Am Sattlerhof 12, hinter dem Verkaufsraum
Die Werkstatt der Goldschmiede in Hildesheim
Ob ein Betrieb selbst arbeitet, erkennt man am verrußten Lötklotz, am abgegriffenen Ringstock und daran, dass jemand erklären kann, warum ein Ring nach dem Weiten wieder geglüht werden muss. Unsere Werkbank steht in Hildesheim im selben Haus wie der Verkaufsraum. Goldschmiedemeister Tammo Riekhoff arbeitet daran.

Drei Sätze, die wir immer wieder hören
Bevor wir zeigen, was auf der Werkbank passiert, räumen wir die drei hartnäckigsten Annahmen aus dem Weg.
„Mein Ring wird doch sowieso irgendwohin eingeschickt."
Die Werkstatt gehört zum Haus, nicht zum Prospekt: Löten, Weiten, Verkleinern, Rundrichten, Fassen und Polieren geschehen an der eigenen Werkbank in der Am Sattlerhof. Der Vorteil ist praktisch — wer das Stück in der Hand hatte, kann bei Rückfragen antworten, und eine Größe lässt sich kurzfristig nachjustieren. Für einzelne Sonderarbeiten ist ein spezialisierter Betrieb die bessere Adresse; das sagen wir bei der Annahme, nicht hinterher.
„Dafür ist mein Stück viel zu einfach."
Die häufigsten Aufträge sind klein: eine gerissene Öse, ein ausgeleierter Karabiner, ein oval getretener Ring, ein Ohrstecker ohne Gegenstück. Das ist der Alltag einer Werkstatt und oft in wenigen Handgriffen erledigt — nachzulesen bei Kette und Verschluss reparieren. Ob sich eine Reparatur lohnt, entscheidet nicht der Materialwert, sondern Sie.
„Umarbeiten heißt doch nur: alles einschmelzen."
Meistens nicht. Oft bleibt der Fassungskopf mit dem Stein erhalten und bekommt nur eine neue Schiene; Steine aus einem Erbstück werden ausgefasst, gereinigt und neu gesetzt. Eingeschmolzen wird nur, was wirklich nicht mehr gebraucht wird — und dieses Material wird zum Tageskurs angerechnet. Der Ablauf steht bei der Umarbeitung, für die Hochzeit bei Trauringen aus eigenem Altgold.

Sieben Handgriffe, bis eine Ringschiene sitzt
Der Weg einer Schiene aus 585er Rotgold, vom Blech bis zum Hochglanz. Bei einer Reparatur fallen Stationen weg, bei einer Anfertigung kommen welche dazu — die Handgriffe bleiben dieselben.
Walzen
Das Rohmaterial läuft durch das Walzwerk, bis Breite und Stärke stimmen. Mit jedem Durchgang wird das Metall härter und spröder, deshalb wird zwischendurch weichgeglüht: Das Stück kommt rotglühend unter die Flamme und kühlt danach in Ruhe ab, damit es sich biegen lässt, ohne zu reißen.
Werkzeug Handwalzwerk mit Flach- und Vierkantwalze, Messschieber, Glühplatte.
Sägen
Abgelängt wird mit dem Laubsägebogen, nicht mit der Zange abgekniffen. Die Blattstärke bestimmt die Fugenbreite: Ein feines Blatt frisst weniger Material, ein grobes läuft ruhiger. Entscheidend ist der senkrechte Schnitt — eine schräge Fuge kostet beim Anpassen mehr Zeit, als das Sägen gespart hat.
Werkzeug Sägebogen, Sägeblätter von 4/0 bis 2, Bienenwachs, Sägetisch.
Feilen
Die beiden Enden müssen plan aufeinanderstehen. Bleibt ein Lichtspalt, zieht das Lot hindurch statt in die Fuge, und die Naht wird sichtbar. Gefeilt wird vom groben zum feinen Hieb, immer in eine Richtung. Danach hält man die Fuge gegen die Lampe: kein Streifen, dann darf gelötet werden.
Werkzeug Halbrund- und Flachfeilen vom Hieb 0 bis Hieb 4, Feilkloben, Nadelfeilen.
Löten
Borax als Flussmittel, ein Schnipsel Goldlot auf die Fuge, dann wärmt die Flamme das ganze Stück, nicht nur die Naht. Das Lot muss im Feingehalt und in der Farbe zur Legierung passen, sonst bleibt ein hellerer Streifen zurück. Danach folgen Abschrecktopf und Beize. Sitzt ein hitzeempfindlicher Stein zu nah an der Naht, fassen wir ihn aus — oder die Arbeit geht an einen Betrieb mit Lasergerät, weil Laserschweißen die Wärme auf wenige Zehntelmillimeter begrenzt.
Werkzeug Lötklotz, Sparbrenner, Borax, Goldlot in mehreren Härten, Beizbad.
Fassen
Der Stein bekommt sein Bett: Krappen werden angelegt und nachgezogen, eine Zarge umgelegt, Körner mit dem Stichel hochgehoben. Geprüft wird zweimal — mit der Lupe von oben und mit dem Fingernagel, der über jede Krappe streicht. Ein Stein, der beim Antippen leise klickt, sitzt noch nicht fest.
Werkzeug Fassteil und Kugel, Stichel, Fasspunze, Kugelbohrer, Lupe.
Mattieren
Nicht jede Oberfläche soll spiegeln. Längsmatt wird mit dem Schleifvlies in eine Richtung gezogen, seidenmatt mit der Messingbürste erzeugt, gleichmäßig fein mit dem Strahlmittel. Mattierungen sind Verschleißflächen: Sie glänzen dort auf, wo der Ring am Nachbarfinger reibt — und lassen sich auffrischen.
Werkzeug Schleifvlies, Messing- und Stahlbürste, Strahlkabine, Mattierstift.
Polieren
Erst die Vorpolitur, die die Schleifspuren wegnimmt, dann der Hochglanz mit weicher Schwabbel und getrennt gehaltener Paste. Polieren ist Materialabtrag, deshalb nur so viel wie nötig: Zu langes Schwabbeln macht Kanten weich und Punzen unleserlich. Zum Schluss löst das Ultraschallbad die Pastenreste aus den Fassungen.
Werkzeug Poliermotor mit Absaugung, Baumwoll- und Nesselschwabbel, Vorpolier- und Glanzpaste, Ultraschallbad.



Was auf der Werkbank liegt und womit wir prüfen
Werkzeug zeigt, was ein Haus tatsächlich tut. Prüfmittel zeigen, worauf Sie sich verlassen können, bevor überhaupt gearbeitet wird. Was hier steht, liegt auf der Bank — mehr behaupten wir nicht.
Auf der Werkbank
- Walzwerk
- Bringt Blech und Draht auf Maß, in kleinen Schritten statt in einem Durchgang.
- Sägebogen
- Trennt sauber, wo eine Zange das Metall quetschen würde.
- Feilenreihe
- Vom groben Hieb zum feinen; danach übernimmt das Schleifvlies.
- Lötplatz
- Lötklotz, Sparbrenner, Borax, Lote in mehreren Härten, Abschrecktopf.
- Ringstock
- Zum Aufweiten, Rundrichten und Messen — mit dem Holzhammer, nicht mit Gewalt.
- Poliermotor
- Zwei Schwabbeln, zwei Pasten, Absaugung: Vorpolitur und Glanz bleiben getrennt.
- Werkbankfell
- Fängt jeden Feilspan auf; das gesammelte Gekrätz wird später aufbereitet.
Womit wir prüfen
- Lupe zehnfach
- Die Sichtprüfung, mit der alles anfängt: Haarrisse, poröse Altlötstellen, lockere Krappen und dünn getragene Verschleißkanten zeigen sich unter zehnfacher Vergrößerung, lange bevor sie zum Schaden werden.
- Punze
- Die eingeschlagene Zahl nennt den Feingehalt in Tausendsteln: 585 heißt 585 Teile Feingold auf 1000 Teile Legierung. Mehr dazu im Ratgeber zu Punzen, Karat und Feingehalt.
- Magnetprobe
- Gold, Silber und Platin lässt ein Magnet kalt. Zieht ein Stück trotzdem an, steckt Eisen darin — im Kern, in der Feder oder im Verschluss. Der schnellste erste Hinweis auf eine Auflage, und er kostet zwei Sekunden.
- Prüfstein und Säure
- Ein Strich auf dem dunklen Stein, daneben ein Tropfen Prüfsäure: Bleibt der Strich stehen, hält das Metall den Feingehalt; verblasst er, liegt er darunter. Für 333, 585, 750 und für Silber gibt es je eine eigene Säure. Die Strichprobe ist unser Mittel, wenn eine Punze fehlt, unleserlich ist oder nicht zum Stück passen will.
- Geeichte Waage
- Gewicht ist die halbe Rechnung. Unsere Waagen sind geeicht, gewogen wird vor Ihren Augen.
- Messschieber
- Wandstärke und Steinmaß auf hundertstel Millimeter — damit die neue Schiene zur alten passt.
- Ringmaß
- Größe 54 heißt 54 Millimeter Innenumfang. Deshalb messen wir nach, statt nach Gefühl zu weiten.


Vom Tresen an die Werkbank und zurück
Zwischen „Ich lasse es hier" und „Das ist fertig" liegen fünf Stationen — keine davon hinter verschlossener Tür.
- Annahme am Tresen
- Wir sehen uns das Stück mit der Lupe an und prüfen die Punze; bleibt ein Zweifel, kommen Magnet und Strichprobe am Prüfstein dazu. Gewogen wird auf der geeichten Waage, vor Ihren Augen. Notiert wird, was schon vorhanden ist: lose Steine, alte Lötstellen, dünn getragene Schienen. Sie bekommen einen Beleg mit dieser Beschreibung.
- Kostenvoranschlag
- Was Ihr Stück kostet, sagen wir nach kurzer Sichtung — vor Arbeitsbeginn und unverbindlich. Erst wenn Sie zustimmen, geht es an die Werkbank. Wovon der Preis abhängt, steht bei Preise und Bearbeitungszeiten.
- An der Werkbank
- Jetzt laufen die Schritte von oben ab, so viele wie nötig. Kommt beim Öffnen etwas zum Vorschein, das vorher niemand sehen konnte — eine poröse Altlötstelle, ein Riss unter der Fassung —, rufen wir an, bevor weitergearbeitet wird.
- Kontrolle
- Vor der Übergabe geht jedes Stück noch einmal durch die Prüfung: Krappen mit Lupe und Fingernagel, Größe am Ringmaß, Oberfläche gegen das Licht, zuletzt Ultraschall und Trocknen.
- Abholung
- Anprobieren, solange wir noch etwas tun können. Sitzt ein Ring einen Hauch zu stramm, geht er zurück an die Werkbank — im Laden sind das ein paar Minuten, zu Hause geht es gar nicht.



Zusehen ist ausdrücklich erlaubt
Die wenigsten Menschen haben je gesehen, wie eine Krappe nachgezogen wird oder wie schnell Gold unter der Flamme die Farbe wechselt. Fragen Sie danach, wenn Sie im Laden stehen: Liegt gerade nichts Heikles unter dem Stichel, zeigen wir Ihnen den Arbeitsplatz. Ehrlich ist auch — es riecht nach Beize, und der Poliermotor ist laut. Wer es ruhiger mag, ruft vorher kurz an unter 0171 3920011.
Laden und WerkstattMo–Fr 10–18 Uhr, Sa 10–15 Uhr
Was Besucherinnen und Besucher an der Werkbank fragen
Sechs Fragen, die im Laden regelmäßig kommen, sobald jemand die Feilenreihe sieht.
Fragen Sie im Laden einfach danach. Wenn gerade keine heikle Fassarbeit unter dem Stichel liegt, zeigen wir Ihnen den Arbeitsplatz und erklären den Schritt, der gerade dran ist. Planbar wird so ein Blick, wenn Sie vorher kurz anrufen — dann sagen wir Ihnen, wann es an der Werkbank ruhig zugeht.
Was an unserer Werkbank machbar ist, machen wir in der Am Sattlerhof: löten, weiten, verkleinern, richten, fassen, mattieren, polieren. Arbeiten, die den Laser brauchen — eine Naht dicht neben Perle, Smaragd oder Klebung —, geben wir an einen Betrieb mit Lasergerät. Das sagen wir Ihnen bei der Annahme, zusammen mit Dauer und Richtpreis, bevor Sie das Stück dalassen.
In der Regel nicht. Entscheidend ist, dass das Lot im Feingehalt und in der Farbe zum Stück passt und dass die Naht danach überschliffen und poliert wird. Auffällig werden Lötstellen vor allem, wenn zu weiches Lot benutzt wurde oder zu viel davon in die Fuge geflossen ist — das zeigt sich später als hellerer Streifen.
Diamanten und viele synthetische Steine vertragen die Flamme, wenn die Wärme richtig geführt wird. Smaragde, Opale, Türkise, Perlen und geklebte Steine vertragen sie nicht. Solche Steine fassen wir vor der Arbeit aus und danach wieder ein. Wo das nicht geht, weil der Stein geklebt oder eng gefasst ist, bleibt der Laser: Diese Arbeiten geben wir an einen Betrieb mit Lasergerät weiter, weil dessen Wärme nur wenige Zehntelmillimeter weit reicht.
Feilspäne und Schleifstaub fängt das Fell unter der Werkbank auf. Dieses Gekrätz wird gesammelt und später aufbereitet, einzelnen Aufträgen lässt es sich nicht zuordnen. Bleibt bei einer Umarbeitung dagegen nennenswert Material übrig, wiegen wir es auf der geeichten Waage und rechnen es Ihnen zum Tageskurs an.
Weil Polieren Material abträgt. Kratzer verschwinden nicht, sie werden weggenommen, und mit ihnen ein hauchdünner Teil der Oberfläche. Deshalb polieren wir so sparsam wie möglich und halten Kanten und Punzen aus. Ist eine Ringschiene über die Jahre dünn geworden, schlagen wir lieber eine neue Schiene vor als eine dritte Politur.
Bringen Sie das Stück mit, über das Sie nachdenken
Ob sich eine Reparatur lohnt, sieht man unter der Lupe und nicht am Telefon. Für eine Einschätzung brauchen Sie keinen Termin; für Trauringe, Verlobungsringe und Anfertigungen ist einer besser, weil dann Zeit für Sie eingeplant ist.