Am Sattlerhof 12 · 31134 HildesheimMo–Fr 10–18 Uhr0171 3920011
Termin anfragen

Ratgeber · Kosten

Was ein Verlobungs­ring kostet

Fast jeder, der deswegen anruft, nennt zuerst eine Zahl, die er irgendwo aufgeschnappt hat — und entschuldigt sich beinahe dafür. Diese Seite dreht die Reihenfolge um: erst der Ursprung der berühmten Faustregel, dann die vier Posten, aus denen jeder Ringpreis wirklich besteht, und danach vier Stufen mit dem, was handwerklich jeweils möglich ist.

Kurze Frage vorab? 0171 3920011Mo–Fr 10–18 Uhr, Sa 10–15 Uhr

Drei unfertige Ringrohlinge in Gelb-, Weiß- und Rotgold neben Steinschale und Messschieber
Rohlinge vor dem Fassen: Bis hierhin bestimmt das Gewicht den Preis, ab hier die Arbeit.
Preise

Die Faustregel war eine Anzeige

Zwei Monatsgehälter, in manchen Erzählungen drei: Diese Zahl hat keinen handwerklichen und keinen rechnerischen Grund. Sie hat einen Ursprung — und der ist gut belegt.

Zwei bis drei Monatsgehälter sollte ein Verlobungsring kosten.

Werbeversprechen, keine Handwerksregel

1938 begann in den USA eine Anzeigenkampagne der Diamantindustrie mit dem Ziel, den Diamantring als festen Bestandteil des Heiratsantrags zu verankern. Aus ihr stammt die Empfehlung, ein Monatsgehalt auszugeben; in späteren Jahrzehnten wurden zwei daraus, in einzelnen Märkten drei. Die Zahl wanderte durch Zeitschriften und Filme, bis sie wie eine überlieferte Sitte klang. Sie ist keine.

Dass wir das an dieser Stelle schreiben, spricht gegen unser eigenes Geschäft, und trotzdem gilt es: Ein Ring wird nicht dadurch besser, dass er teurer ist. Er wird besser, wenn die Schiene zur Hand passt, wenn die Fassung den Stein wirklich hält und die Proportion zwischen Kopf und Band stimmt. Das sind Fragen der Arbeit, nicht des Betrags.

An der Theke begegnet uns ohnehin selten die Frage nach dem Maximum. Es ist die Sorge, mit einem zu kleinen Betrag das Falsche zu signalisieren. Deshalb fragen wir zuerst nach dem Rahmen, in dem Sie sich wohlfühlen, und sagen danach, was sich darin bauen lässt — in dieser Reihenfolge und nicht umgekehrt.

Werkstatt

Vier Posten, aus denen jeder Preis entsteht

Jeder Verlobungsring zerfällt in dieselben vier Positionen. Wer sie auseinanderhält, kann jedes Angebot lesen — auch eines, das nicht von uns stammt.

  1. Der Stein

    Der größte Hebel und der einzige Posten, der sich sprunghaft verhält. Zwei Brillanten gleicher Größe können sich im Preis vervielfachen, ohne dass man mit bloßem Auge etwas sieht — Reinheit, Farbe und Schliff entscheiden das unter der Lupe. Was diese Kriterien bedeuten, steht in Die 4C beim Diamanten.

    Größe, Reinheit, Farbe, Schliff

  2. Das Metall

    Wird gewogen, nicht geschätzt. Ein kräftiger Ringkopf braucht mehr Gramm als eine schmale Schiene, und 750er Gold trägt je Gramm mehr Feingold in sich als 585er. Dieser Posten hängt am Tageskurs und ist der einzige, der sich zwischen Beratung und Auftrag von allein bewegt.

    Gewicht mal Feingehalt

  3. Die Fassarbeit

    Hier steckt die Zeit an der Werkbank. Krappen werden einzeln gefeilt, ausgerichtet und über die Rundiste gedrückt; eine Zargenfassung muss auf Zehntelmillimeter an den Stein angepasst werden. Ein Ring mit Steinen in der Schiene braucht ein Vielfaches der Zeit eines glatten Bandes.

    Stunden an der Werkbank

  4. Der Fertigungsweg

    Ein Ring, den es als Modell gibt, ist kalkuliert wie eine Serie: Der Aufwand verteilt sich auf viele Stücke. Ein Einzelstück nach Maß trägt seine Werkstattzeit allein: Der Arbeitslohn dafür liegt bei ab 250 €, Metall und Stein kommen dazu. Das sind zwei Wege, keine zwei Qualitäten; wie eine Anfertigung nach Maß abläuft, steht dort im Einzelnen.

    Serie oder Einzelstück

Runde Steinschale mit Wildlederboden, darin lose Brillanten verschiedener Größe, daneben eine Pinzette und eine aufgeklappte Lupe
POSTEN 1Zwei Steine gleicher Größe können sich im Preis vervielfachen. Entschieden wird das unter der Lupe.
Solitärring in einer hölzernen Ringklemme, die Spitze eines Fassers liegt an einer Krappe über der Rundiste des Steins
POSTEN 3Jede Krappe wird einzeln gefeilt, ausgerichtet und über die Rundiste gedrückt. Das ist die Zeit im Preis.
999

Vier Stufen, ehrlich beschrieben

Wir schreiben hier bewusst keine Beträge hin, denn zwei Größen legen wir nicht fest: den Metallkurs am Tag Ihrer Entscheidung und den Stein, den Sie aussuchen. Benennen lässt sich die Reihenfolge, in der die Möglichkeiten wachsen.

  1. Die klare Schiene

    Anteil des Steins: gering

    Ein Ring ohne Stein oder mit einem winzigen Besatz im Band. Der Preis besteht fast vollständig aus Gewicht und Arbeitslohn, und genau das macht ihn planbar. Möglich ist hier alles, was Form und Passform betrifft: ein sauber gearbeitetes Band in 585 oder 750, eine bombierte oder flache Innenseite, eine Innengravur, jede Weite.

    Nicht möglich ist ein Solitär, der auf Distanz auffällt. Wer das offen ausspricht, spart sich später die Enttäuschung — und viele Paare entscheiden sich bewusst dafür, weil so ein Ring im Alltag getragen wird und nicht in der Schublade liegt.

  2. Der kleine Solitär

    Anteil des Steins: spürbar

    Ein Brillant, der die Schiene erkennbar krönt, aber die Rechnung noch nicht beherrscht: Metall und Fassarbeit bleiben die größeren Posten. In dieser Stufe lohnt sich die Sorgfalt bei der Fassung am meisten, weil ein kleiner Stein von der Machart lebt — vier feine Krappen wirken anders als eine massive Zarge, obwohl derselbe Stein darin sitzt.

    Hier ist auch der Punkt, an dem sich ein Aufpreis am ehesten lohnt: nicht in mehr Karat, sondern in einem besseren Schliff. Er entscheidet, wie viel Licht zurückkommt.

  3. Wenn der Stein führt

    Anteil des Steins: überwiegend

    Ab einer Größe, in der der Stein von allein auffällt, kippt das Verhältnis: Er kostet mehr als Metall und Arbeit zusammen. Jede Stufe bei Reinheit und Farbe schlägt jetzt durch, und zwar auch dann, wenn der Unterschied ohne Lupe nicht zu sehen ist. In dieser Stufe wird die Auswahl zur eigentlichen Arbeit — wir legen mehrere Steine nebeneinander unter dieselbe Lampe, statt Papiere zu vergleichen.

    Auch der Vergleich zwischen Labordiamant und Naturdiamant wirkt sich erst hier deutlich aus: Bei gleichem Budget verschiebt er die mögliche Größe erheblich.

  4. Aus Familiengold

    Anteil des Steins: unterschiedlich

    Die Stufe, die in keiner Faustregel vorkommt, weil das Metall schon im Haus ist. Der Ring einer Großmutter, ein einzelner Ohrring, eine Kette ohne Verschluss: Wir prüfen, wiegen auf der geeichten Waage und rechnen den Materialwert zum Tageskurs an. Übrig bleiben Arbeitslohn und Stein.

    Eine Umarbeitung braucht in der Regel 3–5 Wochen. Wie das im Einzelnen läuft und was dabei aus dem alten Metall wird, steht unter Verlobungsringe aus Familiengold.

Warum hier keine Euro-Beträge stehen

Der Kurs, den Sie in den Nachrichten hören, gilt für Feingold — 999 von 1000 Teilen. Ihr Ring besteht aus einer Legierung, und der Metallanteil wird börsentäglich neu bewertet. Eine Tabelle, die wir heute hinschreiben, wäre in wenigen Wochen falsch, und falsche Zahlen helfen bei einer Entscheidung nicht.

Deshalb bekommen Sie Ihre Zahl im Gespräch, gerechnet auf den Tag, mit getrennten Posten für Metall, Stein und Arbeit. Vor Arbeitsbeginn steht sie im Kostenvoranschlag, und Sie entscheiden danach. Richtwerte für Werkstattarbeiten am fertigen Ring finden Sie unter Preise und Bearbeitungszeiten.

Ablauf

Vom ersten Satz bis zum fertigen Ring

Fünf Schritte. Der zweite ist der wichtigste, weil dort der Betrag fällt — Ihrer, nicht unserer.

  1. Vorher

    Einen Rahmen festlegen

    Suchen Sie eine Summe, mit der Sie ohne Kopfrechnen leben können, und behandeln Sie sie als Obergrenze, nicht als Ziel. Wenn Sie mögen, klären Sie vorab die Weite: Wie das unbemerkt gelingt, steht unter Ringgröße heimlich herausfinden.

  2. Termin

    Das Gespräch am Beratungsplatz

    Musterringe zum Anstecken, lose Steine unter der Lupe, Papier und Bleistift. Sie nennen Ihren Rahmen, wir sagen, was darin geht und was nicht. Passt ein Wunsch nicht hinein, hören Sie das hier und nicht drei Wochen später.

  3. Danach

    Entwurf und Kosten­voran­schlag

    Eine Zeichnung mit Maßen, dazu zwei oder drei Steinvorschläge. Der Kostenvoranschlag weist Metall, Stein und Arbeit getrennt aus. Das ist der Punkt, an dem sich der Preis noch bewegen lässt: schmaleres Band, anderer Stein, einfachere Fassung.

  4. Werkstatt

    Gefertigt in der Bernward­straße

    Gearbeitet wird am Standort, nicht ausgelagert. Ein schlichtes Einzelstück nach Maß braucht üblicherweise 2–4 Wochen; kommt vorhandenes Altgold hinzu, meist 3–5 Wochen. Zwischendurch dürfen Sie das Stück im Rohzustand ansehen.

  5. Abholung

    Übergabe und alles danach

    Sie sehen den Ring in Ruhe an, bei Bedarf abseits der Theke. Sitzt die Weite nach dem Antrag nicht, ändern wir sie: weiten in Gold ab 39 €, verkleinern ab 25 €. Eine Maschinengravur innen kostet ab 1 € je Zeichen.

585

Material: was die Wahl mit dem Preis macht

Zwei Entscheidungen bewegen den Betrag stärker als alle anderen — die Legierung und der Stein. Beide lassen sich unabhängig voneinander treffen, und beide haben eine Seite, die selten erwähnt wird.

Reihe von Ringrohlingen und fertigen Bändern nebeneinander auf grauem Wildleder in Gelbgold, Weißgold, Rotgold und Platin
LEGIERUNGENDieselbe Form in vier Metallen: Der Materialposten hängt am Gewicht und am Feingehalt, nicht am Aussehen.

Metall

Gold 585
14 Karat, 585 von 1000 Teilen Feingold. Weniger Materialwert je Gramm als 750er Gold, dafür härter im Alltag; feine Kratzer fallen auf der Oberfläche weniger auf.
Gold 750
18 Karat, wärmerer Ton, spürbar mehr Feingold je Gramm — der Materialposten steigt entsprechend mit. Etwas weicher, dafür kräftiger in der Farbe.
Weißgold
Im Kern gelblich und deshalb rhodiniert. Die Schicht läuft sich nach Jahren ab; nachrhodinieren kostet ab 45 €. Warum das kein Mangel ist, erklärt Warum Weißgold gelblich wird.
Platin 950
Deutlich schwerer als Gold, also mehr Gramm für dieselbe Form, und in der Bearbeitung aufwendiger. Dafür bleibt es weiß, ganz ohne Auflage.

Stein

Naturdiamant
Der klassische Weg, mit klarer Handelsstruktur und Papieren ab einer gewissen Größe. Der Preis steigt nicht gleichmäßig mit dem Gewicht, sondern springt an den runden Marken.
Labordiamant
Chemisch und optisch derselbe Stein, im Einkauf je Größe deutlich darunter. Verschiebt bei gleichem Budget vor allem die mögliche Größe; die Handelbarkeit später ist eine andere.
Farbstein
Saphir ist hart genug für tägliches Tragen, Smaragd ist empfindlicher und mag keinen Schlag gegen die Kante. Bei Farbsteinen zählt der Farbton mehr als jedes Gewicht.
Zirkonia als Platzhalter
Ein Weg für den Antrag ohne Vorabentscheidung: Der Ring ist fertig, der endgültige Stein wird zu zweit ausgesucht. Das spätere Aus- und Neufassen kostet ab 20 € je Stein.

Wer den Antragsring zunächst schlicht halten und den Stein später ergänzen will, findet die praktischen Wege dazu unter Diskretion und Antragsring.

Fragen

Sechs Fragen zum Budget

Was uns am Telefon und am Beratungsplatz zum Thema Geld tatsächlich gefragt wird — ohne Umweg beantwortet.

Nein. Die Zahl stammt aus einer Anzeigenkampagne der Diamantindustrie, die 1938 in den USA begann; zuerst war von einem Monatsgehalt die Rede, später von zwei, in einzelnen Märkten von drei. Einen handwerklichen Grund gibt es dafür nicht. Wir fragen deshalb nicht nach Ihrem Einkommen, sondern nach dem Betrag, mit dem Sie sich wohlfühlen.

Nein, und wir nennen auch keine Einstiegssumme ins Blaue. Ein Einzelstück nach Maß beginnt beim Arbeitslohn; dazu kommen das Metall nach Gewicht und der Stein. Sagen Sie uns im Gespräch Ihren Rahmen, dann hören Sie in wenigen Minuten, was darin möglich ist und wo es eng wird. Vor Arbeitsbeginn bekommen Sie das schriftlich als Kostenvoranschlag.

Das kippt mit der Größe. Bei einem kleinen Brillanten tragen Metallgewicht und Fassarbeit den größeren Teil der Rechnung. Wächst der Stein, wird er irgendwann teurer als Metall und Arbeit zusammen, und jede Stufe bei Reinheit, Farbe und Schliff schlägt spürbar durch. Deshalb sprechen wir zuerst über den Stein und danach über die Fassung.

Bei gleicher Größe und Qualität liegt er im Einkauf deutlich darunter, und mit bloßem Auge ist kein Unterschied zu erkennen: Beide sind kristalliner Kohlenstoff und gleich hart. Unterschiedlich sind Herkunft, Papiere und die spätere Handelbarkeit. Was das für Ihre Entscheidung bedeutet, steht ausführlich auf unserer Vergleichsseite.

Ja. Wir prüfen und wiegen Ihr Altgold an der Theke und rechnen den Materialwert zum Tageskurs an; übrig bleiben Arbeitslohn und Stein. Oft reicht schon ein einzelner Ohrring oder eine Kette ohne Verschluss für die Schiene. Ob das Metall eingeschmolzen und wiederverwendet oder nur verrechnet wird, entscheidet der Zustand — das besprechen wir vorher mit Ihnen.

Meist ja, weil die Werkstattzeit auf einem einzigen Ring liegt und nicht auf einer Serie. Dafür bestimmen Sie Breite, Steingröße und Fassung selbst, und die Weite stimmt von Anfang an. Wer beide Wege vergleichen möchte, probiert im Termin zuerst fertige Modelle an: Daran lässt sich am schnellsten zeigen, was eine Änderung kosten würde.

Nennen Sie uns Ihren Rahmen, nicht Ihr Gehalt

Im Termin hören Sie in wenigen Minuten, was in Ihrem Budget handwerklich möglich ist — mit getrennten Posten für Metall, Stein und Arbeit. Ohne Vorabentscheidung und ohne Verpflichtung.