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Ratgeber

Handy im Wasser: die ersten 30 Minuten

Waschbecken, Regenjacke, Getränk auf dem Tisch: Wasserkontakt passiert in Sekunden, und was danach geschieht, entscheidet oft mehr über das Gerät als der Kontakt selbst. Hier steht, was in der ersten halben Stunde sinnvoll ist, was schadet und warum Trocknen allein nichts löst.

Die drei Sätze, die zählen

  1. Sofort ausschaltenSolange Spannung anliegt, verschärft jede Minute den Schaden.
  2. Nichts anschließenKein Ladekabel, keine Kopfhörer, kein Rechner.
  3. Nicht ausprobierenJeder Einschaltversuch ist ein Versuch mit Strom auf nasser Platine.

Wenn Sie unsicher sind, rufen Sie an: 0171 3920044. Wir sagen Ihnen am Telefon, was für Ihr Modell als Nächstes sinnvoll ist.

Minute 0 bis 30

Die Reihenfolge, die sich bewährt hat

Die Schritte kosten zusammen keine zehn Minuten. Wichtig ist vor allem, dass Sie sie in dieser Folge abarbeiten und zwischendurch nichts einschalten.

  1. Herausholen, nicht schütteln

    Nehmen Sie das Gerät zügig aus der Flüssigkeit und halten Sie es waagerecht. Schütteln verteilt das Wasser nur weiter im Gehäuse, statt es herauszubefördern.

  2. Ausschalten

    Regulär ausschalten, nicht neu starten. Reagiert der Bildschirm nicht, nutzen Sie den erzwungenen Neustart Ihres Modells. Geht auch das nicht, lassen Sie das Gerät unberührt liegen.

  3. Hülle, SIM und Speicherkarte heraus

    Hülle abnehmen, den Kartenschlitten öffnen, SIM- und Speicherkarte entnehmen. Beides separat trocken tupfen. Unter einer Hülle steht Feuchtigkeit sonst tagelang am Gehäuse.

  4. Außen abtupfen

    Mit einem saugfähigen Tuch abtupfen statt reiben. Halten Sie Ladebuchse und Lautsprecheröffnungen dabei kurz nach unten, damit Flüssigkeit ablaufen kann.

  5. Aufrecht und trocken lagern

    Stellen Sie das Gerät bei Zimmertemperatur aufrecht auf ein Tuch, Buchse nach unten. Kein Fensterbrett in der Sonne, keine Heizung, keine Wärmequelle.

  6. Werkstatt anrufen

    Beschreiben Sie kurz, welche Flüssigkeit es war, wie lange der Kontakt dauerte und ob das Gerät danach noch an war. Dann klären wir, ob Sie es vorbeibringen oder einsenden.

Ein Smartphone liegt mit dem Display nach unten auf einem saugfähigen Tuch, daneben die entnommene SIM-Schublade.

Alles Weitere ist eine Sache für die Werkstatt. Was drinnen wirklich passiert ist, lässt sich von außen nicht beurteilen, weil die betroffenen Stellen unter Abschirmblechen und Klebeflächen liegen.

Was Sie in dieser halben Stunde besser lassen

Die verbreiteten Hausmittel machen den Schaden in vielen Fällen größer, nicht kleiner. Das sind die fünf, die uns am häufigsten begegnen.

  • Nicht laden

    Das Ladekabel legt zusätzliche Spannung an eine Platine, auf der noch Flüssigkeit steht. Genau dort entstehen Kurzschlüsse, die vorher keine waren. Auch drahtloses Laden zählt dazu.

  • Nicht föhnen, nicht auf die Heizung legen

    Warme Luft treibt Feuchtigkeit tiefer ins Gehäuse, statt sie herauszuholen. Dazu kommt, dass Akku, Klebeverbindungen und Displayfolien Hitze schlecht vertragen. Ein Föhn erledigt manchmal, was das Wasser noch nicht geschafft hat.

  • Kein Reis

    Reis zieht etwas Feuchtigkeit aus der Raumluft, kommt aber nicht an die Flüssigkeit unter den Abschirmblechen heran. Der Rückstand auf der Platine bleibt, während Tage vergehen. Zusätzlich gelangt Stärkestaub in Buchse und Lautsprecher.

  • Keine Druckluft, kein Staubsauger

    Beides drückt oder zieht Flüssigkeit an Stellen, die vorher trocken waren, etwa hinter das Display oder in die Kameraeinheit. Auch Alkohol oder Reinigungssprays von außen einzufüllen, hilft nicht.

  • Nicht testen, ob es noch geht

    Der Einschaltversuch ist der häufigste Grund, warum ein Gerät, das noch zu retten war, am Ende doch nicht mehr startet. Die Neugier kostet nichts, wenn Sie ihr eine Stunde später in der Werkstatt nachgeben.

Hintergrund

Warum Korrosion das eigentliche Problem ist

Wasser allein leitet schlechter, als die meisten annehmen. Gefährlich wird es durch das, was darin gelöst ist: Kalk und Salze aus dem Leitungswasser, Zucker und Säuren aus Getränken, Tenside aus Seife, Chlorverbindungen aus dem Schwimmbad, Salz aus dem Meer. Verdunstet die Flüssigkeit, verschwindet nur das Wasser. Der Rest bleibt als dünner Film auf Platine, Steckverbindern und Lötstellen liegen.

Dieser Film hat zwei unangenehme Eigenschaften. Erstens zieht er Feuchtigkeit aus der Raumluft an und bildet damit leitfähige Brücken zwischen Kontakten, die im Gerät oft weniger als einen halben Millimeter auseinanderliegen. Zweitens wirkt er zusammen mit der anliegenden Spannung wie ein Elektrolyt: Metall wandert von einer Stelle zur anderen, Leiterbahnen werden dünner, Lötstellen setzen grüne oder weiße Beläge an. Genau das meint der Begriff Korrosion in diesem Zusammenhang, und genau deshalb ist Ausschalten der wichtigste Schritt. Ohne Spannung läuft dieser Prozess deutlich langsamer.

Das erklärt auch eine Beobachtung, die viele überrascht: Ein Gerät startet nach zwei Tagen scheinbar wieder normal und fällt Wochen später aus. Der Wasserkontakt war nicht folgenlos, er hat nur an anderer Stelle und mit Verzögerung gewirkt. Typische Vorboten sind ein dumpfer Lautsprecher, Feuchtigkeit hinter der Kameralinse, Touch-Eingaben, die niemand gemacht hat, eine Ladebuchse, die nur noch in einer Position Kontakt hat, oder ein Akku, der plötzlich viel schneller leer ist.

Sinnvoll ist deshalb, das Gerät zeitnah öffnen und reinigen zu lassen, statt auf Verdunstung zu setzen. Was dabei geschieht und wie wir vorgehen, steht auf der Seite zum Wasserschaden.

Der rote Punkt im Kartenschacht

In fast jedem Gerät sitzt ein kleiner Indikator, meist im SIM-Schacht oder unter der Rückseite. Er ist im Normalzustand weiß und färbt sich bei Kontakt mit Flüssigkeit rot. Der Punkt zeigt nur, dass Wasser im Gerät war. Über Umfang und Ort des Schadens sagt er nichts aus, und er wird auch nicht wieder weiß.

Anhaltspunkt eins
Welche Flüssigkeit es war. Salz, Zucker und Seife hinterlassen mehr Rückstand als klares Wasser.
Anhaltspunkt zwei
Wie lange der Kontakt dauerte und wie tief das Gerät lag.
Anhaltspunkt drei
Ob das Gerät dabei eingeschaltet war oder am Kabel hing.

Was niemand zusichern kann

Wir sagen das offen, weil es zur Sache gehört: Bei einem Wasserschaden lässt sich vorher nicht sagen, ob und wie weit sich ein Gerät retten lässt. Zwei Fälle, die von außen gleich aussehen, können völlig unterschiedlich ausgehen, weil es darauf ankommt, wohin die Flüssigkeit gelaufen ist und welche Bauteile sie erreicht hat.

Wer Ihnen für einen Wasserschaden ein festes Ergebnis verspricht, verspricht etwas, das sich nicht halten lässt. Auch schnelle Aussagen am Telefon zum Zustand der Platine sind mit Vorsicht zu genießen, solange niemand hineingesehen hat.

Was wir stattdessen zusagen: Wir öffnen das Gerät, reinigen es, prüfen die betroffenen Baugruppen und sagen Ihnen, was wir gefunden haben. Sie erfahren den Preis, bevor wir weiterarbeiten, und Sie entscheiden dann, ob sich der Aufwand für Sie lohnt. Wenn wir früh sehen, dass eine Reparatur wirtschaftlich keinen Sinn mehr ergibt, sagen wir Ihnen auch das.

Wann die Werkstatt der bessere Weg ist

Nach jedem ernsthaften Wasserkontakt, im Grunde. Besonders eilig wird es in diesen Fällen.

Deutliche Anzeichen

  • Das Gerät startet nicht mehr oder der Bildschirm bleibt dunkel.
  • Es war beim Kontakt eingeschaltet oder hing am Ladekabel.
  • Es war Salzwasser, ein süßes Getränk, Kaffee, Seifenlauge oder Chlorwasser im Spiel.
  • Der Lautsprecher klingt dumpf, die Kameralinse beschlägt oder der Touch reagiert von selbst.
  • Die Ladebuchse macht nur noch in einer bestimmten Position Kontakt.
  • Die Daten auf dem Gerät sind Ihnen wichtiger als das Gerät selbst.

Geht es Ihnen vor allem um Fotos, Nachrichten und Kontakte, sagen Sie das gleich bei der Annahme. Wie wir in solchen Fällen vorgehen, steht unter Datenrettung.

So kommen Sie zu uns

Sie finden uns in der Marktarkaden 6 in 31134 Hildesheim, montags bis freitags von 10 bis 18 Uhr und samstags von 10 bis 15 Uhr. Sonntags ist geschlossen. Ein Anruf vorab reicht, damit wir wissen, was auf uns zukommt.

Wer nicht in der Nähe wohnt, kann das Gerät einsenden. Verpacken Sie es ausgeschaltet und gut gepolstert und legen Sie eine kurze Beschreibung mit Ihren Kontaktdaten bei. Nach der Reparatur geht es in der Regel innerhalb weniger Werktage zurück. Die Anschrift und die Hinweise dazu stehen auf der Kontaktseite.

Zeigt sich beim Öffnen, dass einzelne Bauteile ersetzt werden müssen, etwa Display, Akku oder Ladebuchse, finden Sie die Startpreise dafür nach Modell sortiert in der Geräteliste. Apple-Originalteile sind auf Anfrage möglich.

Häufige Fragen nach Wasserkontakt

Ja. Dass ein Gerät weiterläuft, sagt nur, dass noch kein Kurzschluss aufgetreten ist. Die Rückstände auf der Platine bleiben und arbeiten weiter. Schalten Sie das Gerät aus und lassen Sie es prüfen, statt abzuwarten, ob etwas passiert.

Trocknen ersetzt keine Reinigung. Verdunstet die Flüssigkeit, bleiben die gelösten Stoffe als Film auf den Bauteilen zurück. Warten Sie deshalb nicht mehrere Tage ab, sondern lagern Sie das Gerät trocken und bringen Sie es zeitnah vorbei.

Reagiert der Bildschirm nicht mehr, versuchen Sie den erzwungenen Neustart Ihres Modells, um es auszuschalten. Klappt das nicht, lassen Sie es liegen und probieren Sie nichts weiter aus. Vor allem: kein Ladekabel anschließen, um zu sehen, ob noch etwas geht.

Ja, sehr. Meerwasser, Kaffee, Limonade, Seifenlauge oder Chlorwasser hinterlassen deutlich mehr leitfähige und aggressive Rückstände als klares Leitungswasser. Sagen Sie uns bei der Annahme, worum es sich gehandelt hat.

Die Schutzart des Herstellers wird an neuen Geräten unter festgelegten Laborbedingungen ermittelt. Dichtungen altern, Klebeflächen leiden nach Stürzen und nach jedem Öffnen. Ein älteres Gerät verhält sich deshalb anders als ein fabrikneues.

Möglich ist das, der kurze Weg in die Werkstatt ist aber besser, weil dabei Zeit vergeht. Wenn Sie einsenden, verpacken Sie das Gerät ausgeschaltet und gut gepolstert und legen eine Beschreibung bei. Zurück geht es in der Regel innerhalb weniger Werktage.

Gerät ist nass? Rufen Sie an, bevor Sie etwas ausprobieren

Am Telefon klären wir in zwei Minuten, was für Ihr Modell jetzt sinnvoll ist und wie Sie das Gerät zu uns bekommen.