70% aller Online-Warenkörbe werden vor dem Kauf abgebrochen (Baymard Institute). Das bedeutet: Von zehn Kunden, die Produkte in den Warenkorb legen, schließen nur drei den Kauf ab. Für Online-Shops ist das ein enormes Umsatzpotenzial, das ungenutzt bleibt. Die gute Nachricht: Mit gezielter Checkout-Optimierung - kombiniert mit gutem Shop-Monitoring - lässt sich die Abbruchrate deutlich senken.

Checkout-OptimierungVorher: Abbruch70%Nachher: Conversion+35%Weniger Schritte | Vertrauen aufbauen | Zahlungsoptionen | Mobile First

Warum brechen Kunden den Checkout ab?

Bevor Sie optimieren können, müssen Sie die Gründe für Abbrüche verstehen. Eine Studie des Baymard Institute (2024) zeigt die häufigsten Ursachen:

AbbruchgrundAnteil
Zusätzliche Kosten zu hoch (Versand, Steuern)48%
Konto-Erstellung erforderlich26%
Lieferung zu langsam23%
Checkout zu kompliziert/lang22%
Versandkosten nicht vorab sichtbar21%
Website nicht vertrauenswürdig18%
Technische Fehler17%
Rückgabebedingungen nicht akzeptabel16%
Zu wenige Zahlungsoptionen13%
Kreditkarte abgelehnt9%
Wichtige Erkenntnis

Die meisten Abbruchgründe sind vermeidbar. Transparente Kosten, Gastbestellung und ein einfacher Checkout-Prozess adressieren bereits die Top-4-Gründe.

Die 10 wichtigsten Checkout-Optimierungen

1. Gastbestellung anbieten

26% der Abbrüche (Baymard Institute) entstehen durch Pflicht-Registrierung. Bieten Sie immer eine Gastbestellung an. Kunden können nach dem Kauf optional ein Konto erstellen - mit einem Klick, da alle Daten bereits vorliegen.

  • Gastbestellung als primäre Option anzeigen
  • Registrierung als optionalen Vorteil positionieren (Bestellhistorie, schnellere Bestellungen)
  • Social Login als Alternative anbieten (Google, Apple)
  • Nach Kauf: Ein-Klick-Kontoerstellung mit vorausgefüllten Daten

2. Kosten früh und transparent zeigen

48% der Abbrüche (Baymard Institute) passieren wegen unerwarteter Zusatzkosten. Zeigen Sie Versandkosten, Steuern und Gebühren so früh wie möglich - idealerweise bereits auf der Produktseite oder im Warenkorb.

  • Versandkosten-Rechner im Warenkorb basierend auf PLZ
  • Schwellenwert für kostenlosen Versand prominent anzeigen (Ab 50 EUR versandkostenfrei)
  • Alle Kosten aufschlüsseln - keine versteckten Gebühren am Ende
  • Bei internationalen Shops: Zoll und Steuern transparent kommunizieren

3. Checkout auf maximal 3 Schritte reduzieren

Je mehr Schritte, desto mehr Absprungpunkte. Die optimale Checkout-Länge liegt bei 3 Schritten oder weniger. Ein One-Page-Checkout kann die Conversion um bis zu 21% steigern (Invesp).

Schritt 1

Kontaktdaten und Lieferadresse

Schritt 2

Versandart und Lieferoptionen

Schritt 3

Zahlung und Bestätigung

4. Progress-Indikator einsetzen

Kunden wollen wissen, wo sie im Prozess stehen. Ein visueller Fortschrittsbalken reduziert die gefühlte Komplexität und motiviert zum Abschluss. Zeigen Sie klar: Schritt 1 von 3, Schritt 2 von 3, etc.

5. Vertrauenssignale integrieren

18% der Abbrüche (Baymard Institute) entstehen durch mangelndes Vertrauen. Bauen Sie Sicherheit auf durch:

  • SSL-Zertifikat mit sichtbarem Schloss-Symbol
  • Trusted Shops, TÜV-Siegel oder ähnliche Zertifizierungen
  • Sichere Zahlung-Badges (Visa, Mastercard, PayPal)
  • Kundenbewertungen und Testimonials im Checkout
  • Kontaktmöglichkeiten (Telefon, Chat) sichtbar platzieren
Trust-Badges Platzierung

Platzieren Sie Vertrauenssignale in der Nähe des Bezahl-Buttons und der Kreditkartenfelder - dort, wo die höchste Unsicherheit besteht.

6. Mehr Zahlungsoptionen anbieten

13% der Kunden (Baymard Institute) brechen ab, weil ihre bevorzugte Zahlungsmethode fehlt. In Deutschland sind folgende Zahlungsarten unverzichtbar:

ZahlungsartNutzung DEEmpfehlung
PayPal30%Pflicht
Kreditkarte18%Pflicht
Kauf auf Rechnung20%Sehr empfohlen
Klarna/Ratenkauf12%Empfohlen
SEPA-Lastschrift10%Empfohlen
Apple/Google Pay8%Empfohlen

Moderne Zahlungsanbieter wie Klarna, PayPal oder Mollie bieten mehrere Optionen in einer Integration.

7. Mobile Checkout optimieren

60% des E-Commerce-Traffics kommt von Mobilgeräten, aber die mobile Conversion-Rate liegt oft 50% unter Desktop (Monetate). Der mobile Checkout braucht besondere Aufmerksamkeit:

  • Große Touch-Targets (min. 44x44px)
  • Automatische Tastatur-Typen (numerisch für PLZ, E-Mail für E-Mail)
  • Autofill und Adressvorschläge nutzen
  • Apple Pay / Google Pay als Express-Checkout
  • Sticky Buy-Button am unteren Bildschirmrand

8. Formularfelder minimieren

Jedes zusätzliche Formularfeld erhöht die Abbruchwahrscheinlichkeit. Fragen Sie nur, was Sie wirklich brauchen:

  • Verzichtbar: Anrede, Titel, Firmenname (bei B2C), Faxnummer
  • Zusammenfassen: Vor- und Nachname in einem Feld bei Mobile
  • Automatisieren: PLZ-basierte Stadt- und Ländererkennung
  • Optional markieren: Adresszusatz, Telefon (wenn nicht für Lieferung nötig)

9. Express-Checkout implementieren

Express-Checkout-Optionen wie PayPal Express, Apple Pay, Google Pay oder Shop Pay ermöglichen den Kauf mit einem Klick - ohne manuelle Dateneingabe. Diese Optionen steigern die Conversion um bis zu 40% bei mobilen Nutzern (Shopify).

Platzieren Sie Express-Buttons prominent im Warenkorb und auf Produktseiten für impulskaufaffine Produkte.

10. Exit-Intent und Warenkorb-Recovery

Nicht jeder Abbruch ist endgültig. Mit den richtigen Maßnahmen holen Sie verlassene Warenkörbe zurück:

  • Exit-Intent-Popup: Bei Verlassensabsicht Anreiz bieten (5% Rabatt, kostenloser Versand)
  • E-Mail-Reminder: Automatisierte E-Mail nach 1h, 24h und 72h
  • Remarketing: Dynamische Anzeigen mit verlassenen Produkten
  • Persistenter Warenkorb: Produkte speichern für wiederkehrende Besucher
E-Mail-Recovery Timing

Die erste Erinnerungs-E-Mail innerhalb einer Stunde nach Abbruch hat die höchste Conversion-Rate (Rejoiner). Nach 24 Stunden sinkt die Wahrscheinlichkeit einer Rückkehr deutlich.

Checkout-Optimierung für verschiedene Shopsysteme

Shopware 6 Checkout

Shopware 6 bietet einen modernen, anpassbaren Checkout. Optimierungsmöglichkeiten:

  • One-Page-Checkout-Plugins für komprimierte Darstellung
  • Rule Builder für dynamische Versandkosten-Anzeige
  • Flow Builder für automatisierte Warenkorb-E-Mails
  • Custom Fields gezielt einsetzen oder entfernen

WooCommerce Checkout

WooCommerce ist von Haus aus flexibel anpassbar:

  • Checkout Field Editor zum Entfernen überflüssiger Felder
  • WooCommerce PayPal Payments für Express-Checkout
  • CartFlows oder FunnelKit für optimierte Checkout-Funnels
  • AJAX-basierter Checkout für nahtlose Nutzererfahrung

Erfolg messen: Checkout-KPIs

Messen Sie den Erfolg Ihrer Optimierungen mit diesen Kennzahlen:

KPIBerechnungBenchmark
Checkout-Conversion-RateBestellungen / Checkout-Starts> 45%
Warenkorbabbruchrate1 - (Bestellungen / Warenkörbe)< 70%
Durchschnittl. Checkout-ZeitZeit Start bis Abschluss< 3 Min
Formularfehler-RateFehlermeldungen / Checkout-Starts< 10%
Exit-Rate pro SchrittAbbrüche pro Checkout-SchrittVariiert

Nutzen Sie Tools wie Google Analytics Enhanced Ecommerce, Hotjar oder Matomo E-Commerce für detaillierte Einblicke in Ihr Checkout-Verhalten. Mit Shop-Monitoring behalten Sie die wichtigsten KPIs im Blick.

A/B-Tests im Checkout

Nicht jede Optimierung funktioniert für jeden Shop gleich. Testen Sie Änderungen mit A/B-Tests:

  • Button-Farben und -Texte: Kaufen vs. Jetzt bestellen vs. Weiter zur Kasse
  • Formular-Layout: Einspaltiges vs. zweispaltiges Layout
  • Vertrauenssignale: Position und Anzahl der Trust-Badges
  • Express-Checkout-Position: Warenkorb vs. Produktseite
  • Progress-Bar-Design: Schritte vs. Prozentanzeige

Eine gute Checkout-Conversion-Rate (Anteil der Nutzer, die den Checkout starten und abschließen) liegt bei über 45%. Spitzenwerte erreichen 60-70%, während viele Shops bei 30-40% liegen.

Studien zeigen, dass 3 Schritte oder weniger optimal sind. Ein One-Page-Checkout kann die Conversion steigern, ist aber nicht für jeden Shop geeignet - bei komplexen Produkten oder B2B kann ein strukturierter Mehrstufenprozess besser funktionieren.

Ein sichtbares Gutscheinfeld kann Kunden ohne Code dazu bringen, nach Rabatten zu suchen und den Checkout zu verlassen. Besser: Feld eingeklappt mit 'Gutscheincode vorhanden?' oder nur anzeigen, wenn der Nutzer über einen Gutschein-Link kam.

Sehr wichtig. Jede Sekunde Ladezeit kann die Conversion um 7% senken (Akamai). Optimieren Sie Server-Antwortzeiten, nutzen Sie AJAX für Formularvalidierung und minimieren Sie JavaScript im Checkout.

Ja, aber die Erfolgsquote sinkt mit der Zeit. Die beste Recovery-Rate haben E-Mails innerhalb der ersten Stunde. Nach 24-72 Stunden können Remarketing-Anzeigen noch Wirkung zeigen, besonders bei höherpreisigen Produkten mit längerem Kaufentscheidungsprozess.

Jeder Prozentpunkt zählt

Bei 70% durchschnittlicher Abbruchrate liegt enormes Potenzial brach. Schon kleine Verbesserungen haben große Wirkung: 5% weniger Abbrüche bedeuten bei 100.000 EUR Monatsumsatz rund 7.000 EUR mehr - jeden Monat. Beginnen Sie mit den Quick-Wins: Gastbestellung, transparente Kosten, weniger Formularfelder.

Quellen

Dieser Artikel basiert auf Daten von Baymard Institute (Cart Abandonment Statistics 2024), Monetate E-Commerce Quarterly, Shopify Checkout Research, Invesp Conversion Studies und Rejoiner E-Commerce Recovery Data. Stand: Januar 2026.

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