Am Sattlerhof 12 · 31134 HildesheimMo–Fr 10–18 Uhr0171 3920011
Termin anfragen

Ein Paar, ein halber Tag, zwei Ringe

Trau­ringe selbst schmieden in Hildesheim

Zwei Ringe aus einer Mappe auszusuchen dauert eine Stunde und fühlt sich am Ende an wie eine Bestellung. Ein Schmiedetag dauert länger, macht die Finger schmutzig und endet mit zwei Ringen, deren Rundung Sie selbst getrieben haben. Gearbeitet wird an unserer Werkbank in der Am Sattlerhof — angeleitet von Goldschmiedemeister Tammo Riekhoff, der danebensteht und eingreift, bevor etwas schiefgeht.

Schmiedeplatz mit kleinem Amboss, Hammer, Ringriegel, gebogenem Golddraht und Lederschürze an der Bank
AMBOSS UND HAMMERDer Amboss gibt die Schlagkraft ins Metall zurück; auf weicher Unterlage verpufft der Schlag, statt zu formen.
WERKSTATT

Erst der Rahmen, dann die drei Sätze am Tresen

Ein Paar pro Termin, damit die Werkbank nicht geteilt werden muss. Was danach kommt, ist bei fast jedem Gespräch dasselbe Zögern.

Dauer
Ein halber Tagin der Regel vier bis fünf Stunden an der Werkbank
Wer arbeitet
Sie beideLöten, Rundrichten auf Maß und Endpolitur macht die Werkstatt
Vorlauf
Rund drei Monatevor dem Hochzeitstag, damit Gravur und Nacharbeit Platz haben

„Wir haben beide zwei linke Hände."

Die Handgriffe, die Sie übernehmen, verlangen Geduld und gleichmäßige Kraft, nicht Jahre Übung: sägen, glühen, biegen, auf dem Riegel rundschlagen, feilen, schleifen. Was Erfahrung braucht — die Lötfuge, das Maß, die letzte Politur —, macht der Goldschmied. Auf Wunsch beginnen Sie mit einem Übungsstück aus Silberdraht, bevor das Gold an die Reihe kommt.

„Und wenn wir den Ring kaputt machen?"

Gold verzeiht viel. Es lässt sich glühen und wird dadurch wieder weich, eine Delle wird ausgehämmert, eine schiefe Fuge nachgefeilt, eine misslungene Naht getrennt und neu gelötet. Wirklich weg ist nur, was als Span auf den Boden fällt — und dafür hängt das Werkbankfell unter der Platte.

„Sieht man das dem Ring hinterher an?"

Er sieht anders aus als ein Ring aus der Vitrine, und meistens ist genau das der Grund für den Termin: Die Schläge stehen als Struktur auf der Oberfläche, die Kanten sind von Hand gebrochen. Wer eine völlig gleichmäßige Spiegelfläche möchte, fährt mit einem gefertigten Ring aus den Kollektionen zur Anprobe besser.

585

Was mit dem Gold passiert, während Sie hämmern

Ein Ring entsteht an diesem Tag nicht im Guss, sondern aus einem Stück Draht. Das erklärt fast alles, was Sie an der Werkbank in den Händen spüren werden.

Am Anfang liegt ein Draht aus 585er Gold auf der Bank, im Querschnitt bereits so geformt, wie der Ring später sein soll: flach, halbrund oder bombiert. Gewogen wird auf der geeichten Waage, abgelängt nach dem Innenumfang plus einer Zugabe für die Materialstärke. Wer diese Zugabe vergisst, hält am Ende einen Ring in der Hand, der eine halbe Größe zu klein ist.

Beim Biegen und Schlagen verschiebt sich das Gefüge im Metall. Das Gold verfestigt sich, wird härter und spröder, und irgendwann federt es zurück statt nachzugeben. Dann kommt es unter die Flamme, glüht kurz rot auf und ist danach wieder weich. Dieser Wechsel aus Verformen und Glühen ist der eigentliche Rhythmus des Tages — und der Grund, warum es zwischendurch immer wieder Pausen gibt.

Die Fuge wird gelötet, nicht geklebt und nicht gepresst. Damit das Lot in den Spalt zieht statt darüberzulaufen, müssen die Enden plan aufeinanderstehen; man hält den Ring gegen das Fensterlicht und sieht, ob ein Streifen durchscheint. Diesen Schritt übernimmt der Goldschmied, weil eine falsch geführte Flamme mehr anrichtet als ein verfehlter Hammerschlag. Wie es an unserer Bank sonst zugeht, steht unter unsere Werkstatt.

Zuletzt geht der Ring auf den Riegel und wird rundgeschlagen. Genau dort liegt der Unterschied zum gegossenen Ring: Das getriebene Material ist dichter, die Oberfläche nimmt Druck besser auf, und die Weite lässt sich in kleinen Schritten treffen, statt geschätzt zu werden.

Fünf Wörter, die an diesem Tag fallen

Glühen
Das Stück wird bis zur Rotglut erwärmt und kühlt ab. Danach ist es wieder weich und lässt sich verformen.
Kaltverfestigung
Jede Verformung härtet das Metall. Ohne Zwischenglühen reißt es irgendwann, statt sich zu biegen.
Ringriegel
Der konische Stahldorn, auf dem der Ring rundgeschlagen und auf Weite getrieben wird.
Borax
Flussmittel. Es hält die Fuge sauber, damit das Lot beim Löten hineinlaufen kann.
Zunder
Die dunkle Schicht nach dem Löten. Das Beizbad löst sie, bevor überhaupt geschliffen wird.
Auf dem Lötklotz liegt ein Ring, daneben der abgelegte Brenner, eine Schale mit Flussmittel und eine lange Pinzette.
LÖTENDas Lot zieht nur dann in den Spalt, wenn die Enden plan aufeinanderstehen.
ABLAUF

Der Tag, Stunde für Stunde

Die Zeiten sind Richtwerte. Paare arbeiten unterschiedlich schnell, und der zweite Ring geht fast immer flotter von der Hand als der erste.

Vorherzwei bis vier Wochen davor

Maß nehmen und entscheiden

Weite, Breite, Profil und Oberfläche klären wir vor dem Termin, damit die Zeit an der Bank für das Handwerk bleibt. Gemessen wird im Laden am Ringmaß; wie Sie zu Hause vorarbeiten, steht unter Ringgröße ermitteln. Welche Form zu welcher Hand passt, ist Thema von Profil, Breite und Oberfläche.

Typischer FehlerDie Weite abends gemessen. Finger sind dann am dicksten. Wir messen lieber zweimal an verschiedenen Tagen.

Erste halbe StundeAnkommen

Schürze um, Material auf die Bank

Werkzeug erklärt, Legierung festgelegt, Schutzbrille aufgesetzt. Der Draht wird für jeden Ring einzeln gewogen und abgelängt. Wer sich unsicher fühlt, macht zuerst einen Probelauf mit Silberdraht: dieselben Handgriffe, dasselbe Werkzeug, nur ohne Respekt vor dem Materialwert.

Stunde 1Trennen

Sägen und erstes Glühen

Abgelängt wird mit dem Laubsägebogen, senkrecht geführt und mit Wachs am Blatt. Danach das erste Glühen: Der Draht wird bis zur Rotglut erwärmt und liegt kurz zum Abkühlen. Ab jetzt lässt er sich mit den Fingern und der Flachzange in eine Rundung ziehen.

Typischer FehlerSchräg gesägt. Die Fuge klafft dann keilförmig und muss nachgefeilt werden — das kostet eine Viertelstunde, mehr nicht.

Stunde 2Fügen

Biegen und Löten

Mit Flachzange und Holzhammer wird der Draht so weit geschlossen, dass die Enden unter Spannung aneinanderstehen. Sie halten den Ring gegen das Licht, wir prüfen die Fuge mit der Lupe. Dann kommt Borax auf die Naht, ein Schnipsel Goldlot darauf, und der Goldschmied führt die Flamme. Nach dem Beizbad ist der Ring grau und stumpf — das gehört so.

Stunde 3Formen

Rundschlagen und Struktur setzen

Jetzt kommt der Ring auf den Riegel. Mit dem Holzhammer wird er rundgetrieben und dabei Millimeter für Millimeter auf Weite gebracht; kontrolliert wird am Ringmaß, nicht nach Gefühl. Wer eine gehämmerte Oberfläche möchte, arbeitet sie hier mit dem Stahlhammer ein — jeder Schlag bleibt sichtbar.

Typischer FehlerZu fest geschlagen. Der Ring wird dabei breiter und dünner. Viele leichte Schläge bringen mehr als wenige harte.

Stunde 4Glätten

Feilen, Schleifen, Kanten brechen

Vom groben Hieb zum feinen, danach Schleifpapier in mehreren Körnungen, immer in eine Richtung. Zum Schluss wird die Innenkante gebrochen, damit der Ring später über den Knöchel läuft und nicht daran hängen bleibt. Wer eine matte Oberfläche will, zieht sie hier mit dem Schleifvlies auf.

Zum SchlussÜbergabe

Politur, Gravur, Mitnehmen

Die Endpolitur läuft an der Werkstattmaschine, danach lösen Ultraschall und Trockner die Pastenreste aus der Struktur. Ohne Innengravur können Sie die Ringe in der Regel gleich mitnehmen. Mit Gravur planen Sie 1–3 Werktagen ein; Name und Datum in Standardschrift liegen für das Paar bei ab 25 €, welche Schriften und Verfahren möglich sind, steht unter Gravur.

Ein Laubsägebogen liegt auf dem Feilnagel, daneben ein kurzes Stück Golddraht und feiner Metallstaub.
SÄGENSenkrecht geführt, sonst klafft die Fuge keilförmig und muss nachgefeilt werden.
Ein Holzhammer lehnt am Ringriegel, auf dem ein halb rundgeschlagener Ring steckt.
TREIBENViele leichte Schläge bringen mehr als wenige harte.
Feile und gefaltetes Schleifvlies liegen neben einem Ring, der in einer Holzklemme sitzt.
GLÄTTENVom groben Hieb zum feinen, immer in eine Richtung.
MATERIAL

Welches Metall sich wie treiben lässt

Nicht jede Legierung ist gleich gut zu schmieden. Ihre Wahl entscheidet über den Kraftaufwand am Vormittag und über die Pflege in den Jahrzehnten danach.

Werkstoffe am Schmiedetag — Verhalten unter dem Hammer
WerkstoffUnter dem HammerWoran Sie später denken
585 GelbgoldNachgiebig, verzeiht ungleichmäßige Schläge, glüht schnell weich.Der gängige Einstieg. Gebrauchsspuren lassen sich später auspolieren.
750 GelbgoldWeicher und satter in der Farbe, dafür empfindlicher gegen Dellen.Höherer Materialeinsatz je Gramm, wärmerer Farbton.
585 RotgoldDurch den Kupferanteil zäher, braucht häufigeres Zwischenglühen.Die Farbe bleibt, sie verändert sich über die Jahre kaum.
Weißgold, rhodiniertHärter als Gelbgold, der Arm merkt den Unterschied deutlich.Die Rhodinierung ist eine Auflage und wird irgendwann aufgefrischt — warum, steht unter Warum Weißgold gelblich wird.
Platin 950Zäh und schwer, verlangt eigene Werkzeuge und Lote, nur nach Absprache.Sehr abriebfest. Es wird mit den Jahren matt, statt dünn zu werden.
Silber 925Weich und günstig genug für den Probelauf vor dem eigentlichen Ring.Als Übungsstück gedacht, nicht als Trauring für den Alltag.

Gold aus der eigenen Schublade lässt sich an einem Schmiedetag in der Regel nicht direkt verarbeiten: Altschmuck ist meist unterschiedlich legiert, und aus einer Schmelze mit unbekannter Zusammensetzung wird kein verlässlicher Draht. Üblich ist deshalb der Weg über die Anrechnung — wir prüfen und wiegen Ihr Altgold, ziehen den Wert vom Materialpreis ab, und Sie arbeiten mit frischem Draht. Wie das im Einzelnen läuft, steht unter Trauringe aus eigenem Altgold, und welcher Farbton zu welcher Legierung gehört, unter Legierungen und Farben.

Drei Rollen Golddraht mit flachem, halbrundem und bombiertem Querschnitt liegen neben einem Zieheisen auf der Bank.
DRAHTGearbeitet wird mit frischem Draht im späteren Querschnitt, nicht mit eingeschmolzenem Altschmuck.
TERMIN

Terminfenster, Preisstufen und der richtige Zeitpunkt

Weil an einem Termin nur ein Paar an der Bank steht, sind die Fenster begrenzt — und deshalb lohnt es sich, früh zu fragen.

Mögliche Fenster innerhalb unserer Öffnungszeiten
FensterTageBeginnStufe
VormittagsMontag bis Freitagab 10 UhrWerktag
NachmittagsMontag bis Donnerstagab 13 UhrWerktag
SamstagsterminSamstagab 10 UhrSamstag

Es gibt zwei Preisstufen. Werktagstermine liegen unter dem Samstagstermin, weil der Samstag der gefragteste Tag der Woche ist und das Fenster dort schmaler ausfällt. Der Paarpreis deckt die Anleitung, die Werkzeugnutzung und die Werkstattarbeit ab; das Edelmetall rechnen wir nach Gewicht zum Tageskurs ab.

Melden Sie sich, solange zwischen Wunschtermin und Hochzeit noch etwa drei Monate liegen. Das klingt nach viel und ist es nicht: Der Tag muss bei Ihnen beiden frei sein, nach dem Schmieden kommt gegebenenfalls die Gravur dazu, und wenn ein Ring nach zwei Wochen Tragen doch drückt, bleibt Zeit für eine Korrektur an der Ringweite. Der komplette Fahrplan bis zum Standesamt steht unter Zeitplan vor der Hochzeit.

Im Termin enthalten

  • Anleitung durch den Goldschmiedemeister an der eigenen Werkbank
  • Werkzeug, Schürze und Schutzbrille
  • Löten, Rundrichten auf Maß und die Endpolitur durch die Werkstatt
  • Ultraschallbad und Kontrolle der Weite am Ringmaß
  • Auf Wunsch ein Übungsstück aus Silberdraht vorweg

Wird zusätzlich berechnet

  • Das Edelmetall nach Gewicht zum Tageskurs
  • Innengravur mit Name und Datum
  • Steinbesatz und Sonderprofile nach Absprache

Laden und WerkstattMo–Fr 10–18 Uhr, Sa 10–15 Uhr

Platzhalter: Die Beträge der beiden Preisstufen und die verbindlichen Anfangszeiten trägt der Betrieb hier ein, sobald sie festgelegt sind. Bis dahin nennen wir sie Ihnen im Laden oder am Telefon unter 0171 3920011.

FRAGEN

Was Paare vor dem Schmiedetag fragen

Sechs Fragen, die am Tresen fast jedes Mal kommen, sobald der Termin konkret wird.

Sie sägen, glühen, biegen, schlagen auf dem Riegel rund, feilen und schleifen — das sind die Handgriffe, die dem Ring seine Form geben. Der Goldschmiedemeister lötet die Fuge, kontrolliert die Weite am Ringmaß und übernimmt die Endpolitur an der Maschine. Er steht die ganze Zeit daneben und greift ein, bevor aus einem schiefen Schlag ein Schaden wird.

In der Regel nicht direkt. Altschmuck ist meist unterschiedlich legiert, und aus einer Schmelze mit unbekannter Zusammensetzung lässt sich kein verlässlicher Draht ziehen. Üblich ist deshalb die Anrechnung: Wir prüfen und wiegen Ihr Altgold auf der geeichten Waage, ziehen den Wert vom Materialpreis ab, und Sie arbeiten mit frischem Draht.

Etwas, an dem ein Funke oder ein Fleck nichts ausmacht, dazu geschlossene Schuhe. Schürze und Schutzbrille bekommen Sie von uns. Lange Haare werden zusammengebunden, eigene Ringe und Armbänder kommen an der Bank ab. Schmutzig werden vor allem die Hände, und das lässt sich waschen.

Ohne Innengravur meistens ja: Nach der Endpolitur und dem Ultraschallbad sind die Ringe fertig. Mit Innengravur planen Sie besser ein paar Werktage ein, weil der Graveurplatz getrennt vom Schmiedeplatz belegt wird. Wir sagen Ihnen am Terminende, wann die Ringe bereitliegen.

Kommen Sie damit vorbei, wir sehen ihn uns an. Eine Weite lässt sich in Grenzen nachjustieren. Bei einem gehämmerten Ring achten wir darauf, dass die Struktur über die Nahtstelle weiterläuft — deshalb ist die Korrektur hier etwas aufwendiger als bei einem glatten Bandring, und wir sagen Ihnen vorher, was sie kostet.

Zusehen ja, mitarbeiten nur eingeschränkt. An der Werkbank wird mit offener Flamme, Beize und einem Poliermotor gearbeitet, deshalb bleibt der Platz an der Bank dem Paar vorbehalten. Für Begleitung ist im Laden Platz — sagen Sie bei der Anfrage kurz, wie viele Menschen kommen.

Sagen Sie uns, wann Sie beide einen Tag frei haben

Ein Schmiedetermin braucht Absprache: Legierung, Weite, Profil und ein Datum, an dem Sie sich nicht beeilen müssen. Fragen Sie an, dann sagen wir Ihnen, welche Fenster in den nächsten Wochen noch offen sind. Wer erst einmal Ringe in die Hand nehmen möchte, kommt dafür ohne Termin vorbei.