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Buy Now, Pay Later (BNPL) gehört im Onlinehandel längst zum festen Bestand der Zahlarten: Ratenzahlung und Rechnungskauf stehen in vielen Shops direkt neben Karte und Lastschrift. Ab dem 20. November 2026 gelten durch die überarbeitete EU-Verbraucherkreditrichtlinie (CCD II) erstmals strenge regulatorische Vorgaben für diese Zahlungsform. Für E-Commerce-Händler bedeutet das: Wer BNPL-Optionen im Checkout anbietet, muss neue Compliance-Anforderungen erfüllen - von Bonitätsprüfungen bis zu erweiterten Informationspflichten.

Was ist die EU-Verbraucherkreditrichtlinie (CCD II)?

Die Richtlinie (EU) 2023/2225 - auch als Consumer Credit Directive II (CCD II) bekannt - wurde im November 2023 vom Europäischen Parlament verabschiedet und ersetzt die bisherige Verbraucherkreditrichtlinie von 2008. Der entscheidende Unterschied: Die neue Richtlinie erfasst erstmals auch zinsfreie Kredite und BNPL-Angebote, die bisher von der Regulierung ausgenommen waren.

Alle 27 EU-Mitgliedstaaten müssen die Richtlinie bis zum 20. November 2025 in nationales Recht umsetzen. Die neuen Regelungen gelten dann ab dem 20. November 2026 (Europäische Kommission). Deutschland arbeitet aktuell an der Umsetzung im Rahmen einer Novelle des Verbraucherkreditgesetzes. Für Online-Händler bedeutet dies eine grundlegende Veränderung bei der Integration von Zahlungsoptionen.

Stichtag: 20. November 2026

Ab diesem Datum müssen alle BNPL-Angebote in der EU den neuen Anforderungen entsprechen. Händler, die BNPL-Zahlungsarten anbieten, sollten bereits jetzt mit der Vorbereitung beginnen, da technische Anpassungen am Checkout und an Schnittstellen erfahrungsgemäß mehrere Monate dauern.

Welche Zahlungsarten sind betroffen?

Die CCD II erweitert den Anwendungsbereich der Verbraucherkreditregulierung erheblich. Bisher waren zinsfreie Kredite und Kleinkredite unter 200 Euro ausgenommen. Diese Ausnahmen fallen nun weitgehend weg. Für Shop-Betreiber ist es wichtig zu verstehen, welche der angebotenen Zahlungsarten betroffen sind:

ZahlungsartBetroffenNicht betroffen
Ratenzahlung (zinslos)Ja - neu reguliert
Rechnungskauf (> 3 Raten)Ja - neu reguliert
BNPL (Klarna, etc.)Ja - neu reguliert
Kreditkarte (Teilzahlung)Ja - bereits reguliert
SofortüberweisungDirektzahlung
Vorkasse / PayPal DirektSofortige Zahlung
LastschriftEinmalzahlung
Rechnungskauf (1 Rate)Unter Bedingungen*

*Rechnungskauf mit einer einzelnen Zahlung innerhalb von 50 Tagen und ohne Gebühren kann unter bestimmten Bedingungen von der vollen Regulierung ausgenommen sein. Die genaue Umsetzung im deutschen Recht steht noch aus. Für B2B-Geschäfte gelten abweichende Regelungen, da die Richtlinie primär den Verbraucherschutz adressiert.

Neue Compliance-Anforderungen im Detail

Die CCD II bringt für BNPL-Anbieter und damit indirekt auch für Händler vier zentrale Pflichtbereiche mit sich. Anbieter, die bisher unter die Ausnahme für zins- und gebührenfreie Kleinkredite fielen, müssen ihre Geschäftsmodelle anpassen; für Händler entsteht Aufwand vor allem im Checkout und in der Vertragsdokumentation.

1. Kreditwürdigkeitsprüfung

BNPL-Anbieter müssen vor jeder Kreditvergabe eine angemessene Bonitätsprüfung durchführen. Das betrifft auch kleine Beträge und zinsfreie Angebote. Die Prüfung muss auf Basis verlässlicher Daten erfolgen - beispielsweise durch Abfrage bei der SCHUFA oder vergleichbaren Auskunfteien. Für Händler bedeutet dies potenziell längere Checkout-Prozesse und eine mögliche Ablehnung von BNPL für bestimmte Kunden.

2. Vorvertragliche Informationspflichten

Verbraucher müssen vor Vertragsschluss über alle wesentlichen Kreditbedingungen informiert werden. Dazu gehören: Gesamtkreditbetrag, Laufzeit, Anzahl und Höhe der Raten, effektiver Jahreszins (auch bei zinsfreien Angeboten), etwaige Gebühren bei Zahlungsverzug und die Folgen eines Zahlungsausfalls. Diese Informationen müssen in einem standardisierten europäischen Informationsblatt (SECCI) bereitgestellt werden.

3. Widerrufsrecht

Verbraucher erhalten ein 14-tägiges Widerrufsrecht für den Kreditvertrag - unabhängig vom bereits bestehenden Widerrufsrecht für den Kaufvertrag. Das bedeutet in der Praxis: Kunden können den BNPL-Vertrag widerrufen, auch wenn sie die Ware behalten. Der Checkout-Prozess muss diese doppelte Widerrufsbelehrung klar und verständlich darstellen.

4. Vorzeitige Rückzahlung

Verbraucher erhalten das Recht, Ratenzahlungen jederzeit vorzeitig und ohne Strafgebühren zurückzuzahlen. Für Händler und Zahlungsdienstleister ändert dies die Kalkulation von Zahlungsplänen, da die erwartete Laufzeit nicht mehr planbar ist.

Bonitätsprüfung

Pflicht zur Kreditwürdigkeitsprüfung vor jeder BNPL-Transaktion - auch bei Kleinstbeträgen

SECCI-Formular

Standardisiertes EU-Informationsblatt mit allen Kreditkonditionen vor Vertragsschluss

Doppeltes Widerrufsrecht

14-Tage-Widerrufsrecht für Kreditvertrag zusätzlich zum Kaufvertrag

Auswirkungen auf Checkout und Conversion

BNPL-Optionen gelten im Checkout als Umsatztreiber und sind gerade bei jüngeren Kundengruppen verbreitet. Belastbare Zahlen dazu veröffentlichen die Anbieter allerdings kaum, und die vorliegenden Erhebungen stammen überwiegend aus deren eigenem Marketing. Die regulatorischen Änderungen könnten diese Vorteile beeinflussen, da zusätzliche Compliance-Schritte den Checkout-Prozess verlängern.

Die neuen Anforderungen wirken sich auf mehrere Stellen im Checkout-Prozess aus: Die Bonitätsprüfung kann zu einer Ablehnung des BNPL-Angebots führen, was eine nahtlose Fallback-Logik auf alternative Zahlungsarten erfordert. Das SECCI-Formular muss vor der Zahlungsbestätigung angezeigt werden, ohne den Kauffluss übermäßig zu unterbrechen. Die doppelte Widerrufsbelehrung muss klar und verständlich platziert werden.

Checkout-Optimierung trotz Regulierung

Eine durchdachte UX-Gestaltung kann die regulatorischen Pflichtinformationen so integrieren, dass die Conversion möglichst wenig leidet. Expandierbare Informationsfelder, Progressive Disclosure und eine klare Fallback-Logik bei BNPL-Ablehnung sind dabei bewährte Ansätze. Sprechen Sie uns für eine individuelle Beratung an.

Technische Vorbereitung: Checkout und Payment anpassen

Die technische Umsetzung der neuen Anforderungen erfordert Anpassungen auf mehreren Ebenen. Für Shopware-basierte Shops empfiehlt sich eine systematische Vorbereitung:

  1. Payment-Plugin-Audit (sofort): Prüfen Sie, welche BNPL-Zahlungsarten aktuell im Shop aktiv sind und welche Anbieter betroffen sind. Kontaktieren Sie die Plugin-Hersteller bezüglich geplanter Updates zur CCD-II-Compliance.
  2. Checkout-Flow analysieren (Q2 2026): Identifizieren Sie, wo im aktuellen Checkout-Prozess die neuen Pflichtinformationen (SECCI, Widerrufsbelehrung) integriert werden müssen, ohne die Conversion zu gefährden.
  3. Fallback-Logik implementieren (Q2-Q3 2026): Entwickeln Sie eine nahtlose Alternative für Kunden, deren BNPL-Antrag abgelehnt wird. Automatische Weiterleitung auf Kreditkarte, Überweisung oder andere Payment-Optionen vermeidet Kaufabbrüche.
  4. Schnittstellen aktualisieren (Q3 2026): Stellen Sie sicher, dass die API-Schnittstellen zu Ihren Zahlungsdienstleistern die neuen Datenfelder (Bonitätsergebnis, SECCI-Bestätigung, Widerrufsstatus) übertragen können.
  5. Testphase (Q3-Q4 2026): Testen Sie den angepassten Checkout-Prozess mit allen BNPL-Szenarien: Genehmigung, Ablehnung, Widerruf und vorzeitige Rückzahlung.

BNPL-Verbreitung: was aufsichtlich erhoben ist

Belastbare Marktzahlen zu BNPL sind selten, weil die Anbieter ihre Volumina nicht offenlegen. Wo eine Aufsicht selbst erhoben hat, ist das Bild eindeutig: In Großbritannien nutzten 20% der Erwachsenen und damit 10,9 Millionen Menschen BNPL mindestens einmal in den zwölf Monaten bis Mai 2024, nach 17% im Jahr 2022 (FCA). Für die EU nennt die Europäische Bankenaufsicht keine Marktzahl, ordnet den Anstieg von BNPL-Krediten in ihrem Verbraucherbericht aber als zweitwichtigstes Thema ein (EBA).

Die Regulierung zielt auf einen Markt, in dem häufige Nutzung und Zahlungsprobleme zusammenfallen: Wer BNPL mehr als zehnmal genutzt hatte, verpasste über viermal so oft eine Rechnung oder Kreditrate wie jemand ohne BNPL-Nutzung, nämlich 27% gegenüber 6% (Financial Conduct Authority). Die EU sieht hier Verbraucherschutzbedarf: Durch die scheinbare Einfachheit von BNPL-Angeboten unterschätzen Verbraucher das finanzielle Risiko. Die Regulierung soll Transparenz schaffen, ohne Innovation zu bremsen.

Pflichten für Händler vs. Zahlungsdienstleister

Ein häufiges Missverständnis: Die CCD II richtet sich primär an Kreditgeber und Kreditvermittler, nicht direkt an Händler. Dennoch sind Online-Händler indirekt betroffen, denn die Regulierung verändert die technischen und vertraglichen Rahmenbedingungen der BNPL-Integration im Shop.

VerantwortungsbereichZahlungsdienstleisterOnline-Händler
Bonitätsprüfung durchführenPrimäre PflichtTechnische Integration bereitstellen
SECCI-Formular bereitstellenInhaltliche VerantwortungDarstellung im Checkout sicherstellen
WiderrufsbelehrungTexterstellung und RechtskonformitätKorrekte Einbindung im Bestellprozess
DatenübertragungAPI-Endpunkte bereitstellenSchnittstellen korrekt implementieren
Fallback bei AblehnungStatusmeldung übermittelnAlternative Zahlungsart anbieten

Händler sollten ihre Verträge mit Zahlungsdienstleistern frühzeitig prüfen und sicherstellen, dass die Verantwortlichkeiten für die neuen Pflichten klar geregelt sind. Eine professionelle Beratung hilft, Haftungsrisiken zu minimieren.

Datenschutz und BNPL: DSGVO-Anforderungen

Die Bonitätsprüfung im Rahmen von BNPL-Transaktionen verarbeitet besonders sensible personenbezogene Daten. Die DSGVO stellt hier strenge Anforderungen: Für die Bonitätsabfrage bei Auskunfteien ist in der Regel eine ausdrückliche Einwilligung oder ein berechtigtes Interesse erforderlich. Die Ergebnisse der Prüfung dürfen nur zweckgebunden verwendet und nicht länger als nötig gespeichert werden.

Für Shop-Betreiber bedeutet dies: Der Checkout muss transparent kommunizieren, dass eine Bonitätsprüfung stattfindet, und das Einwilligungsmanagement muss die BNPL-bezogene Datenverarbeitung abdecken. Die Kombination aus CCD II und DSGVO erhöht den Compliance-Aufwand, schützt aber gleichzeitig vor Abmahnrisiken.

DSGVO und Bonitätsprüfung

Die SCHUFA und andere Auskunfteien dürfen Score-Werte nur auf Basis von Art. 22 DSGVO (automatisierte Einzelentscheidungen) verarbeiten, wenn die Voraussetzungen erfüllt sind. Kunden haben ein Recht auf Auskunft und Erklärung der Entscheidungslogik. Shop-Betreiber sollten dies in ihrer Datenschutzerklärung berücksichtigen.

Handlungsempfehlungen für Shop-Betreiber

Die Regulierung ist kein Grund, BNPL-Optionen aus dem Shop zu entfernen - im Gegenteil. Wer die Anforderungen früh erfüllt, behält eine im Checkout etablierte Zahlart und muss sie nicht unter Zeitdruck abschalten. Der Schlüssel liegt in der rechtzeitigen und professionellen Vorbereitung:

  • Aktuelle Payment-Plugins auf CCD-II-Readiness prüfen
  • Checkout-Flow auf regulatorische Pflichtinformationen vorbereiten
  • Fallback-Zahlungsarten für BNPL-Ablehnungen konfigurieren
  • Datenschutzerklärung um BNPL-Bonitätsprüfung erweitern
  • Verträge mit Zahlungsdienstleistern bezüglich neuer Pflichten prüfen
  • AGB und Widerrufsbelehrung an doppeltes Widerrufsrecht anpassen
  • Mitarbeiter im Kundenservice über neue Regelungen schulen
  • Monitoring für BNPL-Ablehnungsraten und Conversion-Impact einrichten

Regulierung als Chance für den E-Commerce

Die BNPL-Regulierung schafft ein einheitliches Spielfeld innerhalb der EU — wie auch die EmpCo-Regeln für Umweltaussagen im Nachhaltigkeitsbereich — und stärkt das Vertrauen der Verbraucher in Ratenzahlungsangebote. Klare Konditionen und eine verständliche Vorabinformation sind ab dem Stichtag ohnehin Pflicht. Shops, die früh darauf umstellen, können dies als Wettbewerbsvorteil nutzen.

Die regulatorische Reife eines Online-Shops wird zunehmend zum Qualitätsmerkmal. Händler, die professionell integrierte Zahlungsoptionen anbieten, signalisieren Seriosität und Kundenorientierung. Gerade im Wettbewerb mit internationalen Plattformen kann die nachweisbare Einhaltung europäischer Verbraucherschutzstandards ein Differenzierungsmerkmal sein.

Payment-Integration aus einer Hand

Von der Analyse Ihrer aktuellen Zahlungsoptionen über die Schnittstellenintegration bis zur CCD-II-konformen Checkout-Optimierung - wir begleiten Sie durch den gesamten Prozess. Sprechen Sie uns an für eine individuelle Bewertung Ihres Payment-Setups.

Ab dem 20. November 2026 fallen BNPL-Angebote und zinsfreie Ratenzahlungen unter die EU-Verbraucherkreditrichtlinie (CCD II). BNPL-Anbieter müssen dann Bonitätsprüfungen durchführen, standardisierte Informationsblätter bereitstellen und Verbrauchern ein 14-tägiges Widerrufsrecht einräumen. Für Händler bedeutet das technische Anpassungen am Checkout.

Nein, die Pflicht zur Bonitätsprüfung liegt beim Zahlungsdienstleister bzw. Kreditgeber. Als Händler müssen Sie jedoch sicherstellen, dass Ihr Checkout die technische Integration für die Prüfung unterstützt und bei Ablehnung eine nahtlose Alternative anbietet. Die Verantwortlichkeiten sollten vertraglich klar geregelt sein.

Nicht unbedingt. Ein klassischer Rechnungskauf mit einer einzelnen Zahlung innerhalb von 50 Tagen ohne Gebühren kann unter bestimmten Bedingungen von der vollen Regulierung ausgenommen sein. Ratenzahlungen und BNPL-Modelle mit mehreren Teilzahlungen fallen in der Regel unter die neue Richtlinie. Die genaue nationale Umsetzung in Deutschland steht noch aus.

Zusätzliche Compliance-Schritte im Checkout können die Conversion kurzfristig beeinflussen. Durch eine durchdachte UX-Gestaltung, Progressive Disclosure der Pflichtinformationen und eine gut implementierte Fallback-Logik bei BNPL-Ablehnung lässt sich der Impact erfahrungsgemäß minimieren. Langfristig stärkt Transparenz das Kundenvertrauen.

Davon ist in der Regel abzuraten. BNPL ist im Checkout eine etablierte Zahlart; ein ersatzloser Wegfall trifft vor allem Kunden, die auf Rechnung kaufen wollen. Statt BNPL zu entfernen, empfiehlt sich eine frühzeitige Vorbereitung auf die neuen Anforderungen und eine professionelle Payment-Integration, die Compliance und Conversion verbindet.

Wir analysieren Ihre aktuellen Zahlungsoptionen, prüfen die CCD-II-Readiness Ihrer Payment-Plugins, passen den Checkout-Flow an die neuen Anforderungen an und implementieren Fallback-Logiken für BNPL-Ablehnungen. Von der Schnittstellenprogrammierung bis zur UX-Optimierung unterstützen wir den gesamten Prozess.

Quellen und Studien

Dieser Artikel stützt sich auf die Richtlinie (EU) 2023/2225 (CCD II) im Amtsblatt der Europäischen Union, auf Erhebungen der britischen Financial Conduct Authority und auf den Verbraucherbericht der European Banking Authority. Die genannten Zahlen und regulatorischen Details können sich durch die nationale Umsetzung der Richtlinie noch ändern.