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Ratgeber aus der Werkstatt

Punzen, Karat und Fein­gehalt — was der Stempel im Schmuck verrät

Eine dreistellige Zahl auf der Innenseite der Ringschiene, keinen Millimeter hoch: Sie nennt den Feingehalt in Tausendsteln. 585 heißt 585 Teile Feingold auf 1000 Teile Legierung. Was sie nicht nennt, ist mindestens genauso wichtig — ob das Stück massiv ist, wie viel es wiegt und ob die Zahl überhaupt stimmt.

333585750925950999

Dieselbe Schreibweise für alle Metalle: Anteil des reinen Edelmetalls, gerechnet auf 1000 Teile. 925 steht für Sterlingsilber, 950 meist für Platin.

Makro eines Goldrings in der Klemme mit Lupe und Reihe blanker Stahlpunzen
STAHLPUNZENFür jede Zahl gibt es einen eigenen Stempel; geschlagen wird mit einem Schlag, ein zweiter setzt das Zeichen doppelt.
MATERIAL

Drei Sätze, die fast täglich am Tresen fallen

Vor den Tabellen drei Annahmen, die regelmäßig für Enttäuschung sorgen — und was tatsächlich dahintersteckt.

Irrtum eins

„Da steht 750 drauf, dann ist es massiv Gold."

Die Punze nennt den Feingehalt der Legierung, sonst nichts. Über Wandstärke, Hohlraum und Gewicht sagt sie kein Wort. Hohle Ankerketten, aufgeblasene Kugelohrringe und Reifen mit Kunststoffkern tragen dieselbe Zahl wie ein massives Stück und wiegen einen Bruchteil davon. Deshalb wird bei uns jedes Teil einzeln gewogen, statt vom Aussehen auf die Menge Edelmetall zu schließen.

Irrtum zwei

„Karat ist Karat, egal ob Ring oder Stein."

Zwei verschiedene Maße mit demselben Namen. Beim Metall ist Karat ein Anteil: 24 Karat wäre reines Gold, 14 Karat sind vierzehn Vierundzwanzigstel, also 585 Tausendstel. Beim Stein ist Karat ein Gewicht: ein Karat sind 0,2 Gramm. Ein 14-karätiger Ring mit einem Brillanten von 0,50 Karat ist deshalb kein Widerspruch. Wie das Steingewicht in den Wert hineinspielt, steht bei den 4C beim Diamanten.

Irrtum drei

„Ohne Stempel ist es sowieso kein Gold."

Auch das stimmt so nicht. In Deutschland ist die Punzierung freiwillig. Vieles aus Familienbesitz wurde nie gestempelt, an anderen Stücken hat die Zahl Jahrzehnte Handkontakt hinter sich, oder sie saß auf einer Ringschiene, die längst erneuert wurde. Umgekehrt ist eine eingeschlagene Zahl kein Beweis: Sie lässt sich fälschen, und bei vergoldeter Ware steht sie manchmal nur für die Auflage. Für uns beendet die Punze deshalb nichts — sie ist der Anfang der Prüfung.

585

Gold: die Zahlen und was sie in Karat bedeuten

Alle gängigen Stufen auf einen Blick. Der Feingoldanteil ist der Teil, auf den es beim Ankauf ankommt — alles andere in der Legierung ist Beimetall.

Gold — Punze, Karat und Anteil Feingold
PunzeKaratFeingoldWo sie üblicherweise vorkommt
3338 kt33,3 %vor allem deutsche Serienware, in vielen Ländern gar nicht als Goldschmuck zugelassen
3759 kt37,5 %britische Ware, dort die unterste zugelassene Stufe
41710 kt41,7 %häufig auf Schmuck aus den USA
58514 kt58,5 %der Alltagsstandard hierzulande, auch bei Trauringen
75018 kt75,0 %hochwertiger Schmuck, satterer Farbton, etwas weicher im Gebrauch
87521 kt87,5 %ältere Stücke aus Ost- und Südosteuropa
90021,6 kt90,0 %klassisches Münzgold, etwa bei alten Umlaufmünzen
91622 kt91,6 %Anlagemünzen sowie Schmuck aus Indien und dem arabischen Raum
99924 kt99,9 %Barren und Feingoldmünzen; für tragbaren Schmuck zu weich

Umrechnen im KopfFeingehalt geteilt durch 1000, mal 24 ergibt die Karatzahl. 585 ÷ 1000 × 24 = 14. Rückwärts genauso: 18 Karat ÷ 24 × 1000 = 750.

Die Farbe steht nicht in der Punze. Ob 585er Gold gelb, weiß oder rot wirkt, entscheidet das Beimetall: Silber mit etwas Kupfer ergibt Gelbgold, viel Kupfer Rotgold, Palladium oder Nickel Weißgold. Der Goldanteil ist bei allen dreien derselbe. Welche Legierung sich am Finger wie trägt, lesen Sie bei Legierungen und Farben; warum ein Weißgoldring nach Jahren wärmer wirkt, obwohl die Zahl unverändert ist, erklärt Warum Weißgold gelblich wird.

Drei kurze gezogene Golddrähte nebeneinander auf der Werkbank, einer gelb, einer rötlich, einer hell und weißlich.
GLEICHER GOLDANTEILGelb, Rot, Weiß: Die Farbe macht das Beimetall, nicht die Zahl im Stempel.
925

Silber, Platin und Palladium — gleiche Logik, andere Zahlen

Auch hier zählt der Anteil auf 1000. Bei diesen drei Metallen steht neben der Zahl allerdings öfter ein Kürzel, und zwei verbreitete Angaben sind gar keine Feingehalte.

Silber
PunzeAnteilTypisch für
80080,0 %ältere deutsche Ware, viel Besteck
83583,5 %Besteck, Trachten- und Filigranschmuck
90090,0 %Münzsilber
92592,5 %Sterlingsilber, heutiger Standard
99999,9 %Feinsilber, Barren und Medaillen
Platin
PunzeAnteilTypisch für
80080,0 %ältere Fassungen und Broschen
85085,0 %Ketten und Gehäuseteile
90090,0 %Ringe aus dem frühen 20. Jahrhundert
95095,0 %heutiger Schmuckstandard, oft „PLAT" oder „PT950"
Palladium
PunzeAnteilTypisch für
50050,0 %Trauringe der letzten Jahrzehnte
95095,0 %Schmuckstandard, meist als „PD950"
99999,9 %Barren und Halbzeug

Zwei Angaben führen fast jede Woche jemanden in die Irre. Auf Besteck steht oft 90 oder 100: Das ist kein Feingehalt, sondern die Auflage — so viele Gramm Feinsilber wurden beim Versilbern auf ein Grundbesteck von 24 Teilen aufgebracht. Solche Teile sind versilbert, nicht Silber. Ebenso Alpaka und Neusilber: Der Name klingt nach Edelmetall, in der Legierung steckt keines. Was wir bei Besteck und Korpusware auseinanderhalten, steht bei Silber und Silberbesteck. Bei Platin und Palladium fehlt die Zahl dagegen häufiger ganz, besonders an Zahnersatz und an Laborteilen — dazu Platin, Palladium und Zinn sowie Zahngold.

WERKSTATT

Wo die Punze sitzt — und was wir tun, wenn sie fehlt

Suchen, lesen, nachmessen. In dieser Reihenfolge, denn jeder Schritt entscheidet, ob der nächste nötig ist.

Die üblichen Fundstellen

Ring
Innen auf der Schiene, meist gegenüber dem Steinkopf oder dicht neben der Lötnaht.
Kette
Auf dem Steg des Karabiners, auf der Endkappe oder auf einem winzigen Plättchen an der Öse.
Ohrschmuck
Auf dem Stift, auf dem Bügel der Brisur oder auf der Rückseite der Platte.
Armband
Auf dem Verschlussblech oder auf dem letzten Glied vor der Schließe.
Anhänger
An der Öse oder flach auf der Rückseite, oft von späteren Politurgängen fast weggeschliffen.
Besteck
Auf der Rückseite des Stiels, dort oft zusammen mit Halbmond und Krone, dem Reichsstempel für Silberwaren ab 1888.

Vier Prüfungen, wenn die Zahl fehlt oder nicht passt

Kanten unter der Lupe

Eine Auflage wird zuerst dort dünn, wo das Stück reibt: an Ringkanten, Schließen und Kettenmitten. Dann schimmert das Grundmetall als rötlicher oder grauer Schatten durch. Bei massivem Material bleibt der Ton über alle Kanten hinweg gleich.

Der Magnet

Gold, Silber, Platin und Palladium sind nicht magnetisch. Zieht ein Verschluss, eine Feder oder ein Kettenkern an, steckt Stahl darin. Das schließt längst nicht alles aus — Messing und Kupfer sind ebenfalls unmagnetisch —, aber es sortiert in Sekunden vor.

Die Strichprobe

Ein Strich auf dem schwarzen Prüfstein, daneben ein Tropfen Prüfsäure für die vermutete Stufe. Bleibt der Strich stehen, passt der Gehalt; löst er sich auf, war die Zahl zu hoch gegriffen. Für 333, 585, 750 und 900 gibt es jeweils eine eigene Säure, für Silber und Platin ebenfalls.

Wiegen und Rechnen

Gewogen wird auf geeichter Waage, getrennt nach Feingehalt. Erst Gewicht mal Feingehalt ergibt die Menge Feinmetall, auf die es ankommt. Steine, Federn und Fremdteile ziehen wir vorher heraus oder rechnen sie ab. Wie daraus ein Betrag wird, steht bei So berechnen wir Ihren Preis.

Schwarzer Prüfstein auf der Werkbank mit einem feinen goldenen Strich, daneben ein kleines Glasfläschchen mit Schliffstopfen.
STRICHPROBEBleibt der Strich unter der Säure stehen, passt der Gehalt; löst er sich auf, war die Zahl zu hoch gegriffen.
Geeichte Tischwaage mit flacher Schale, davor drei getrennte Häufchen gemischtes Bruchgold auf einem Tuch.
GETRENNT WIEGENJeder Feingehalt kommt einzeln auf die Schale — gemeinsam gewogen wäre die Rechnung falsch.

Neben dem Feingehalt trägt gute Ware oft ein zweites Zeichen: Initialen, eine kleine Bildmarke oder ein Verantwortlichkeitszeichen des Herstellers, bei deutschem Silber ab 1888 zusätzlich Halbmond und Krone. Für uns sind das Hinweise auf Herkunft und Alter — und manchmal der Grund, ein Stück eben nicht einzuschmelzen, sondern als Ganzes zu bewerten oder umarbeiten zu lassen. Welche Prüfmittel wir wofür einsetzen und wo ihre Grenzen liegen, steht ausführlich bei Wie wir prüfen.

ABLAUF

Wie ein Beutel gemischter Schmuck bei uns über den Tresen geht

Vier Schritte, für die Sie keinen Termin brauchen. Die Sichtung ist kostenlos und unverbindlich — was danach passiert, entscheiden Sie.

Schritt 01

Sortieren

Alles kommt auf das Tuch und wird nach Metall und Feingehalt getrennt: 333 zu 333, 585 zu 585. Was keine Zahl trägt, bekommt einen eigenen Platz und wird zuletzt bearbeitet.

Schritt 02

Lesen

Jedes Stück geht unter die Lupe. Wir nennen Ihnen dabei, was wir sehen, und zeigen die Stelle — bei Ketten ist das oft der Karabinersteg, den man selbst nie beachtet.

Schritt 03

Prüfen und wiegen

Wo eine Punze fehlt oder nicht zum Eindruck passt, folgen Magnet und Strichprobe. Anschließend wird gewogen, gruppenweise und vor Ihren Augen, auf geeichter Waage.

Schritt 04

Entscheiden

Sie bekommen die Einschätzung mündlich, mit den Zahlen dahinter. Verkaufen, umarbeiten lassen oder wieder einpacken: alles möglich. Für einen Ankauf brauchen wir Ihren Ausweis, siehe Ausweispflicht und Beleg.

Bruchstücke, einzelne Ohrringe und verknotete Ketten müssen Sie vorher nicht sortieren — genau das machen wir. Was dabei zusammenkommt, beschreibt Altgold und Bruchgold. Kurz anrufen können Sie unter 0171 3920011.

Mo–Fr 10–18 Uhr, Sa 10–15 Uhr

FRAGEN

Was uns zu Stempeln und Zahlen gefragt wird

Sechs Fragen, die im Laden regelmäßig kommen, sobald jemand die Lupe in der Hand hat.

Nein. Die Punzierung ist hierzulande freiwillig — wer aber eine Zahl einschlägt, muss den angegebenen Feingehalt einhalten. Deshalb tragen viele alte Familienstücke gar kein Zeichen, während neuere Ware fast immer eines hat. Für die rechtliche Einordnung im Einzelfall ist eine Fachauskunft der richtige Weg; für die Bewertung zählt bei uns ohnehin die Messung.

585 heißt 585 Teile Feingold auf 1000 Teile Legierung, also 58,5 Prozent. In Karat sind das 14: Feingehalt geteilt durch 1000, mal 24. Die übrigen 41,5 Prozent sind Silber, Kupfer, Palladium oder Nickel — sie bestimmen Farbe und Härte, nicht den Goldanteil.

Nein, das ist eine Auflagenangabe. Die 90 nennt die Menge Feinsilber in Gramm, die bei der Versilberung auf ein Grundbesteck von 24 Teilen aufgebracht wurde; verbreitet sind auch 100 und 150. Echtes Silberbesteck trägt dagegen 800, 830, 835 oder 925. Versilbertes hat einen Gebrauchswert, aber keinen nennenswerten Edelmetallwert.

Das kommt vor — mal als flacher Aufdruck auf vergoldetem Messing, mal als sauber geschlagene, aber schlicht falsche Zahl. Auch eine echte Punze kann in die Irre führen, etwa wenn nur der Verschluss aus Gold ist und die Kette daran nicht. Deshalb ist die Zahl für uns der Ausgangspunkt: Wir prüfen mit Lupe, Magnet und Strichprobe nach, bevor wir etwas dazu sagen.

Weil die Punze nur den Goldanteil nennt, nicht die Farbe. In Weißgold stecken dieselben 750 Teile Feingold wie in einem gelben Ring; hell wird es durch Palladium oder Nickel und durch die dünne Rhodiumschicht auf der Oberfläche. Trägt sich diese Schicht ab, kommt der wärmere Ton der Legierung wieder durch.

Fremde Feingehaltszeichen schlagen wir nicht nach — dafür steht derjenige ein, der ein Stück in den Verkehr bringt. Was wir tun: so arbeiten, dass der Stempel möglichst stehen bleibt, also nach Möglichkeit auf der gegenüberliegenden Seite der Schiene ansetzen. Den geprüften Feingehalt halten wir zusätzlich auf Ihrem Beleg fest.

Bringen Sie mit, was Sie nicht einordnen können

Eine Schachtel gemischter Ketten, ein Ring ohne Zahl, ein Kasten Besteck: Unter der Lupe und auf der Waage ist meist in wenigen Minuten klar, was davon Edelmetall ist und was nicht. Die Sichtung in der Am Sattlerhof kostet nichts und verpflichtet zu nichts.