Ein Relaunch verschiebt Gestaltung, Technik und Struktur eines Online-Shops - und mit der Struktur verschieben sich die Adressen. Genau daran entscheidet sich, ob die über Jahre aufgebaute Sichtbarkeit den Wechsel übersteht. Bleibt eine alte Adresse ohne Ziel, laufen Suchmaschinen, Bestandslinks und Lesezeichen ins Leere: In einem dokumentierten Fall verlor ein Hersteller binnen zwölf Tagen 42 Prozent organischen Traffic, in der Startwoche fehlten bis zu 31 Prozent der organischen Suchbesuche (Practical Ecommerce 2013). Ein sauberes Weiterleitungskonzept ist deshalb kein technisches Anhängsel am Projektende, sondern der Baustein, der den Bestand sichert. Dieser Beitrag zeigt, wie eine belastbare Redirect-Matrix entsteht, welche Statuscodes wofür taugen, wie Sie vor dem Start testen und woran Sie nach dem Go-Live erkennen, ob der Umzug getragen hat.
Warum ein Relaunch die Sichtbarkeit gefährdet
Suchmaschinen bewerten keine Seiten im abstrakten Sinn, sondern konkrete Adressen. Ranking-Historie, externe Verweise, interne Signale und der Index-Bestand hängen an einer bestimmten URL. Ändert ein Relaunch die Adressstruktur - etwa weil aus /kategorie/damenschuhe/ künftig /damen/schuhe/ wird -, dann existiert die bewertete Adresse nicht mehr. Ohne dauerhafte Weiterleitung landet jeder Aufruf auf einer Fehlerseite, und die aufgebauten Signale wandern nicht mit. Genau deshalb ist das Weiterleitungskonzept der Teil eines Website-Relaunches, der über den Bestand an organischer Sichtbarkeit entscheidet.
Der Einsatz ist beträchtlich. Der deutsche Onlinehandel setzte 2025 rund 83 Milliarden Euro brutto mit Waren um (bevh), der Onlineanteil am Einzelhandel im engeren Sinne lag netto bei 13,5 Prozent (HDE) - beide Erhebungen grenzen unterschiedlich ab und lassen sich nicht miteinander verrechnen -, und 70 Prozent der 16- bis 74-Jährigen in Deutschland haben 2025 in den vergangenen drei Monaten online Waren oder Dienstleistungen gekauft (Statistisches Bundesamt). Wer in diesem Umfeld für einige Wochen aus den Ergebnislisten fällt, verliert nicht nur Sitzungen, sondern Umsatz genau in der Phase, in der sich die Investition in den Relaunch zu rechnen beginnen soll. Der Schaden ist dabei nicht symmetrisch: Sichtbarkeit bricht innerhalb von Tagen weg, sie kommt aber erst über Wochen und Monate zurück.
Wie stark der Einbruch ausfällt, hängt weniger vom neuen Design ab als von der Sorgfalt beim Adresswechsel. In einem dokumentierten Fall verzichtete ein Hersteller aus Ressourcenmangel auf ein Weiterleitungskonzept und verlor binnen zwölf Tagen 42 Prozent organischen Traffic; in der Startwoche fehlten bis zu 31 Prozent der organischen Suchbesuche (Practical Ecommerce 2013). Wurden die traffic-stärksten Adressen dagegen unverändert übernommen, blieb der Traffic im Jahresvergleich ohne erkennbaren Einbruch (Practical Ecommerce 2013). Solche Zahlen sind keine Naturgesetze, sondern die Folge fehlender Vorarbeit - und damit vermeidbar.
Bei einem Umzug hinterlässt man einen Nachsendeauftrag. Technisch übernimmt diese Rolle die dauerhafte Weiterleitung: Sie sagt Browsern, Suchmaschinen und verlinkenden Seiten, dass die Adresse gewechselt hat und das neue Ziel dauerhaft gilt. Fehlt der Nachsendeauftrag, bleibt die Post liegen - im Web heißt das Fehlerseite statt Produktseite, und zwar für jeden, der über einen alten Verweis kommt.
Was alles an einer einzelnen Adresse hängt
Bevor eine Adresse ersetzt wird, lohnt der Blick darauf, was an ihr hängt. Die Liste ist länger, als sie im Projektplan meist erscheint - und sie erklärt, warum der Schaden eines fehlenden Weiterleitungskonzepts weit über die Suchmaschine hinausreicht:
- Ranking-Historie: Die Bewertung einer Seite entsteht über Monate. Sie ist an die Adresse gebunden und wandert nur dann mit, wenn eine dauerhafte Weiterleitung den Zusammenhang zwischen alt und neu herstellt (Google Search Central).
- Externe Verweise: Verlinkungen aus Fachartikeln, Verzeichnissen, Foren und Partnerseiten lassen sich nachträglich selten korrigieren. Jede tote Zieladresse entwertet einen Verweis, den Sie sich über Jahre erarbeitet haben.
- Bestandslinks in Mails und Dokumenten: Bestellbestätigungen, Newsletter, Rechnungen und PDF-Kataloge verweisen lange auf einzelne Produktseiten. Wie diese Kette sauber bleibt, zeigt der Beitrag zur Bestellbestätigung als Umsatzkanal.
- Interne Verlinkung: Menüs, Verwandtes-Blöcke und Fließtextlinks zeigen nach dem Umzug auf alte Ziele. Sie gehören direkt auf die neue Adresse umgeschrieben, statt dauerhaft über eine Weiterleitung zu laufen - Hintergrund im Beitrag zur internen Verlinkung im Shop.
- Kampagnen und Datenfeeds: Anzeigen, Preisportale, Marktplatz-Exporte und QR-Codes auf gedrucktem Material tragen alte Adressen weiter, oft über mehrere Jahre hinweg.
- Bilder und Downloads: Auch Medien-Adressen sind indexiert. Wandert das Verzeichnis, verschwinden Treffer aus der Bildersuche, und eingebettete Bilder auf fremden Seiten brechen weg.
Es geht auch andersherum: Wurden bei einem Relaunch die traffic-stärksten Adressen unverändert übernommen, blieb der organische Traffic im Jahresvergleich ohne erkennbaren Einbruch (Practical Ecommerce 2013). Die wirksamste Weiterleitung ist die, die gar nicht nötig wird. Wer Adressen ohne fachlichen Grund ändert - nur weil ein neues System andere Muster vorschlägt -, erzeugt Risiko ohne Gegenwert.
Die Redirect-Matrix: eine Entscheidung je Adresse
Das Herzstück eines Weiterleitungskonzepts ist eine schlichte Tabelle. Für jede Adresse des Bestands steht darin genau eine Entscheidung - kein Vermerk "klären wir beim Go-Live", keine leeren Zellen. Bewährt hat sich eine Matrix mit fünf Spalten: alte Adresse, Seitentyp, Entscheidung, Statuscode und neues Ziel. Ergänzt um zwei Kennzahlen je Zeile - Sitzungen der letzten zwölf Monate und Zahl der verweisenden Domains - wird aus der Tabelle zugleich eine Prioritätenliste.
| Entscheidung | Wann sie passt | Statuscode |
|---|---|---|
| Adresse bleibt | Inhalt und Pfad ändern sich nicht | keine Weiterleitung |
| Ziel eins zu eins | Der Inhalt zieht unverändert um | 301 |
| Nächstliegendes Ziel | Inhalt geht in einer anderen Seite auf | 301 |
| Zusammenlegung | Mehrere Seiten werden zu einer | 301 |
| Bewusst entfernt | Kein passender Ersatz vorhanden | 410 |
Die letzte Zeile ist die unbequeme. Es gibt Inhalte, für die es kein sinnvolles Ziel gibt: ausgelaufene Aktionen, eingestellte Sortimente, veraltete Hinweise. Der Reflex, sie pauschal auf die Startseite zu schicken, schadet mehr als er nützt. Google rät ausdrücklich davon ab, alle alten Adressen gesammelt auf die Startseite zu leiten; solche Weiterleitungen können als weiche Fehlerseiten gewertet werden (Google Search Central). Ein ehrlicher Statuscode 410 ist in diesen Fällen das bessere Signal - er sagt klar, dass der Inhalt entfallen ist, und beendet das Nachfassen der Suchmaschine schneller als ein dauerhaft wiederkehrender 404.
Wichtig ist außerdem die Reihenfolge. Die Matrix entsteht während des Aufbaus der neuen Struktur, nicht danach. Wer die alte Adressliste erst kennt, wenn das neue Menü steht, baut Ziele, die es für einen Teil des Bestands schlicht nicht gibt - und muss dann unter Zeitdruck improvisieren. Umgekehrt liefert die Matrix wertvolle Hinweise für die neue Informationsarchitektur: Findet sich für eine ganze Gruppe alter Adressen kein Ziel, fehlt der neuen Struktur möglicherweise eine Ebene.
Bestandsaufnahme: woher die vollständige Adressliste kommt
Eine Matrix taugt nur so viel wie die Liste, auf der sie fußt. Ein einzelner Crawl reicht dafür selten: Er findet, was intern verlinkt ist, aber nicht die verwaisten Seiten, die trotzdem Verweise oder Zugriffe haben. Belastbar wird die Liste erst aus mehreren Quellen - zusammengeführt, entdoppelt und normalisiert, inklusive Groß- und Kleinschreibung, Schrägstrich am Ende und Reihenfolge der Parameter.
- Crawl des Bestands: Ein vollständiger Durchlauf der alten Website liefert die Grundmenge samt Statuscodes, Titeln und bereits vorhandenen Weiterleitungen.
- Server-Logfiles: Sie zeigen, welche Adressen tatsächlich abgerufen werden - auch solche, die nirgends verlinkt sind. Ein Zeitraum von zwölf Monaten fängt saisonale Seiten mit ein.
- Sitemaps und Feeds: XML-Sitemaps, Produktdaten-Feeds und Marktplatz-Exporte enthalten Adressen, die im Crawl fehlen können, etwa ausgelistete Artikel.
- Index-Bestand der Suchmaschine: Die Berichte zur Indexabdeckung zeigen, welche Adressen aufgenommen wurden und welche aus welchem Grund ausgeschlossen sind.
- Zugriffsdaten: Ein Analysewerkzeug liefert Sitzungen und Umsatz je Einstiegsseite - die Grundlage für jede Priorisierung.
- Externe Verweise: Die Liste verweisender Domains zeigt, welche alten Adressen fremde Links tragen. Diese Zeilen verdienen besondere Sorgfalt, weil sie sich nicht ersetzen lassen.
- Gedrucktes und Offline: Kataloge, Verpackungen, Fahrzeugbeschriftung und QR-Codes tragen Adressen, die sich nachträglich nicht mehr ändern lassen.
Bei zehntausenden Adressen lässt sich nicht jede Zeile von Hand prüfen. Bewährt hat sich eine Dreiteilung: Die traffic- und linkstärksten Adressen werden einzeln zugeordnet, der Mittelbau nach Regeln je Seitentyp, der lange Rest über Mustervorlagen. Ein SEO-Audit vor dem Relaunch liefert die Datenbasis für diese Einteilung und deckt nebenbei Altlasten auf, die man nicht mit umziehen sollte.
Statuscodes richtig wählen: 301, 308, 302 und 410
Für den Umzug einer Adresse gilt eine klare Empfehlung: serverseitige, dauerhafte Weiterleitungen mit dem Statuscode 301 oder 308 (Google Search Central). Dauerhaft heißt, dass die alte Adresse nicht zurückkommt - genau das ist beim Relaunch der Fall. Temporäre Codes signalisieren das Gegenteil und halten die alte Adresse im Index, was den Umzug in die Länge zieht und zu doppelten Einträgen führen kann.
| Code | Bedeutung | Rolle beim Relaunch |
|---|---|---|
| 301 | Dauerhaft verschoben | Standardfall für umgezogene Inhalte |
| 308 | Dauerhaft, Methode bleibt erhalten | Gleichwertig, relevant bei Formularen |
| 302 / 307 | Vorübergehend verschoben | Nur für echte Übergangslösungen |
| 410 | Dauerhaft entfernt | Für Inhalte ohne passenden Ersatz |
| 404 | Nicht gefunden | Übrig gebliebener Rest, nicht geplant |
Die Weiterleitung gehört auf den Server, nicht in die Seite. Eine Umleitung per JavaScript oder Meta-Refresh wird zwar häufig verstanden, ist aber langsamer, störanfälliger und nicht das, worauf sich Suchmaschinen bevorzugt stützen. Serverseitige Regeln greifen vor dem ersten Byte Inhalt und gelten für jeden Aufruf gleich - auch für Anfragen, die kein JavaScript ausführen.
# Einzelzuordnungen aus der Redirect-Matrix
map $request_uri $redirect_ziel {
default "";
/kategorie/damenschuhe/ /damen/schuhe/;
/produkt/sku-4821/ /p/sneaker-luna-4821/;
/aktion/sommer-2024/ /sale/sommer/;
}
server {
# Dauerhafte Weiterleitung, ein Sprung ohne Zwischenstation
if ($redirect_ziel != "") {
return 301 $redirect_ziel;
}
# Bewusst entfernter Inhalt ohne Ersatz
location = /service/faq.html {
return 410;
}
} Bei sehr großen Zuordnungslisten ist eine gepflegte Datei mit Schlüssel-Ziel-Paaren wartbarer als hunderte Einzelregeln, und sie lässt sich direkt aus der Matrix erzeugen. Wichtig ist, dass die Liste versioniert und nachvollziehbar bleibt: Wer nach zwei Jahren nicht mehr weiß, warum eine Zeile existiert, entfernt sie irgendwann versehentlich. Ein kurzer Kommentar je Block - Herkunft, Datum, Grund - kostet wenig und spart später Diskussionen.
Die häufigsten Fehler im Weiterleitungskonzept
Die Fehlerbilder wiederholen sich über Projekte hinweg. Sechs davon verursachen erfahrungsgemäß den größten Teil des Schadens - und alle sechs lassen sich vor dem Go-Live abstellen:
- Sammelweiterleitung auf die Startseite: Bequem umzusetzen, inhaltlich aber falsch. Google rät ausdrücklich davon ab (Google Search Central), weil die Zielseite die Erwartung der alten Adresse nicht erfüllt und Besucher ohne Orientierung zurückbleiben.
- Weiterleitungsketten: Alt zeigt auf Zwischenstand, Zwischenstand auf neu. Jeder zusätzliche Sprung kostet Ladezeit und Crawl-Aufwand; Ketten sollten aufgelöst werden, sodass die alte Adresse direkt auf das Endziel zeigt (Google Search Central).
- Temporär statt dauerhaft: Ein 302 sagt der Suchmaschine, die alte Adresse bleibe gültig. Beim Relaunch ist das die falsche Aussage und verzögert die Übernahme der neuen Adressen (Google Search Central).
- Protokoll, Host und Schrägstrich vergessen: Regeln für die Variante mit und ohne
www, fürhttpundhttpssowie mit und ohne Schrägstrich am Ende fehlen häufig. Vier Varianten je Adresse sind schnell übersehen. - Parameter abgeschnitten: Filter-, Sortier- und Kampagnenparameter gehen bei der Weiterleitung verloren, wodurch sich Kampagnen später nicht mehr zuordnen lassen. Wie sich Filter-Adressen sauber steuern lassen, behandelt der Beitrag zur Facettennavigation.
- Interne Links nicht nachgezogen: Die Weiterleitung funktioniert, aber jeder interne Klick läuft über einen Umweg. Menü, Verwandtes-Blöcke und Fließtext gehören auf die neuen Adressen umgestellt, sonst bleibt der Umweg dauerhaft im System.
In vielen Checklisten steht, jede Weiterleitung koste einen festen Anteil der Linkkraft - genannt werden meist 15 Prozent. Die Zahl stammt aus einer älteren Fallstudie und wurde inzwischen klargestellt: Bei dauerhaften Weiterleitungen ist kein pauschaler Abschlag vorgesehen (Google Search Central). Der Grund, Ketten zu vermeiden, bleibt trotzdem bestehen - er liegt in Ladezeit, Crawl-Aufwand und Wartbarkeit, nicht in einem festen Prozentsatz.
Vor dem Go-Live: das Konzept vollständig testen
Ein Weiterleitungskonzept, das erst am Starttag zum ersten Mal läuft, ist ein Versprechen ohne Deckung. Der Test gehört auf die Testumgebung, mit derselben Serverkonfiguration wie später in der Produktion. Er läuft automatisiert, weil eine Stichprobe erfahrungsgemäß genau die Zeilen übersieht, die später Ärger machen.
- Regeln einspielen und die vollständige Adressliste automatisiert durchlaufen lassen - alle Zeilen, nicht nur die prominenten.
- Statuscodes prüfen: Erwartet werden 301 beziehungsweise 410. Jeder 302, jeder 404 und jede direkte 200er-Antwort auf einer alten Adresse ist ein Befund.
- Ketten aufspüren: Der erste Sprung muss das Endziel treffen. Zwischenstationen werden aufgelöst, bevor sie in Betrieb gehen.
- Zielinhalt gegenlesen: Ein technisch korrekter 301 auf eine unpassende Seite ist kein gelöster Fall. Stichproben je Seitentyp zeigen, ob die Zuordnung inhaltlich trägt.
- Sonderfälle testen: Adressen mit Umlauten und Sonderzeichen, mit Parametern, in Großschreibung sowie mit und ohne Schrägstrich am Ende.
- Lastverhalten prüfen: Große Zuordnungslisten kosten Rechenzeit, und der Starttag bringt zusätzlichen Crawl-Druck. Wie sich ein Shop unter Last verhält, behandelt der Beitrag zu Lasttest und Notfallplan.
Die Prüfung endet nicht beim Statuscode. Rund ist ein Umzug erst, wenn auch Sitemap, kanonische Verweise und Sprachauszeichnungen auf die neuen Adressen zeigen. Alte Sitemaps können übergangsweise weiter bereitgestellt werden, damit die Suchmaschine die alten Adressen noch einmal abruft und die Weiterleitungen zuverlässig findet (Google Search Central). Sehr große Umzüge lassen sich zudem abschnittsweise durchführen - erst ein Bereich, dann der nächste -, was Ursachen im Fehlerfall deutlich leichter eingrenzbar macht.
Nach dem Start: messen, nachziehen, stehen lassen
Nach dem Go-Live beginnt die Phase, in der sich das Konzept bewährt. Suchmaschinen brauchen Zeit, um jede alte Adresse erneut abzurufen und die Weiterleitung zu verarbeiten; bei großen Beständen zieht sich das über Wochen. Umso wichtiger ist ein festes Messraster statt täglicher Nervosität - und die Bereitschaft, gefundene Lücken sofort nachzutragen.
- Fehlerseiten beobachten: Der 404-Bericht des Servers und der Suchmaschine zeigt, welche Adressen in der Matrix gefehlt haben. Jede Zeile wird nachgetragen, nicht weggeklickt.
- Index-Bestand verfolgen: Alte Adressen verschwinden schrittweise aus dem Index, neue kommen hinzu. Laufen beide Kurven über mehrere Wochen auseinander, ist das ein Warnzeichen.
- Rankings und Sitzungen vergleichen: Sinnvoll ist der Vergleich der Wochen zwei bis acht nach dem Start mit demselben Zeitraum des Vorjahres. Schwankungen von wenigen Prozentpunkten sind normal, ein deutlicher und anhaltender Rückgang ist es nicht.
- Ladezeit gegenprüfen: Ein neues Frontend verändert die Ladezeit - und damit eine der Größen, die auf Sichtbarkeit und Abschlussrate wirken.
- Externe Verweise nachpflegen: Bei den wichtigsten verweisenden Seiten lohnt eine kurze Nachricht mit der neuen Adresse. Das ersetzt keine Weiterleitung, verkürzt aber den Umweg dauerhaft.
Und dann gilt vor allem eines: stehen lassen. Nach einem Umzug sollten Weiterleitungen mindestens ein Jahr bestehen bleiben (Google Search Central). In der Praxis spricht wenig dagegen, sie dauerhaft zu behalten - solange sie dokumentiert sind und keine Ketten bilden, kosten sie kaum Rechenzeit. Wer nach drei Monaten aufräumt, verliert ausgerechnet die Verweise, die selten abgerufen werden, aber über Jahre im Ranking wirken.
Sonderfälle, die ein Konzept mitdenken muss
Nicht jeder Relaunch ist ein reiner Strukturwechsel innerhalb derselben Domain. Vier Konstellationen verdienen eine eigene Zeile im Konzept, weil sie zusätzliche Schritte oder abweichende Regeln erfordern:
Domainwechsel
Wechselt zusätzlich die Domain, kommt zur Weiterleitung die Meldung der Adressänderung im Werkzeug der Suchmaschine hinzu (Google Search Central). Sinnvoll ist, Strukturwechsel und Domainwechsel zeitlich zu trennen, damit sich Ursachen später auseinanderhalten lassen.
Mehrsprachige Shops
Sprachversionen brauchen jeweils eigene Zuordnungen und aktualisierte Sprachauszeichnungen; eine Weiterleitung über Sprachgrenzen hinweg ist ein Fehler. Worauf es bei mehrsprachigen Inhalten sonst ankommt, zeigt der Beitrag zur Qualität maschineller Übersetzung.
Varianten und Parameter
Produktvarianten, Filter und Sortierungen erzeugen Adressen, die sich nicht einzeln zuordnen lassen. Hier arbeitet das Konzept mit Regeln und kanonischen Verweisen - Hintergrund im Beitrag zu Produktvarianten und Duplicate Content.
Tiefe Kataloge
B2B-Kataloge mit Baugruppen und Ersatzteilen haben sehr viele, sehr spezifische Adressen mit wenigen Aufrufen je Seite, aber hoher Kaufabsicht. Wie sich solche Strukturen ordnen lassen, behandelt der Beitrag zum Ersatzteilkatalog im B2B-Shop.
Das Weiterleitungskonzept früh im Projekt verankern
Ein Weiterleitungskonzept ist keine Aufgabe für die letzte Projektwoche. Es entsteht parallel zur neuen Informationsarchitektur, wird mit ihr abgeglichen und getestet, bevor Inhalte migriert werden. Der Aufwand dafür ist überschaubar - gemessen an dem, was ein Rückgang von 42 Prozent (Practical Ecommerce 2013) über mehrere Monate an Umsatz kostet, ist es der günstigste Baustein des gesamten Projekts.
Bestandsaufnahme und Matrix
Wir führen Crawl, Logfiles, Sitemaps und Zugriffsdaten zu einer Adressliste zusammen und erstellen die Redirect-Matrix mit einer Entscheidung je Adresse - abgestimmt auf Ihre neue Struktur. Grundlage ist meist ein Shop-Check des Bestands.
Umsetzung auf dem Server
Die Regeln entstehen serverseitig, versioniert und ohne Zwischenstationen. Bei einer Shopware-Migration gehören sie von Anfang an zum Umfang und nicht zur Nacharbeit nach dem Start.
Test vor dem Start
Die vollständige Adressliste wird auf der Testumgebung durchlaufen, Statuscodes und Zielinhalte werden geprüft, Befunde vor dem Go-Live behoben und dokumentiert.
Begleitung nach dem Go-Live
Im Hosting und der Wartung beobachten wir Fehlerseiten, Index-Bestand und Sichtbarkeit und tragen fehlende Zuordnungen nach, solange es nötig ist.
Ob Strukturwechsel, Systemwechsel oder Domainumzug: Entscheidend ist, dass jede Adresse des Bestands eine dokumentierte Entscheidung trägt und dass diese Entscheidung getestet wurde, bevor sie in Betrieb geht. Wenn Sie einen Relaunch planen, sprechen wir als Shopware-Agentur früh über die Adressstruktur - lange bevor das erste Template steht. Wie ein solches Projekt bei uns abläuft, zeigt der Projektablauf.
Dieser Artikel basiert auf Daten von Google Search Central, Practical Ecommerce, dem bevh, dem HDE und dem Statistischen Bundesamt. Die genannten Zahlen beziehen sich auf den Stand der jeweiligen Veröffentlichung.
Nach einem Umzug sollten Weiterleitungen mindestens ein Jahr aktiv bleiben (Google Search Central). In der Praxis empfiehlt es sich, sie dauerhaft zu behalten: Solange die Regeln dokumentiert sind und keine Zwischenstationen bilden, kosten sie kaum Rechenzeit. Wer früh aufräumt, verliert typischerweise genau die Verweise, die selten abgerufen werden, aber weiterhin auf das Ranking einzahlen.
Beim Relaunch ist die dauerhafte Weiterleitung richtig, also 301 oder das gleichwertige 308 (Google Search Central). Ein 302 signalisiert eine vorübergehende Verschiebung und hält die alte Adresse im Index - das verzögert die Übernahme der neuen Adressen und kann zu doppelten Einträgen führen. Temporäre Codes sind sinnvoll für echte Übergangslösungen wie Wartungsseiten, nicht für einen Umzug.
Davon wird ausdrücklich abgeraten: Werden viele alte Adressen gesammelt auf die Startseite geleitet, können diese Weiterleitungen als weiche Fehlerseiten gewertet werden (Google Search Central). Besser ist eine Entscheidung je Adresse - entweder das inhaltlich nächstliegende Ziel oder ein Statuscode 410, wenn es keinen sinnvollen Ersatz gibt. Das ist ehrlicher und für Besucher nachvollziehbarer.
Das hängt vom Umfang der Änderungen ab. Ein dokumentierter Fall verlor binnen zwölf Tagen 42 Prozent organischen Traffic, in der Startwoche bis zu 31 Prozent der organischen Suchbesuche (Practical Ecommerce 2013). Wurden die traffic-stärksten Adressen dagegen unverändert übernommen, blieb der Traffic im Jahresvergleich ohne erkennbaren Einbruch (Practical Ecommerce 2013).
Diese Angabe stammt aus einer älteren Fallstudie und gilt als überholt: Für dauerhafte Weiterleitungen ist kein pauschaler Abschlag vorgesehen (Google Search Central). Weiterleitungsketten sollte man dennoch vermeiden - allerdings aus anderen Gründen: Jeder zusätzliche Sprung kostet Ladezeit, verbraucht Crawl-Aufwand und macht die Regeln schwerer wartbar.
Parallel zur neuen Informationsarchitektur, nicht danach. Die Adressliste aus Crawl, Logfiles, Sitemaps und Zugriffsdaten entsteht früh, die Zuordnung wächst mit der neuen Struktur mit, und der vollständige Testlauf findet auf der Testumgebung statt - typischerweise mehrere Wochen vor dem Go-Live. So bleibt Zeit, Befunde in Ruhe zu beheben, statt am Starttag zu improvisieren.