Materialkunde für Trauringe
Legierungen und Farben: das Metall für Ihre Trauringe
Die Farbe entscheidet sich in zehn Minuten am Finger. Der Feingehalt entscheidet, wie der Ring in zwanzig Jahren aussieht — und was sich bis dahin an ihm noch machen lässt. Diese Seite erklärt, was hinter 585, 750 und 950 steckt, warum Weißgold eine Auflage braucht und wo der Unterschied zwischen Platin und Palladium im Alltag liegt.

Wann die Metallfrage tatsächlich gestellt wird
Kaum ein Paar entscheidet die Legierung am Küchentisch. Sie fällt an vier Punkten, und an jedem davon geht es um etwas anderes.
Beim Anprobieren
Farbe entscheidet sich an Ihrer Hand, nicht am Bildschirm. Wir legen die Muster nebeneinander auf den Finger, dazu den Verlobungsring und die Uhr, die Sie täglich tragen. Gelbgold wirkt an heller Haut anders als an gebräunter, und das Rotgold des einen Herstellers ist nicht das Rotgold des anderen.
Wenn die Zahl fällt
Jetzt werden Feingehalt, Breite, Profil und Oberfläche zusammen festgelegt, denn zusammen ergeben sie das Gewicht — und das Gewicht bestimmt den Materialanteil am Preis. Gefertigt wird im Lieferantenprogramm in Deutschland, die Innengravur nehmen wir mit dem Auftrag auf.
Wenn der Alltag anfängt
Jetzt zeigt das Material, was es kann. Poliertes Gold bekommt einen feinen Kratzerfilz, Platin verdrängt Material, statt es zu verlieren, und eine Rhodinierung auf Weißgold wird an den Reibstellen dünn. Nichts davon ist ein Mangel, es ist der Unterschied zwischen Vitrine und Hand.
Wenn wir nachbessern
Ringe verändern sich, Finger auch. Weiten, verkleinern, aufarbeiten, mattieren, rhodinieren: Was davon an unserer Werkbank in der Am Sattlerhof geht, hängt am Metall. Deshalb lohnt es sich, die Entscheidung einmal von hinten zu denken.
Fünf Metalle und was sie am Finger machen
Die Farbe entsteht nicht durch das Gold, sondern durch das, was daneben in der Legierung steckt: Silber macht blass, Kupfer macht rot, Palladium und Nickel machen weiß.
Gelbgold
Feingold, Silber, Kupfer
Der klassische Traurington, warm und satt. Je höher der Feingehalt, desto deutlicher das Gelb — 750er wirkt kräftiger als 585er. Gelbgold ist durch und durch gleichfarbig: Ein Kratzer legt kein anderes Metall frei, sondern dasselbe. Das verzeiht viel und lässt sich immer wieder aufpolieren.
Rotgold
Feingold, viel Kupfer, wenig Silber
Mehr Kupfer im Zusatz, daher der rötliche Ton — von zartem Roségold bis zu kräftigem Rot. Kupfer macht die Legierung zugleich etwas härter als vergleichbares Gelbgold. Weil jedes Haus anders mischt, sollten Sie Roségold und Rotgold nebeneinander an der Hand sehen, bevor Sie sich festlegen.
Weißgold
Feingold mit Palladium oder Nickel
Gold wird nicht von allein weiß. Die weißenden Zusätze bringen es auf einen hellen Grauton, für das reine Weiß sorgt fast immer eine Rhodiumschicht. Weißgold ist die häufigste Wahl, wenn Trauring und Verlobungsring zusammenpassen sollen — aber es ist eine Oberfläche, die Pflege braucht.
Platin
950 Platin, meist mit Ruthenium
Von Natur aus weiß, ohne Auflage, und mit Abstand das schwerste der fünf: Derselbe Ring bringt in Platin gut ein Drittel mehr auf die Waage als in 750er Gold. Kratzer tragen kaum Material ab, sie verdrängen es. Mit den Jahren entsteht ein seidiger Grauschimmer, den viele mögen — und der sich wegpolieren lässt.
Palladium
950 Palladium
Der leichte Verwandte des Platins: ebenfalls weiß ohne Rhodinierung, im Ton etwas gräulicher und spürbar leichter am Finger. Wer ein weißes Metall ohne Auflage sucht, dem Platin aber zu schwer ist, landet hier. Die Auswahl an fertigen Modellen fällt kleiner aus als bei Gold.



Zweifarbig geht ebenfalls: außen Weißgold und innen Rotgold, ein eingelegter Steg in der Gegenfarbe, eine abgesetzte Kante. Solche Aufbauten entstehen in der Fertigung und lassen sich später nicht nachrüsten — anders als die Oberfläche, um die es bei Profil, Breite und Oberfläche geht.
Was die Zahl im Ring bedeutet
Die Punze ist keine Qualitätsnote, sondern ein Mengenverhältnis in Tausendsteln.
585 heißt: 585 Teile Feingold auf 1000 Teile Legierung, also 58,5 Prozent. Die übrigen 415 Teile sind Silber, Kupfer, Palladium oder Nickel — und genau die machen Farbe und Härte. Reines Gold mit der Punze 999 ist zu weich für einen Ring, der jeden Tag gegen Türklinken und Einkaufswagen stößt; es gehört an den Barren, nicht an den Finger. Welche Stempel es sonst noch gibt und wie man sie liest, steht im Ratgeber zu Punzen, Karat und Feingehalt.

| Punze | Edelmetallanteil | Am Finger |
|---|---|---|
| 333 | 33,3 Prozent Feingold | Zwei Drittel Fremdmetall: blasser im Ton und empfindlicher gegen Verfärbungen an der Haut. Bei Trauringen die Ausnahme, weil ein Trauring täglich getragen wird. |
| 585 | 58,5 Prozent Feingold | Der Alltagsstandard in Deutschland. Ausgewogen zwischen Edelmetallanteil und Härte, in Gelb, Rot und Weiß erhältlich. |
| 750 | 75 Prozent Feingold | Sattere Farbe und höherer Materialwert, in der Regel etwas weicher als 585 derselben Farbfamilie. Den Unterschied sehen Sie erst, wenn beide nebeneinander liegen. |
| 950 Pt | 95 Prozent Platin | Weiß ohne Rhodinierung, schwer und sehr beständig. Die Bearbeitung verlangt eigene Lote, höhere Temperaturen und getrennt gehaltenes Werkzeug. |
| 950 Pd | 95 Prozent Palladium | Weiß ohne Rhodinierung, leicht und im Ton gräulich. Kleinere Modellauswahl, dafür entfällt das Auffrischen einer Auflage. |
Die weiße Frage: Rhodium, Nickel, Platin
Die meisten Rückfragen zum Trauringmetall drehen sich um Weiß. Drei Punkte, die im Laden regelmäßig unklar sind.
Warum Weißgold rhodiniert wird
Rhodium ist ein Platinmetall, das galvanisch als hauchdünne Schicht auf den fertigen Ring abgeschieden wird. Sie macht das leicht gräuliche Weißgold hell und die Oberfläche hart.
Weil die Schicht nur wenige Zehntel Mikrometer misst, reibt sie sich zuerst dort ab, wo der Ring aufliegt: an der Unterseite und an der Kante zum Nachbarfinger. Dann schimmert der wärmere Grundton durch — kein Fehler, sondern Verschleiß, ausführlich erklärt unter Warum Weißgold gelblich wird.
Die Nickelfrage
Nickel ist ein wirksamer Weißmacher und zugleich ein häufiges Kontaktallergen. Wie viel davon ein Schmuckstück in der EU an die Haut abgeben darf, ist in der Regel geregelt und begrenzt.
In heutigen Weißgoldlegierungen für Trauringe wird überwiegend Palladium als Weißmacher eingesetzt. Wenn Sie auf Modeschmuck oder Uhrenböden reagieren, sagen Sie es vor der Bestellung: Wir fragen die Legierungsangabe beim Hersteller ab und zeigen die Alternativen ohne Nickel.
Was das Metall für spätere Arbeiten heißt
Gold lässt sich mit Goldlot in passender Farbe und passendem Feingehalt löten, weiten und verkleinern — das ist Alltag an unserer Werkbank.
Platin schmilzt deutlich höher und verlangt eigene Lote sowie getrennt gehaltene Feilen, damit kein Fremdmetall einwandert; Palladium liegt dazwischen. Was am Wunschmetall später bei uns geht und wofür wir zum Hersteller zurückgehen, sagen wir vorher. Das Auffrischen der Auflage beschreibt Rhodinieren und Galvanik.

Was das Metall kostet — und was sich später noch ändern lässt
Am Material sparen heißt fast nie: eine andere Farbe wählen. Es heißt: ein anderes Gewicht wählen.
Der Materialanteil eines Trauringpaares ist eine schlichte Multiplikation aus Gewicht, Edelmetallanteil und Tageskurs. Deshalb bewegt die Breite den Preis stärker als die Farbe: Ein Millimeter mehr Breite und ein bauchiges Profil bringen mehr Gramm auf die geeichte Waage als der Wechsel von Gelb- zu Rotgold, der am Materialwert kaum etwas ändert. Spürbar wird dagegen der Sprung von 585 auf 750 — und deutlicher noch Platin, das bei gleicher Form schwerer ausfällt. Womit Sie insgesamt rechnen sollten, steht bei Was Trauringe kosten; wer altes Familiengold mitbringt, findet den Weg unter Trauringe aus eigenem Altgold.
Nach der Hochzeit wird das Metall dann zur Frage der Pflege. Diese vier Arbeiten fallen an unserer Werkbank am häufigsten an:
- Weißgold rhodinieren, Ring inklusive Vorpolitur
- ab 45 €
- fertig in 2–5 Werktagen
- Trauringe reinigen, aufarbeiten und polieren (Paar)
- ab 39 €
- fertig in 2–4 Werktagen
- Ring weiten um ein bis zwei Größen, Gold 585 oder 750
- ab 39 €
- fertig in 3–5 Werktagen
- Ring verkleinern um ein bis zwei Größen
- ab 25 €
- fertig in 2–4 Werktagen
Richtwerte inklusive Mehrwertsteuer. Was Ihr Stück kostet, sagen wir Ihnen nach kurzer Sichtung — vor Arbeitsbeginn und unverbindlich. Kurze Rückfrage vorab genügt: 0171 3920011.
Lässt sich später ändern
- Die Größe: weiten oder verkleinern, meist um ein bis zwei Nummern, bei umlaufendem Steinbesatz nur eingeschränkt.
- Die Oberfläche: matt wird poliert, poliert wird mattiert, eine Längsmattierung lässt sich auffrischen.
- Die Rhodinierung: erneuerbar, so oft Sie möchten, jeweils mit vorheriger Politur.
- Die Gravur: eine Innengravur ist auch nachträglich möglich, solange die Wandstärke sie hergibt.
Steht mit der Bestellung fest
- Der Feingehalt: aus einem 585er Ring wird kein 750er, dafür müsste er neu entstehen.
- Die Grundfarbe des Metalls: eine Vergoldung ist eine Auflage, kein Materialwechsel.
- Zweifarbige Aufbauten, eingelegte Stege und abgesetzte Kanten.
- Der Querschnitt des Profils, also auch die bequeme Rundung innen.
Wer die Kombination in Ruhe durchspielen möchte, geht den Trauring-Konfigurator Schritt für Schritt durch — Legierung, Breite, Oberfläche — und bringt das Ergebnis als Ring-Wunschzettel mit in den Laden.
Was Paare zum Material wirklich fragen
Sechs Fragen, die bei der Trauringberatung fast immer kommen, sobald die Muster auf dem Tisch liegen.
In der Regel 585. Der höhere Anteil an Kupfer und Silber macht die Legierung etwas härter, sie nimmt weniger schnell Dellen an. 750 hat den höheren Edelmetallanteil und die sattere Farbe, ist dafür weicher. Alltagstauglich sind beide; wie schnell man einem Ring etwas ansieht, entscheiden am Ende eher Breite und Profil als die Zahl in der Punze.
Nein. Viele Paare wählen dieselbe Legierung, damit die Ringe als Paar erkennbar bleiben, aber es spricht nichts dagegen, dass einer in Rotgold und einer in Weißgold entsteht. Praktisch wichtiger ist, was daneben getragen wird: Ein Weißgoldring, der täglich an einem Gelbgoldring reibt, zeigt seine Rhodinierung an der Kontaktstelle zuerst.
Das hängt davon ab, wie Sie mit den Händen arbeiten und wie der Ring sitzt. Bei manchen hält die Schicht viele Jahre, bei anderen schimmert nach ein bis zwei Jahren an der Unterseite der wärmere Grundton durch. Wir frischen auf, wenn es Sie stört, nicht nach Kalender — der Ring bekommt dabei zuerst eine Vorpolitur und dann die neue Schicht.
Möglicherweise, aber klären Sie es vor der Bestellung. Auslöser ist meist Nickel, das in älteren Weißgoldlegierungen als Weißmacher steckt. Heutige Trauringlegierungen setzen überwiegend Palladium ein, Platin und Palladium kommen ganz ohne Nickel aus. Sagen Sie uns Bescheid, dann fragen wir die Legierungsangabe beim Hersteller ab. Ob eine Allergie vorliegt, klärt die Hautärztin oder der Hautarzt.
Am Gewicht und an der Art der Gebrauchsspuren. Platin liegt spürbar schwerer in der Hand und bekommt einen gleichmäßigen, seidigen Grauschimmer, weil Material verdrängt und kaum abgetragen wird. Weißgold bleibt leichter und zeigt an Reibstellen einen wärmeren Ton, sobald die Rhodiumschicht dünn wird. Und im Ring steht die Punze: 950 für Platin, 585 oder 750 für Gold.
Nein, Feingehalt und Grundfarbe stehen mit der Fertigung fest. Ändern lassen sich Größe, Oberfläche, Rhodinierung und Gravur. Wer den Ton wirklich wechseln will, kommt um ein neues Stück nicht herum — dabei wird das alte Metall auf der geeichten Waage gewogen und zum Tageskurs angerechnet, so wie bei jeder Umarbeitung.
Halten Sie die fünf Farben einmal an Ihre eigene Hand
Am Bildschirm sehen Gelbgold, Rotgold und Weißgold einander ähnlicher, als sie sind. Für Trauringe planen wir Zeit ein und legen die Muster nebeneinander auf Ihren Finger — mit Verlobungsring und Uhr daneben. Wer nur eine Materialfrage hat oder einen Ring zum Auffrischen bringt, kommt ohne Termin vorbei: Mo–Fr 10–18 Uhr, Sa 10–15 Uhr