in einem Feld bei Mobile
- Automatisieren: PLZ-basierte Stadt- und Ländererkennung
- Optional markieren: Adresszusatz, Telefon (wenn nicht für Lieferung nötig)
9. Express-Checkout implementieren
Express-Checkout-Optionen wie PayPal Express, Apple Pay, Google Pay oder Shop Pay ermöglichen den Kauf mit einem Klick - ohne manuelle Dateneingabe. Diese Optionen steigern die Conversion um bis zu 40% bei mobilen Nutzern (Shopify).
Platzieren Sie Express-Buttons prominent im Warenkorb und auf Produktseiten für impulskaufaffine Produkte.
10. Exit-Intent und Warenkorb-Recovery
Nicht jeder Abbruch ist endgültig. Mit den richtigen Maßnahmen holen Sie verlassene Warenkörbe zurück:
- Exit-Intent-Popup: Bei Verlassensabsicht Anreiz bieten (5% Rabatt, kostenloser Versand)
- E-Mail-Reminder: Automatisierte E-Mail nach 1h, 24h und 72h
- Remarketing: Dynamische Anzeigen mit verlassenen Produkten
- Persistenter Warenkorb: Produkte speichern für wiederkehrende Besucher
Die erste Erinnerungs-E-Mail innerhalb einer Stunde nach Abbruch hat die höchste Conversion-Rate (Rejoiner). Nach 24 Stunden sinkt die Wahrscheinlichkeit einer Rückkehr deutlich.
Checkout-Optimierung für verschiedene Shopsysteme
Shopware 6 Checkout
Shopware 6 bietet einen modernen, anpassbaren Checkout. Optimierungsmöglichkeiten:
- One-Page-Checkout-Plugins für komprimierte Darstellung
- Rule Builder für dynamische Versandkosten-Anzeige
- Flow Builder für automatisierte Warenkorb-E-Mails
- Custom Fields gezielt einsetzen oder entfernen
WooCommerce Checkout
WooCommerce ist von Haus aus flexibel anpassbar:
- Checkout Field Editor zum Entfernen überflüssiger Felder
- WooCommerce PayPal Payments für Express-Checkout
- CartFlows oder FunnelKit für optimierte Checkout-Funnels
- AJAX-basierter Checkout für nahtlose Nutzererfahrung
Erfolg messen: Checkout-KPIs
Messen Sie den Erfolg Ihrer Optimierungen mit diesen Kennzahlen:
| KPI | Berechnung | Benchmark |
|---|---|---|
| Checkout-Conversion-Rate | Bestellungen / Checkout-Starts | > 45% |
| Warenkorbabbruchrate | 1 - (Bestellungen / Warenkörbe) | < 70% |
| Durchschnittl. Checkout-Zeit | Zeit Start bis Abschluss | < 3 Min |
| Formularfehler-Rate | Fehlermeldungen / Checkout-Starts | < 10% |
| Exit-Rate pro Schritt | Abbrüche pro Checkout-Schritt | Variiert |
Nutzen Sie Tools wie Google Analytics Enhanced Ecommerce, Hotjar oder Matomo E-Commerce für detaillierte Einblicke in Ihr Checkout-Verhalten. Mit Shop-Monitoring behalten Sie die wichtigsten KPIs im Blick.
A/B-Tests im Checkout
Nicht jede Optimierung funktioniert für jeden Shop gleich. Testen Sie Änderungen mit A/B-Tests:
- Button-Farben und -Texte: Kaufen vs. Jetzt bestellen vs. Weiter zur Kasse
- Formular-Layout: Einspaltiges vs. zweispaltiges Layout
- Vertrauenssignale: Position und Anzahl der Trust-Badges
- Express-Checkout-Position: Warenkorb vs. Produktseite
- Progress-Bar-Design: Schritte vs. Prozentanzeige
Eine gute Checkout-Conversion-Rate (Anteil der Nutzer, die den Checkout starten und abschließen) liegt bei über 45%. Spitzenwerte erreichen 60-70%, während viele Shops bei 30-40% liegen.
Studien zeigen, dass 3 Schritte oder weniger optimal sind. Ein One-Page-Checkout kann die Conversion steigern, ist aber nicht für jeden Shop geeignet - bei komplexen Produkten oder B2B kann ein strukturierter Mehrstufenprozess besser funktionieren.
Ein sichtbares Gutscheinfeld kann Kunden ohne Code dazu bringen, nach Rabatten zu suchen und den Checkout zu verlassen. Besser: Feld eingeklappt mit 'Gutscheincode vorhanden?' oder nur anzeigen, wenn der Nutzer über einen Gutschein-Link kam.
Sehr wichtig. Jede Sekunde Ladezeit kann die Conversion um 7% senken (Akamai). Optimieren Sie Server-Antwortzeiten, nutzen Sie AJAX für Formularvalidierung und minimieren Sie JavaScript im Checkout.
Ja, aber die Erfolgsquote sinkt mit der Zeit. Die beste Recovery-Rate haben E-Mails innerhalb der ersten Stunde. Nach 24-72 Stunden können Remarketing-Anzeigen noch Wirkung zeigen, besonders bei höherpreisigen Produkten mit längerem Kaufentscheidungsprozess.
Jeder Prozentpunkt zählt
Bei 70% durchschnittlicher Abbruchrate liegt enormes Potenzial brach. Schon kleine Verbesserungen haben große Wirkung: 5% weniger Abbrüche bedeuten bei 100.000 EUR Monatsumsatz rund 7.000 EUR mehr - jeden Monat. Beginnen Sie mit den Quick-Wins: Gastbestellung, transparente Kosten, weniger Formularfelder.
Dieser Artikel basiert auf Daten von Baymard Institute (Cart Abandonment Statistics 2024), Monetate E-Commerce Quarterly, Shopify Checkout Research, Invesp Conversion Studies und Rejoiner E-Commerce Recovery Data. Stand: Januar 2026.
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