Silberbesteck aufarbeiten, Antikes bewahren
Ein Besteckkasten aus dem Nachlass stellt zwei Fragen auf einmal: Was ist das Silber wert — und was wäre es wert, wenn wieder jemand damit isst? Diese Seite beantwortet beide, bevor irgendetwas poliert wird.

Verkaufen oder herrichten: zwei Rechnungen, die beide aufgehen
Beide Wege sind vernünftig. Sie unterscheiden sich darin, was am Ende in der Schublade liegt — ein Betrag oder ein Gedeck.
Zum Metallwert abgeben
Massives Besteck trägt eine Feingehaltspunze: 800 bedeutet 80 Prozent Feinsilber, 925 sind 92,5 Prozent. Gerechnet wird nach Feingehalt und Gewicht — und gewogen wird nur das Silber. Messergriffe sind hohl und mit Kitt gefüllt, diese Füllung zählt nicht mit.
- Sinnvoll bei abgegriffenen Einzelteilen, bei Restposten ohne Gedeckzusammenhang und bei versilberter Ware, deren Auflage durch ist.
- Die Einschätzung im Laden ist kostenlos und unverbindlich, gewogen wird auf geeichten Waagen. Der Ablauf steht unter Silber und Silberbesteck.
- Welche Stempel es gibt und was sie bedeuten, erklärt Punzen, Karat und Feingehalt.
Behalten und herrichten lassen
Reinigen und Polieren rechnen wir je Teil, ab 8 €. Ein Gedeck besteht meist aus vier Teilen, bei zwölf Personen kommen also rund fünfzig Teile zusammen. Den Umfang legen wir vorher fest, damit die Summe vorher feststeht.
- Sinnvoll, wenn der Kasten vollständig ist, Monogramme trägt oder in der Familie einen Namen hat.
- Sinnvoll auch, wenn nur einzelne Teile defekt sind: Ein loser Messergriff macht kein ganzes Besteck unbrauchbar.
- Wie wir Oberflächen behandeln, ohne sie zu überarbeiten, steht unter Reinigen und Polieren.
Unsere Empfehlung fällt selten pauschal aus: Trennen Sie den Kasten. Was vollständig, punziert und in Ordnung ist, wird gereinigt und bleibt. Was einzeln, abgegriffen und ohne Gegenstück ist, geht in die Bewertung. Sortieren können wir das am Tresen mit Ihnen zusammen, dafür brauchen Sie keinen Termin. Bei einem größeren Nachlass ist der ruhigere Weg der über Nachlass und Erbschaft.

Wann wir bewusst nicht polieren
Politur nimmt Material ab. Deshalb ist die erste Entscheidung an der Werkbank nicht, wie viel Glanz möglich ist, sondern wie wenig nötig.
Silber läuft an, weil Schwefelverbindungen aus der Luft mit der Oberfläche zu Silbersulfid reagieren: erst gelblich, dann braun, zuletzt blauschwarz. Eier, Senf, Zwiebeln, Gummibänder und manche Filzeinlagen beschleunigen das. Die Schicht ist dünn und lässt sich entfernen. Die eigentliche Frage ist, ob überall.



Monogramm, Ziselierung, Perlrand
Höhen reinigen, Tiefen belassenDie Zeichnung lebt vom dunklen Grund in den Vertiefungen. Wir nehmen die Höhen zurück und lassen die Tiefen stehen. Flach durchpoliert verliert das Muster seinen Kontrast, und das abgetragene Material kommt nicht wieder.
Versilberte Teile mit dünner Auflage
Erst prüfen, dann entscheidenEine galvanische Auflage ist endlich. Scheint an der Laffe oder am Zinkenrücken schon das gelbliche Grundmetall durch, hört an dieser Stelle jede Politur auf. Weiter hilft dann nur eine neue Beschichtung, siehe Rhodinieren und Galvanik.
Folierte Steine in geschlossenen Fassungen
Kein Bad, kein DampfRosenschliff-Steine im Altschmuck sind häufig mit Folie hinterlegt, damit sie Licht zurückwerfen. Wasser löst die Folie ab, danach wirkt der Stein stumpf und grau. Solche Stücke werden trocken gereinigt, nicht im Ultraschall.
Emaille, Türkis, Opal, Koralle, Bernstein
Wärme nur punktuellDiese Materialien vertragen weder Hitze noch Lösemittel. Muss an einem solchen Stück trotzdem eine Naht geschlossen werden, arbeiten wir mit dem Laser statt mit der Flamme — die Wärme bleibt dabei auf wenige Zehntelmillimeter begrenzt.
Alte Reparaturen mit Weichlot
Zuerst zurückbauenZinnhaltiges Lot aus früheren Notreparaturen frisst sich beim Erwärmen in das Edelmetall und macht die Stelle brüchig. Es muss vorher mechanisch abgetragen werden. Das kostet Zeit und sieht man hinterher nicht — es ist trotzdem der halbe Auftrag.
Drei Arbeiten, die am Besteck immer wieder anfallen
Nicht der Glanz bringt Besteck in die Werkstatt, sondern die Mechanik: Griffe lösen sich, Zinken verbiegen, Auflagen laufen dünn.

Messergriffe neu setzen
Messergriffe sind hohle Silberblechschalen, gefüllt mit Kitt; darin steckt die Angel der Klinge. Löst sie sich, wird die alte Füllung ausgeräumt, der Griff innen gereinigt und die Klinge neu gesetzt. Erwärmt werden darf der Griff dabei nicht, solange Masse darin sitzt — das dünne Blech beult sonst aus.
Ausräumnadel, Schraubstock mit Holzbacken
Zinken und Laffen richten
Gerichtet wird über einer Holz- oder Hornunterlage mit dem Kunststoffhammer, nie in der Zange: Zangenriefen bleiben sichtbar. Silber verfestigt sich beim Verformen, ein schon einmal gerichteter Zinken bricht leichter. Bei massiven Teilen glühen wir deshalb zwischendurch weich, bei versilberten geht das nicht.
Hornhammer, Hartholzklotz, Polierstahl
Silberauflage erneuern
Versilbern ist ein galvanischer Vorgang: entfetten, beizen, im Bad beschichten. Die Auflage folgt der Oberfläche und füllt keine Kratzer, deshalb wird vorher poliert und nicht danach. Für kleine Einzelstücke liegt der Richtpreis bei ab 39 €, beim Besteck rechnen wir nach Teilezahl und Zustand.
Galvanikbad, Anodenkorb, Entfettung
Beim Antikschmuck gilt dieselbe Reihenfolge, nur strenger: Erst wird gesichert, was sich bewegt, dann erst wird an die Oberfläche gedacht. Eine wacklige Krappe, ein ausgerissener Ohrhaken, eine gebrochene Broschennadel — das sind die Arbeiten, die ein Stück wieder tragbar machen. Fehlt ein Stein oder sitzt er lose, führt der Weg über Stein fassen und ersetzen. Und wenn am Ende feststeht, dass ein Erbstück in dieser Form nie getragen wird, ist Erbschmuck umarbeiten die ehrlichere Lösung als der Schrank.
Vom Kasten auf dem Tresen bis zur Übergabe
Vier Schritte — und der erste ist der wichtigste, weil dort entschieden wird, was überhaupt in die Werkstatt geht.
Sichten und sortieren
Sie stellen den Kasten auf den Tresen. Wir lesen die Punzen, trennen massiv von versilbert, legen Defektes beiseite und zählen die Teile. Bei einem üblichen Kasten dauert das meist eine knappe Viertelstunde.
Kostenvoranschlag
Sie bekommen eine Aufstellung: so viele Teile reinigen und polieren, so viele richten, so viele Griffe neu setzen. Erst danach entscheiden Sie, welchen Umfang Sie beauftragen und ob einzelne Teile in die Bewertung gehen.
Werkbank und Bad
Gereinigt wird von Hand und im Ultraschall, poliert wird gezielt. Antike Stücke, die kein Wasser vertragen, laufen daneben trocken. Rechnen Sie beim Besteck mit 5–10 Werktagen; kommt Galvanik dazu, wird es länger.
Übergabe und Aufbewahrung
Bei der Abholung sehen Sie die Teile im Tageslicht am Fenster durch. Dazu sagen wir Ihnen, wie das Besteck sauber bleibt: anlaufhemmende Tuchbeutel, kein Gummiband, keine Weichfolie, trocken lagern. Filz und Eichenholz im alten Kasten geben selbst Schwefel ab.
Was Oberflächenarbeiten kosten
Richtwerte für Reinigung, Politur und Galvanik. Was Ihr Besteck kostet, sagen wir Ihnen nach kurzer Sichtung — vor Arbeitsbeginn und unverbindlich.
| Leistung | Richtpreis | Üblich fertig in |
|---|---|---|
| Ultraschallreinigung, je Schmuckstück | ab 9 € | meist am selben Tag |
| Schmuckstück polieren und aufarbeiten, ohne Steinbesatz | ab 20 € | 2–5 Werktagen |
| Weißgold rhodinieren, Ring inklusive Vorpolitur | ab 45 € | 2–5 Werktagen |
| Weißgold rhodinieren, Collierkettchen bis 45 cm* | ab 69 € | 3–7 Werktagen |
| Vergolden, galvanische Goldauflage (kleines Schmuckstück)* | ab 49 € | 3–7 Werktagen |
| Versilbern, galvanische Silberauflage (kleines Schmuckstück) | ab 39 € | 3–7 Werktagen |
| Silberschmuck schwärzen und Höhen zurückpolieren* | ab 25 € | 2–4 Werktagen |
| Silberbesteck reinigen und polieren, je Teil* | ab 8 € | 5–10 Werktagen |
Richtwerte inklusive Mehrwertsteuer, unverbindlich. Was Ihr Stück kostet, hängt von Material, Zustand und Aufwand ab — Sie erhalten vor Arbeitsbeginn einen Kostenvoranschlag und entscheiden dann.
* Bei diesen Arbeiten schwankt der Preis besonders stark mit dem Materialeinsatz.
Steht die Aufteilung in einer Erbengemeinschaft an, hilft eher eine Bewertung auf Papier als eine Politur: Dafür gibt es den eigenen Weg über Wertgutachten. Für alles, was Sie vor dem Besuch zusammensuchen sollten — Ausweis, Kaufbelege, alte Etuis —, steht eine Liste unter Ihren Besuch vorbereiten.
- Anmeldung
- Ohne TerminMo–Fr 10–18 Uhr, Sa 10–15 Uhr
- Einschätzung vor Ort
- kostenlosmündlich und unverbindlich
- Rückfragen zum Umfang
- 0171 3920011oder info@aurenta-goldschmiede.de
Was am Tresen wirklich gefragt wird
Vom Halbmond auf dem Löffelstiel bis zu dem Kasten, den in der Familie niemand haben möchte.
Das hängt am Zustand der Auflage. Solange sie geschlossen ist, bringen Reinigung und eine zurückhaltende Politur das Besteck wieder in Form. Scheint an den Laffen oder an den Zinkenrücken schon das gelbliche Grundmetall durch, hilft nur eine neue galvanische Auflage — oder die Entscheidung, das Besteck einfach weiter zu benutzen. Was bei Ihrem Kasten der Fall ist, sehen wir nach kurzer Sichtung.
Massives Silber trägt eine Feingehaltspunze, meist 800 oder 925, in Deutschland oft neben Halbmond und Krone. Versilbertes Besteck zeigt stattdessen eine Zahl wie 90 oder 100. Das ist kein Feingehalt, sondern die Menge Feinsilber in Gramm, die auf 24 Teile Esslöffel und Gabeln aufgetragen wurde. Hohle Messergriffe gibt es übrigens bei beiden Sorten.
In der Regel ja. Der Hohlgriff wird ausgeräumt, innen gereinigt und die Angel der Klinge neu gesetzt. Wichtig ist, dass der Griff dabei nicht erwärmt wird, solange Füllmasse darin sitzt — das dünne Blech beult sonst aus. Alte Klingen aus nicht rostfreiem Stahl bekommen anschließend keine Ultraschallreinigung und gehören auch später nicht in die Spülmaschine.
Nein. Gravuren, Ziselierungen und Perlränder leben vom dunklen Grund in den Vertiefungen. Wir nehmen die Höhen zurück und lassen die Tiefen stehen, damit die Zeichnung lesbar bleibt. Wer flach durchpoliert, trägt Material ab und verliert den Kontrast — rückgängig machen lässt sich das nicht.
Oft nicht. Rosenschliff-Steine in geschlossenen Fassungen sind häufig mit Folie hinterlegt; Wasser löst sie ab, und der Stein wirkt danach grau. Auch Emaille, Türkis, Opal, Koralle, Bernstein und Perlen vertragen weder Bad noch Wärme. Solche Stücke reinigen wir trocken oder punktuell mit Pinsel und Wattestäbchen.
Sie haben zwei Möglichkeiten, und beide sind in Ordnung. Sie geben das Besteck zur Bewertung — massives Silber wird nach Feingehalt und Gewicht gerechnet. Oder Sie behalten einen kleinen Teil davon und lassen daraus etwas machen, das getragen oder benutzt wird. Bringen Sie den Kasten mit, dann sortieren wir ihn am Tresen mit Ihnen durch.
Bringen Sie zwei Teile zur Ansicht mit
Ein Löffel und ein Messer genügen für den Anfang: Daran sehen wir Punze, Auflage und Zustand und können sagen, welcher der beiden Wege bei Ihrem Besteck der bessere ist. Den ganzen Kasten sortieren wir danach in Ruhe mit Ihnen durch — dafür brauchen Sie keinen Termin.