Ratgeber
Labordiamant oder Naturdiamant: zwei Listen für Ihre Entscheidung
Wir fassen beide Steine, wir tauschen beide Steine, und wir bewerten beide, wenn jemand sie uns zum Ankauf auf den Tresen legt. Deshalb finden Sie hier keine Empfehlung, sondern zwei Listen — und in jeder steht auch das, was sie kostet.

Was an einem Vormittag in der Sortierschale lag
Ein Paar wollte den Unterschied sehen, bevor es sich entscheidet. Wir haben ihn hingelegt.
Zwei Brillanten, beide 0,70 Karat, dieselbe Farb- und Reinheitsstufe, derselbe Schliff. Der eine stammte aus einem Ring, den eine Kundin uns am selben Morgen zum Ankauf gebracht hatte, der andere lag zum Vergleich daneben. Wir haben die Pinzette dazwischengelegt und gefragt, welcher welcher sei. Geraten wurde falsch. Das sagt nichts über die beiden Menschen und alles über die beiden Steine.
Ein Labordiamant ist Diamant. Reiner Kohlenstoff, kubisch kristallisiert, mit denselben Kennwerten wie der Naturstein. Er funkelt nicht anders, er kratzt nicht anders, und an der Werkbank verhält er sich beim Fassen, Schleifen und Polieren genauso. Wer ihn mit Zirkonia oder Moissanit in einen Topf wirft, verwechselt ihn: Das sind andere Werkstoffe mit anderer Härte und anderem Lichtverhalten, die ein geübtes Auge unter der Lupe trennt. Beim Labordiamanten gelingt das nicht.
Unterscheidbar wird er erst an Wachstumsstrukturen, am Spannungsbild zwischen gekreuzten Polarisationsfiltern und am Nachleuchten unter kurzwelligem UV. Das sind Laborgeräte, keine Ladentheke. Viele Laborsteine tragen zusätzlich eine winzige Laserinschrift auf der Rundiste — findet man sie, ist die Frage in zehn Sekunden geklärt. Fehlt sie, hilft nur die Prüfung im gemmologischen Labor. Wie wir bei einem Ankauf grundsätzlich vorgehen, steht unter Wie wir prüfen.
- Härte nach Mohs
- 10
- Brechzahl
- 2,42
- Dichte in Gramm je Kubikzentimeter
- 3,52
- Kristallsystem
- kubisch
Diese vier Werte gelten für beide Steine. Ein messbarer Unterschied entsteht an keiner Stelle.
Im Erdmantel
Rund 150 Kilometer unter der Oberfläche, unter Druck und Hitze, über geologische Zeiträume gewachsen. Vulkanische Schlote aus Kimberlit haben die Kristalle nach oben getragen; alles Weitere ist Bergbau, Handel und Schliff.
Die Einschlüsse, die dabei entstanden sind, sitzen bei jedem Stein anders. Man kann sie unter der Lupe wiedererkennen wie eine Handschrift.
Im Reaktor
Zwei Verfahren sind üblich. Bei HPHT wird Kohlenstoff bei etwa 1.500 Grad Celsius und rund 5 Gigapascal um einen Impfkristall gepresst. Bei CVD wächst der Kristall in einer Vakuumkammer aus einem Methan-Wasserstoff-Plasma Schicht für Schicht auf.
Beides ergibt in Wochen einen Rohkristall, der anschließend genauso geschliffen und poliert wird wie ein Naturstein — von Hand, auf derselben Scheibe, mit demselben Ausschuss.


Sieben Zeilen, in denen der ganze Unterschied steckt
Vier Zeilen sagen „gleich", drei sagen „verschieden". Genau um diese drei geht es beim Kaufen — und später beim Verkaufen.
| Merkmal | Naturdiamant | Labordiamant |
|---|---|---|
| Werkstoff | Reiner Kohlenstoff, kubisch kristallisiert. Kein Unterschied. | |
| Härte, Brechzahl, Dichte | Mohs 10, Brechzahl 2,42, Dichte 3,52. Kein Unterschied. | |
| Schliff und Verarbeitung | Von Hand geschliffen, gefasst und poliert wie jeder andere Diamant. | |
| Bewertung nach den 4C | Farbe, Reinheit, Schliff und Karat werden bei beiden nach denselben Stufen beurteilt. | |
| Entstehung | Erdmantel, geologische Zeiträume, danach Bergbau. | Reaktor, Rohkristall in Wochen, HPHT oder CVD. |
| Preis bei gleichen 4C | Höher, und der Abstand wächst mit dem Gewicht. | Deutlich niedriger, bei identischer Beurteilung. |
| Bewertung an unserem Ankaufstresen | Nach eingespieltem Handelsmaßstab, Gewicht und Qualität. | Zurückhaltend und im Einzelfall, weil ein Zweitmarkt fehlt. |
Wann welcher Stein der richtige ist
Suchen Sie in beiden Listen den Satz, der auf Ihren Fall zutrifft. Meist steht er nur in einer davon.
In eigener Sache
Wir bekommen für keinen der beiden Steine eine Prämie, und der Arbeitslohn für Fassung und Ring ist derselbe, egal was darin sitzt. Ein Interesse an Ihrer Entscheidung haben wir also nicht — wohl aber an einem Ring, der in zehn Jahren noch die richtige Wahl war.
Deshalb enthält jede der beiden Listen zum Schluss einen Satz, der gegen sie spricht. Ohne diesen Satz wäre es Werbung und keine Beratung.
Das spricht für den Labordiamanten
Vier Fälle, in denen wir im Gespräch selbst dazu raten.
- Wenn die sichtbare Größe zählt
- Dann bekommen Sie für dasselbe Geld mehr Durchmesser. Ein Naturstein derselben Beurteilung kostet ein Mehrfaches, und dieses Geld fehlt Ihnen anschließend bei Metall, Fassung und allem, was um den Ring herum ansteht.
- Wenn der Ring hart arbeiten muss
- Dann ist der Verlust weniger schlimm. Wer in der Pflege, im Handwerk oder im Garten arbeitet, verliert eher einmal einen Stein. Beim Laborstein lassen sich dieselben Merkmale erneut bestellen; beim Naturstein beginnt eine Suche.
- Wenn ein passendes Set entstehen soll
- Dann ist der gleichmäßige Auftritt leichter zu erreichen. Ohrstecker und Anhänger im selben Farbton wie der Ring bekommen Sie mit Laborsteinen ohne langes Suchen zusammen.
- Wenn das Budget in die Arbeit soll
- Dann bleibt mehr für das, was Sie täglich anfassen: 750er Gold statt 585er, eine saubere Fassung, eine Handgravur. Was ein vollständiger Ring kostet, steht unter Was ein Verlobungsring kostet.
- Der Preis dafür
- Beim Wiederverkauf steht der Laborstein ohne eingespielten Markt da. Wir bewerten ihn zurückhaltend und im Einzelfall — und ein Stück, das später weitergegeben werden soll, trägt damit eine Geschichte weniger.
Das spricht für den Naturdiamanten
Vier Fälle, in denen der höhere Preis eine Gegenleistung hat.
- Wenn der Ring weitergegeben werden soll
- Dann wiegt die Herkunft. Was uns am Ankaufstresen aus früheren Jahrzehnten erreicht, sind fast ausnahmslos Naturdiamanten — und die lassen sich Jahrzehnte später noch nach einem gängigen Maßstab bewerten.
- Wenn ein Verkauf denkbar bleibt
- Dann behalten Sie eine Option. Trennung, Nachlass, plötzlicher Geldbedarf: Für Naturdiamanten gibt es einen Handel, an dem wir uns beim Ankauf von Diamanten und Edelsteinen orientieren. Für Laborsteine gibt es ihn bisher nicht.
- Wenn es Ihr Stein sein soll
- Dann sprechen die Einschlüsse dafür. Sie sitzen bei jedem Naturstein anders und lassen sich unter der Lupe wiedererkennen. Ein Laborstein ist in derselben Beurteilung jederzeit erneut bestellbar.
- Wenn ein Familienstein vorhanden ist
- Dann ist die Frage bereits entschieden. Wir fassen den vorhandenen Stein in einen neuen Ring — die Wege dazu stehen unter Verlobungsringe aus Familiengold und Umarbeitung.
- Der Preis dafür
- Für dasselbe Budget wird der Stein kleiner, und dieser Unterschied ist am Finger zu sehen, nicht nur auf dem Papier. Geht er verloren, dauert es und kostet, bis ein wirklich passender Ersatz gefunden ist.
Was wir am Ankaufstresen tatsächlich sehen
Wir kaufen an jedem Werktag Schmuck an und wiegen dabei auf geeichten Waagen in Ihrem Beisein. Diamanten beurteilen wir nach Gewicht, Farbe, Reinheit und Schliff. Für Naturdiamanten gibt es dafür einen eingespielten Handel mit abrufbaren Preisen. Für Labordiamanten fehlt dieser Zweitmarkt bislang, denn derselbe Stein lässt sich jederzeit neu herstellen. Das ist keine Wertung des Steins, sondern eine Beobachtung aus dem Tagesgeschäft.
Damit kein falscher Eindruck entsteht: Auch ein Naturdiamant ist keine Geldanlage. Im Ladenpreis eines fertigen Rings stecken Fassung, Arbeit, Handel und Mehrwertsteuer — beim Wiederverkauf zählt davon nur ein Teil. Wer Wert lagern will, ist mit Münzen und Barren besser bedient. Wer ein Schmuckstück will, liegt mit beiden Steinen richtig.

Wie die Entscheidung bei uns zustande kommt
Fünf Schritte, in dieser Reihenfolge. Die Frage nach Labor oder Natur steht bewusst nicht am Anfang.
Erst das Gesamtbudget
Nennen Sie uns eine Zahl für den ganzen Ring, nicht für den Stein. Vorher ist die Frage nach der Herkunft nicht zu beantworten, nachher beantwortet sie sich in Millimetern statt in Meinungen.
Die vier Merkmale festlegen
Farbe, Reinheit, Schliff und Gewicht. Wir setzen Reinheit und Farbe dort an, wo Einschlüsse mit bloßem Auge nicht mehr auffallen — ab da zahlen Sie für etwas, das nur die Lupe sieht. Die Stufen erklären wir unter Die 4C beim Diamanten.
Beide Varianten nebeneinander legen
Dieselben vier Merkmale einmal als Naturstein, einmal als Laborstein, beides in der Schale, beide Preise daneben. In diesem Moment fällt die Entscheidung meist von allein — und selten so, wie das Gespräch davor vermuten ließ.
Fassung und Metall bestimmen
Krappen oder Zarge, 585 oder 750, Weiß-, Gelb- oder Rotgold. Weißgold ist rhodiniert und schimmert nach Jahren wieder wärmer durch, was sich auffrischen lässt; warum das so ist, steht unter Warum Weißgold gelblich wird.
Papiere mitnehmen und aufbewahren
Auf Rechnung und Beleg steht, was Sie gekauft haben; bei einem Laborstein wird das ausdrücklich vermerkt. Legen Sie das Papier zum Etui. Es ist Jahre später der schnellste Weg zu einer Bewertung — für Sie oder für die, die den Ring einmal erben.
Häufige Fragen zu Labor- und Naturdiamanten
Was Paare bei der Anprobe fragen und was uns beim Ankauf begegnet.
Am Tresen nicht, auch nicht mit der zehnfachen Lupe. Beide Steine sind reiner Kohlenstoff mit denselben Werten für Härte, Brechzahl und Dichte. Sicher trennen lassen sie sich über Wachstumsstrukturen, über das Spannungsbild und über das Nachleuchten unter kurzwelligem UV — dafür braucht es Laborgeräte. Viele Laborsteine tragen zusätzlich eine Laserinschrift auf der Rundiste, die man mit der Lupe findet, wenn man weiß, wo man sucht.
Ein Diamant. Imitate sind Zirkonia und Moissanit: andere Werkstoffe mit anderer Härte und anderem Lichtverhalten, die sich unter der Lupe erkennen lassen. Der Labordiamant ist derselbe Werkstoff wie der Naturstein und unterscheidet sich nur in der Herkunft — und in dem, was er kostet.
Das sagen wir Ihnen erst, wenn der Stein vor uns liegt. Für Naturdiamanten gibt es einen eingespielten Handel, an dem wir uns beim Ankauf orientieren. Für Labordiamanten fehlt dieser Zweitmarkt bisher, weil sich derselbe Stein jederzeit neu herstellen lässt. Wir bewerten Laborsteine deshalb zurückhaltend und im Einzelfall — und sagen Ihnen das lieber beim Kauf als Jahre später beim Verkauf.
Bei gleichem Budget deutlich größer. Wie viel genau, hängt von Farbe, Reinheit, Schliff und Gewicht ab und verschiebt sich mit dem Markt. Wir rechnen es Ihnen im Termin an zwei konkreten Steinen vor, statt hier eine Zahl zu nennen, die in einem halben Jahr nicht mehr stimmt.
In der Regel ja. Die Fassung bleibt, der alte Stein wird ausgefasst und ein neuer eingesetzt; bei Krappen erneuern wir dabei meist die Spitzen. Voraussetzung ist, dass der neue Stein in Durchmesser und Rundistenstärke zur Fassung passt, sonst muss die Fassung neu aufgebaut werden. Was das kostet, sagen wir nach kurzer Sichtung und vor Arbeitsbeginn.
Dazu sagen wir nichts Verbindliches. Beide Wege verbrauchen Energie, beide Seiten rechnen im eigenen Interesse, und belastbare Vergleichszahlen für den einzelnen Stein auf unserem Tresen liegen uns nicht vor. Beurteilen können wir Material, Verarbeitung und Wertverhalten — dabei bleiben wir.
Legen Sie beide Steine nebeneinander
Für die Anprobe von Verlobungsringen reservieren wir Ihnen Zeit und legen dieselben vier Merkmale einmal als Naturstein und einmal als Laborstein in die Schale. Wenn Sie einen vorhandenen Ring mitbringen möchten, sagen Sie es vorher kurz am Telefon — dann liegt die passende Fassung schon bereit.