Goldschmiede in Hildesheim: was sich reparieren lässt
In fast jedem Haushalt liegt ein Kästchen mit Stücken, die nicht mehr getragen werden: der Ring, der über den Knöchel nicht mehr rutscht, die Kette mit der gerissenen Öse, der Ohrring ohne Gegenstück. Das meiste davon ist kein Fall für den Ankauf, sondern für die Werkbank in der Am Sattlerhof 12.

Was hinter den häufigsten Schäden steckt
Was am Tresen als Kleinigkeit angekündigt wird, hat fast immer eine benennbare Ursache. Sie entscheidet über das Verfahren — und über den Aufwand.
Der Ring geht nicht mehr über den Knöchel
Finger verändern ihren Umfang über die Jahre, und zwischen Morgen und Abend liegen leicht zwei Größen. Bis etwa zwei Größen lässt sich die Schiene treiben und zwischendurch weichglühen, darüber wird sie aufgetrennt und ein Stück derselben Legierung eingesetzt. Der Weg dahin steht unter Ringgröße ändern.
Die Kette liegt in zwei Teilen im Tütchen
Gerissen ist meist nicht das Glied, sondern die Öse am Verschluss oder eine alte Lötstelle. Deshalb steht am Anfang die Frage, ob die Bruchstelle gelötet oder der Verschluss gleich erneuert wird — Kette und Verschluss reparieren erklärt beide Fälle.
Ein Stein sitzt locker oder fehlt ganz
Fast immer ist eine Krappe abgelaufen: Sie reibt jahrelang an Stoff, Handtuch und Autolenkrad. Ein neuer Stein allein hält deshalb nicht, die Fassung muss zuerst wieder Material bekommen. Beides gehört zusammen und steht unter Stein fassen und ersetzen.
Weißgold wirkt gelblich und stumpf
Weißgold ist im Kern leicht gelblich; hell wirkt es durch eine hauchdünne Rhodiumschicht, die sich zuerst an der Oberseite abträgt. Warum das kein Mangel ist, steht unter Warum Weißgold gelblich wird, die Neubeschichtung unter Rhodinieren und Galvanik.
Der Trauring hat eine scharfe Kante
Nach vielen Jahren ist die Innenseite unten dünn gelaufen, außen steht eine Kante scharf ab. Polieren allein macht das nicht rund, es nimmt nur weiteres Material weg. Was stattdessen geschieht, zeigt Trauringe aufarbeiten.

Vier Verfahren, und wann welches infrage kommt
Welcher Weg möglich ist, entscheidet nicht der Wunsch, sondern das, was Metall, Stein und alte Reparaturen aushalten. Drei dieser Wege gehen über unsere Werkbank, einer über einen anderen Betrieb.
Löten mit der Flamme
Borax auf die saubere Fuge, ein Schnipsel Lot darauf, dann erwärmt die Flamme das ganze Stück und nicht nur die Naht. Das Lot muss in Feingehalt und Farbe zur Legierung passen — 585er Lot in ein 585er Stück, sonst bleibt ein hellerer Streifen stehen. Liegen mehrere Nähte nebeneinander, wird in abgestuften Loten gearbeitet.
GrenzePerlen, Opale, Smaragde, Emaille und geklebte Teile vertragen keine offene Flamme.
Laserschweißen, außer Haus
Der Impuls verschweißt das Metall punktgenau, die Wärme bleibt eng auf der Naht. So lässt sich auch eine Stelle dicht neben einem gefassten Stein oder neben einer Perle schließen, ohne dass ausgefasst werden muss. Ein Lasergerät steht nicht in der Am Sattlerhof: Arbeiten, die den Laser brauchen, geben wir an einen Betrieb mit Lasergerät. Wir sagen Ihnen das bei der Annahme und nennen dabei den Richtwert für die vermittelte Arbeit — ab 29 € für eine einfache Stelle. Wie das Verfahren arbeitet, steht unter Laserschweißen.
GrenzeDer Weg aus dem Haus kostet zusätzliche Tage, und für lange, tragende Nähte bleibt die gelötete Verbindung die belastbarere Lösung.
Erneuern statt auffüllen
Ist die Ringschiene unten auf Papierstärke gelaufen, hilft kein Auftragen: Das dünne Stück wird herausgetrennt und eine neue Schiene in derselben Legierung und Breite eingesetzt. Dasselbe gilt für ausgeleierte Karabiner und ausgerissene Ösen — siehe Ring reparieren.
GrenzeZum Arbeitslohn kommt Edelmetall dazu; bei stark abgetragenen Stücken lohnt der Vergleich mit einer Umarbeitung.
Ausfassen und wieder fassen
Sitzt ein Stein dort, wo gearbeitet werden muss, kommt er zuerst heraus und am Schluss wieder hinein: Krappen anlegen, nachziehen, mit Lupe und Fingernagel prüfen. Das ist der häufigste Grund, warum eine scheinbar kleine Ringarbeit mehrere Tage braucht.
GrenzeBei Steinbesatz rund um die ganze Schiene ist Weiten oft nicht sinnvoll.



Annahme und Rückgabe: wer was tut
Reparatur ohne Termin, Anfertigung mit Termin. Alles Weitere läuft in beiden Fällen nach demselben Muster ab.
Ohne Termin
Reparatur abgeben und abholen, ein Stück ansehen lassen, kurz nachfragen. Kommen Sie einfach in den Öffnungszeiten vorbei: Mo–Fr 10–18 Uhr, Sa 10–15 Uhr.
Mit Termin
Anfertigung, Umarbeitung, Trauringe und Verlobungsringe. Dafür nehmen wir uns Zeit am Stück und legen Material und Muster bereit — Termin anfragen.
Abgeben
Bringen das Stück so mit, wie es ist. Putzen ist nicht nötig, und lose Teile gehören mit ins Tütchen — auch der abgebrochene Krappenrest.
Sehen es unter der Lupe an, lesen die Punze, wiegen auf der geeichten Waage, fotografieren es und notieren Gewicht, Feingehalt und Besonderheiten. Fehlt die Punze, kommen Magnet und Prüfstein dazu. Sie erhalten den Beleg mit Nummer.
Entscheiden
Geben das Ja — oder nehmen das Stück unverändert wieder mit. Ein Kostenvoranschlag verpflichtet Sie zu nichts.
Nennen vor Arbeitsbeginn Aufwand, Preisspanne und die übliche Dauer. Vorher wird an Ihrem Stück nichts verändert.
Arbeiten
Entscheiden erneut, wenn sich der Aufwand ändert. Auch ein Abbruch ist möglich; dann bleibt es bei dem, was bis dahin nötig war.
Melden uns, sobald beim Zerlegen etwas Unerwartetes auftaucht: Weichlot aus einer alten Reparatur, ein Haarriss neben der Fassung, ein Abplatzer am Steinrand.
Abholen
Sehen das Stück am Fenster im Tageslicht an und quittieren die Abholung. Passt etwas nicht, geht es zurück auf die Werkbank.
Rufen an, sobald es fertig ist, und geben es nur gegen den Beleg heraus. Auf dem Beleg steht, was gemacht wurde, nicht nur, was es kostet.
Was während der Bearbeitung für Aufbewahrung und Versicherung gilt, halten wir bei der Annahme auf dem Beleg fest — fragen Sie danach, das gehört zu einer sauberen Annahme. Zwei Richtwerte zur Einordnung: eine einzelne Lötstelle an einer Kette ab 19 €, üblich fertig in 1–2 Werktagen; ein Goldring geweitet ab 39 € in 3–5 Werktagen. Alle Positionen stehen unter Preise und Bearbeitungszeiten, telefonisch erreichen Sie die Werkstatt unter 0171 3920011.
Was das Material vorgibt
Sechs Werkstoffe machen den größten Teil der Arbeit aus. Jeder stellt eine eigene Bedingung, und jede Bedingung wirkt sich auf Dauer und Preis aus.
Woher wir wissen, was vor uns liegt
Bevor die Flamme angeht, muss der Werkstoff feststehen: Das Lot muss in Feingehalt und Farbe zur Legierung passen, sonst bleibt ein hellerer Streifen an der Naht stehen. Vier Handgriffe am Tresen genügen dafür meist. Sie kosten nichts und geschehen vor Ihren Augen.
- Lupe und Punze
333, 585, 750, 925 oder 950, dazu oft ein Meisterzeichen. Ein Stempel ist eine Angabe, kein Nachweis — deshalb folgt der Rest.
- Magnetprobe
Was am Magneten hängen bleibt, ist weder Gold noch Silber. Das trennt in zwei Sekunden vergoldeten Modeschmuck vom Edelmetall.
- Strich am Prüfstein
Ein Strich mit dem Stück auf dem dunklen Stein, daneben einer mit einer Vergleichsnadel bekannten Feingehalts, darauf ein Tropfen Säure. Der Strich, der zuerst verschwindet, gehört zum niedrigeren Gehalt.
- Sichtprüfung
Alte Lötstellen, Weichlot aus einer früheren Reparatur, abgelaufene Kanten und Haarrisse. Sie entscheiden mit darüber, ob geweitet oder erneuert wird.
Bei vergoldeten Stücken bleibt die Strichprobe an der Oberfläche; dann feilen wir mit Ihrem Einverständnis an einer unauffälligen Stelle eine Kerbe und prüfen darin. Ausführlich steht der Weg unter Wie wir prüfen, die Stempel selbst erklärt Punzen, Karat und Feingehalt.
| Werkstoff | Verhalten | Folge für die Arbeit |
|---|---|---|
| Gold 585 und 750 | Lässt sich gut löten, verfestigt sich aber beim Verformen und muss zwischendurch weichgeglüht werden. | Mehrere Nähte an einem Stück entstehen in abgestuften Loten, damit die zweite Naht die erste nicht wieder öffnet. |
| Weißgold mit Rhodium | Die helle Deckschicht ist hauchdünn und wird bei jeder Feil- und Polierarbeit mit abgetragen. | Nach der Reparatur wird neu rhodiniert, sonst bleibt an der Arbeitsstelle ein gelblicherer Fleck sichtbar. |
| Silber 925 | Läuft an der Luft an und ist weich; jede Politur nimmt etwas Material mit. | Bei verzierten Stücken werden nur die Höhen zurückpoliert, die Vertiefungen bleiben dunkel stehen. |
| Platin 950 | Hoher Schmelzpunkt und zäh: Kratzer verdrängen Material, statt es abzutragen. | Wird getrennt von Gold geschliffen und poliert, damit keine Fremdpartikel in die Oberfläche geraten. |
| Perlen auf Seide | Perlen sind druck- und hitzeempfindlich, die Seide dehnt sich und vergraut mit den Jahren. | Neu geknüpft wird mit einem Knoten zwischen jeder Perle und ohne Kleber, damit bei einem Riss nicht alles herunterfällt. |
| Edelstahl, Titan, Wolframcarbid | Lassen sich nicht mit Goldlot verbinden und nicht weiten. | Solche Ringe sagen wir ab, statt es zu versuchen. Das ist ehrlicher als eine Naht, die nicht hält. |
Wie oft ein Stück überhaupt auf die Werkbank muss, hängt weniger vom Metall ab als von der Behandlung im Alltag. Was dabei hilft, steht unter Schmuck richtig pflegen; wie an dieser Bank gearbeitet wird, zeigt Unsere Werkstatt Handgriff für Handgriff.

Jede Arbeit hat hier ihre eigene Seite
Statt eines Sammeltextes finden Sie zu jeder Leistung eine eigene Seite — mit Verfahren, Ablauf, Grenzen und Richtwert.
Ketten und Ohrschmuck
Steine und Nähte
Oberfläche und Schrift
Aus Altem etwas Neues
Silber, Antik und Wert
Nichts Passendes dabei? Bringen Sie das Stück trotzdem vorbei — wir sagen Ihnen, ob es an unsere Werkbank gehört oder woandershin. Was Sie zum Besuch mitnehmen sollten, steht unter Ihren Besuch vorbereiten.
Häufige Fragen zur Werkstatt
Fragen zu einzelnen Arbeiten beantworten wir auf der jeweiligen Seite, alles Übergreifende unter Häufige Fragen.
Eine Reparatur nehmen wir am Tresen an: aufnehmen, wiegen, notieren, fertig — das passt zwischen zwei Kunden. Für eine Anfertigung oder eine Umarbeitung setzen wir uns zusammen, sehen Material und Steine durch und skizzieren. Dafür muss die Werkbank frei sein, deshalb bitten wir um eine Absprache.
Einen Beleg mit Nummer, auf dem Gewicht, Punze, Zustand und die vereinbarte Arbeit stehen; dazu machen wir ein Foto des Stücks. Den Beleg brauchen Sie zum Abholen — ohne ihn geben wir nichts heraus, auch nicht an Angehörige, solange nichts anderes vereinbart ist.
Dann bekommen Sie Ihr Stück unverändert zurück. Der Kostenvoranschlag ist unverbindlich und kostet Sie nichts. Er soll Ihnen die Entscheidung erleichtern, nicht sie abnehmen.
Ja, das ist der Normalfall. An der Werkbank landen überwiegend Stücke, die von überall herkommen: geerbt, geschenkt, im Urlaub gekauft. Entscheidend ist, was Material und Zustand zulassen, nicht, wo das Stück einmal über den Tresen gegangen ist.
Zwei Fälle. Geklebte Teile, Edelstahl, Titan und Wolframcarbid lassen sich nicht mit Goldlot verbinden und nicht weiten — solche Stücke sagen wir ab, statt es zu versuchen; eine Naht, die nicht hält, bauen wir nicht ein. Und wo eine Naht dicht neben einer Perle oder einem hitzeempfindlichen Stein geschweißt werden muss, geben wir das Stück an einen Betrieb mit Lasergerät. Beides sagen wir Ihnen bei der Annahme, zusammen mit Richtwert und der zusätzlichen Zeit.
Ja. Wir nehmen jedes Stück einzeln auf, damit auf dem Beleg steht, was zu wem gehört und was daran gemacht werden soll. Bei größeren Mengen rufen Sie am besten vorher an, damit wir uns die Zeit dafür freihalten.
Bringen Sie das Stück mit, nicht nur die Beschreibung
Am Telefon lässt sich ein Schaden selten beurteilen, in der Hand fast immer. Für eine Reparatur kommen Sie ohne Termin in den Öffnungszeiten vorbei; für Anfertigung und Umarbeitung halten wir die Werkbank frei.