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Materialkunde aus der Werkstatt

Warum Weißgold gelblich wird

Ihr Ring hat sich nicht verfärbt. Sie sehen nur, was von Anfang an darunter lag: Weißgold ist eine gelbliche Legierung, weiß gemacht wird sie außen von einer hauchdünnen Rhodiumschicht — und die läuft im Alltag ab.

Ursache
Rhodium abgetragen
Ring auffrischen
ab 45 €
Üblich fertig in
2–5 Werktagen
Zwei Weissgoldringe im Vergleich, einer frisch poliert, einer gelblich angelaufen
Gleiche Legierung, gleicher Feingehalt, gleiches Alter. Unterschiedlich ist nur, wie viel Rhodium noch auf der Oberfläche sitzt.
ERGEBNIS

Was am Ende wieder auf dem Tresen liegt

Wir fangen hinten an. Wenn ein gelbstichiger Weißgoldring aus unserer Werkstatt zurückkommt, hat sich genau eine Sache geändert — und mehrere ausdrücklich nicht.

So kommt er herein

Zwei Farben an einem Ring

  • Die Unterseite der Ringschiene schimmert warm, fast champagnerfarben, die Oberseite ist noch hell
  • Zwischen beiden Zonen läuft eine sichtbare Kante, kein weicher Übergang
  • Der Glanz ist stumpf, weil tausende feine Kratzer das Licht streuen statt es zu spiegeln
  • In der Innengravur und um die Fassungen sitzen Reste von Creme, Seife und Hautfett

So geht er zurück

Ein durchgehend kühles Weiß

  • Ober- und Unterseite tragen denselben leicht bläulich-kühlen Ton, ohne Zonen und ohne Kante
  • Kanten und Profilübergänge sind wieder scharf gezogen, die Fläche spiegelt statt zu streuen
  • Fassungen und Steinzwischenräume sind sauber, die Steine sitzen unberührt in ihren Krappen
  • Die Innengravur ist unverändert lesbar, weil die Auflage viel zu dünn ist, um sie zuzulegen
Der Feingehalt
585 bleibt 585. Rhodinieren ist eine Oberflächenarbeit und ändert nichts am Gold im Ring — auch nichts am Materialwert.
Die Ringweite
Eine Auflage von einem Zehntausendstel Millimeter verändert keine Größe. Wer ohnehin umstecken lassen will, kann beides in einem Arbeitsgang erledigen.
Die Steine
Diamanten sind unempfindlich. Perlen, Opale, Smaragde und Türkis vertragen weder Ultraschall noch Bad — sie werden abgedeckt oder kurz ausgefasst.

Denselben Weg gehen Trauringpaare, bei denen ein Ring stärker gelitten hat als der andere: Wir arbeiten beide gemeinsam auf, damit sie hinterher wieder gleich aussehen — nachzulesen unter Trauringe aufarbeiten. Wie das Bad selbst arbeitet, steht auf der Leistungsseite Rhodinieren und Galvanik.

MATERIAL

Die Schicht, die das Weiß macht

Einen Schritt zurück: Was Sie an einem Weißgoldring für die Farbe des Metalls halten, ist in Wahrheit ein Überzug aus einem anderen Metall.

  • Rhodium, 0,1 bis 0,2 Mikrometer. Ein Metall der Platingruppe: sehr hart, sehr hell, läuft an Luft nicht an. Ein Zehntausendstel Millimeter, außen und innen.
  • Die Weißgoldlegierung, etwa 1,5 bis 2,5 Millimeter. Das ist der eigentliche Ring, und der ist von Haus aus nicht weiß, sondern hell graugelb.
Schnitt durch eine Ringschiene, stark überzeichnet. Maßstäblich wäre die helle Auflage auf dieser Zeichnung dünner als ein Haar, das quer über die Seite liegt.

Rhodium lässt sich nicht schmieden und nicht gießen, es wird galvanisch abgeschieden. Das Stück wird entfettet, im Ultraschall gereinigt, elektrolytisch nachentfettet und gründlich gespült — jeder Fingerabdruck würde sonst als Fleck in der Auflage stehen bleiben. Dann hängt es an einem dünnen Draht im Rhodiumbad, Gleichstrom fließt, und innerhalb von Sekunden bis wenigen Minuten legt sich die Schicht auf jede Fläche, die der Strom erreicht.

Der wichtigste Satz zu dieser Arbeit lautet: Rhodium deckt nichts zu. Die Auflage ist so dünn, dass sie jede Schramme und jede Delle exakt nachzeichnet — auf einer frisch rhodinierten, aber schlecht vorbereiteten Oberfläche fallen Kratzer sogar stärker auf als vorher. Deshalb ist nicht das Bad die Arbeit, sondern die Vorpolitur davor. Sie macht den Löwenanteil der Zeit aus und steht deshalb im Richtpreis ausdrücklich mit drin. Wie wir polieren, ohne Kanten zu verschleifen, beschreibt die Seite Reinigen und Polieren.

Ein zweiter Punkt betrifft die Haut: Bei nickelhaltigem Weißgold liegt zwischen Legierung und Finger nur diese Auflage. Ist sie an der Innenseite durchgerieben, meldet sich bei empfindlichen Trägerinnen und Trägern gelegentlich eine Rötung, die vorher jahrelang kein Thema war. Wer das kennt, sollte eher früher zum Auffrischen kommen — oder gleich über eine palladiumbetonte Legierung nachdenken.

Weißgoldring hängt an einem dünnen Draht über einem Glasbecher mit klarer Elektrolytlösung, darin eine dunkle Elektrodenplatte
GALVANIKAm Draht im Bad, Gleichstrom fließt: Die Schicht legt sich auf jede Fläche, die der Strom erreicht.
Poliermotor mit weicher Baumwollscheibe, davor ein Weißgoldring, die Scheibe ist von Polierpaste dunkel verfärbt
VORPOLITURNicht das Bad ist die Arbeit, sondern die Stunde davor. Rhodium deckt keine einzige Schramme zu.
585

Warum darunter kein Weiß ist

Noch einen Schritt zurück, bis zum Ausgangszustand: Es gibt kein weißes Gold. Gold ist gelb, und zwar in jedem Feingehalt. Weiß wird es erst durch das, was man dazulegiert.

Ein Ring mit der Punze 585 besteht zu 58,5 Prozent aus Feingold. Die übrigen 41,5 Prozent sind der Spielraum des Legierungsherstellers — und dieser Rest muss die Gelbfärbung des Goldes rechnerisch überstimmen. Dafür kommen vor allem Palladium, Silber und Nickel in Frage, dazu kleine Anteile Kupfer und Zink, die das Metall überhaupt erst gut verarbeitbar machen. Palladium ergibt einen ruhigen, dauerhaft hellen Grundton, ist aber teuer. Nickel macht heller und härter, gilt aber als hautkritisch und wird in Europa nur unterhalb festgelegter Abgabewerte eingesetzt.

  • 585 Weißgold

    58,5 Prozent Gold, 41,5 Prozent Weißmacher. Der große Rest lässt viel Raum zum Aufhellen — der Grundton ist oft der kühlste der drei.

  • 750 Weißgold

    75 Prozent Gold, nur ein Viertel für alles andere. Klingt widersinnig, ist aber so: Der wertvollere Ring hat oft den wärmeren Grundton.

  • 950 Platin

    Kein Gold, kein Überzug: Platin ist von sich aus weiß. Es wird mit den Jahren matt und grauer, aber nicht gelb, und lässt sich aufpolieren.

Welche Farbe zu welcher Hand passt und wo die Unterschiede beim Tragen wirklich liegen, steht ausführlich unter Legierungen und Farben. Was die Zahlen im Ring bedeuten und wo sie zu finden sind, erklärt Punzen, Karat und Feingehalt.

ABRIEB

Wie der Gelbstich zurückkommt

Rhodium wird nicht dünner, weil es altert, sondern weil es reibt. Der Weg von frisch bis auffällig verläuft bei Ringen fast immer in derselben Reihenfolge.

  1. Frisch aus dem Bad

    Ein Ton auf der ganzen Schiene

    Ober- und Unterseite sind farblich nicht zu unterscheiden. Das ist der Zustand, den die meisten für die Eigenfarbe ihres Rings halten.

  2. Nach den ersten Monaten

    Der Glanz wird leiser

    An der Innenhandseite streut die Fläche das Licht. Farblich ist noch nichts passiert, es sind mikrofeine Kratzer von Lenkrad, Tastatur und Einkaufswagengriff.

  3. Nach ein bis zwei Jahren

    Der warme Schimmer unten

    An der am stärksten belasteten Stelle der Schiene kommt die Legierung durch. Von oben sieht der Ring noch weiß aus, im Streiflicht nicht mehr.

  4. Wenn länger gewartet wird

    Die Zone wandert nach oben

    Der gelbliche Bereich läuft über die Kanten auf die Sichtseite, die Grenze wird zur Linie. Jetzt muss vor dem Bad deutlich mehr poliert werden.

Makroaufnahme der Unterseite einer Weißgoldschiene im Streiflicht, ein warmer Champagnerton scheint durch die abgeriebene helle Oberfläche, dazwischen eine sichtbare Kante
DRITTE STUFEVon oben sieht der Ring noch weiß aus, im Streiflicht nicht mehr: Hier läuft die Grenze zwischen beiden Zonen.

Wie schnell das geht, entscheidet fast nur die Trageweise. Ein Ring an der aktiven Hand, täglich getragen, zeigt erfahrungsgemäß nach ein bis zwei Jahren die dritte Stufe. Ketten halten in der Regel ein Vielfaches davon, weil sie auf Stoff liegen und kaum Druck bekommen; Ohrstecker halten am längsten. Beschleunigt wird der Abrieb weniger durch Kosmetik als durch Körnung und Chemie: Sand im Garten, Chlorwasser im Schwimmbad, Handdesinfektionsmittel, scharfe Haushaltsreiniger. Handcreme allein schadet nicht, bindet aber Staub — und Staub ist Schleifmittel.

Zahnpasta oder Backpulver
Beides enthält Putzkörper. Wer damit regelmäßig nachhilft, hat die Auflage an der polierten Stelle in wenigen Wochen durchgerieben — der Ring wird dort schneller gelb, nicht später.
Silberputztuch oder Silbertauchbad
Beide sind für angelaufenes Silber gemacht und arbeiten mechanisch oder chemisch. Auf rhodiniertem Weißgold greifen sie die Oberfläche an, ohne dass sie irgendetwas zu tun hätten: Rhodium läuft gar nicht an.
Den Ring beim Sport und im Garten anlassen
Hantelstange, Klettergriff, Erde und Sand kosten mehr Schicht als ein ganzes Jahr Büroalltag. Fünf Sekunden Abstreifen vorher verlängern das Intervall spürbar.
Warten, bis alles gleichmäßig gelb ist
Klingt vernünftig, kostet aber Material. Je tiefer die Kratzer beim Abgeben sind, desto mehr muss vorpoliert werden — und poliert wird immer vom Ring, nie vom Rhodium.

Was zwischen zwei Auffrischungen wirklich hilft, ist wenig und unspektakulär: lauwarmes Wasser, ein Tropfen Spülmittel, eine weiche Bürste, abends ablegen. Die ausführliche Fassung steht unter Schmuck richtig pflegen.

PREISE

Was das Auffrischen kostet

Der Preis hängt nicht am Rhodium, sondern an der Vorarbeit: Wie tief sitzen die Kratzer, wie viele Steine müssen geschützt werden, ist der Ring zweifarbig?

Ein glatter Ring ohne Besatz ist eine überschaubare Arbeit. Aufwendiger wird es bei Pavé-Fassungen, bei denen zwischen den Steinen von Hand nachgearbeitet wird, bei Bicolor-Stücken, deren Gelbgoldteile vor dem Bad abgedeckt werden müssen, und bei empfindlichem Besatz, der vorher aus der Fassung kommt. Was Ihr Stück kostet, sagen wir Ihnen nach kurzer Sichtung — vor Arbeitsbeginn und unverbindlich.

Oberflächen, Galvanik und Reinigung — Richtwerte, Preisstand August 2026
LeistungRichtpreisÜblich fertig in
Ultraschallreinigung, je Schmuckstückab 9 €meist am selben Tag
Schmuckstück polieren und aufarbeiten, ohne Steinbesatzab 20 €2–5 Werktagen
Weißgold rhodinieren, Ring inklusive Vorpoliturab 45 €2–5 Werktagen
Weißgold rhodinieren, Collierkettchen bis 45 cm*ab 69 €3–7 Werktagen
Vergolden, galvanische Goldauflage (kleines Schmuckstück)*ab 49 €3–7 Werktagen
Versilbern, galvanische Silberauflage (kleines Schmuckstück)ab 39 €3–7 Werktagen
Silberschmuck schwärzen und Höhen zurückpolieren*ab 25 €2–4 Werktagen
Silberbesteck reinigen und polieren, je Teil*ab 8 €5–10 Werktagen

Richtwerte inklusive Mehrwertsteuer, unverbindlich. Was Ihr Stück kostet, hängt von Material, Zustand und Aufwand ab — Sie erhalten vor Arbeitsbeginn einen Kostenvoranschlag und entscheiden dann.
* Bei diesen Arbeiten schwankt der Preis besonders stark mit dem Materialeinsatz.

Alle weiteren Positionen der Werkstatt stehen gesammelt unter Preise und Bearbeitungszeiten. Wer sehen möchte, wo Poliermotor, Ultraschall und Galvanik stehen, findet den Rundgang unter Unsere Werkstatt. Abgeben können Sie ohne Termin, während der Öffnungszeiten; die Rückfrage zum Kostenvoranschlag kommt telefonisch.

FRAGEN

Was uns beim gelben Weißgold gefragt wird

Sechs Fragen, die fast jedes Mal am Tresen kommen, wenn jemand seinen Ring zum ersten Mal im Streiflicht betrachtet hat.

Nein. Der gelbliche Ton ist die Legierung selbst, und die hat sich nicht verändert. Weißgold besteht überwiegend aus Gold, und Gold ist gelb. Weiß wirkt der Ring durch eine hauchdünne Rhodiumauflage an der Oberfläche. Wird sie an einer Stelle abgetragen, sehen Sie das Material darunter — der Feingehalt bleibt derselbe.

Das hängt fast nur daran, wie das Stück getragen wird. Ein Ring, der täglich an der Hand ist, zeigt erfahrungsgemäß nach ein bis zwei Jahren einen warmen Schimmer an der Unterseite. Ketten und Ohrschmuck reiben viel weniger und halten in der Regel deutlich länger. Ringe, die nur zu Anlässen getragen werden, entsprechend selten.

Auffrischen nicht — die Schicht entsteht in einem galvanischen Bad unter Strom. Was Sie zu Hause tun können, ist sie zu schonen: lauwarmes Wasser, ein Tropfen Spülmittel, eine weiche Bürste. Zahnpasta, Backpulver, Silberputztücher und Silbertauchbäder gehören nicht an rhodiniertes Weißgold, weil sie die Auflage abtragen.

Das Bad selbst trägt nichts ab, es legt im Gegenteil etwas auf. Material kostet die Vorpolitur, mit der wir Kratzer aus der Oberfläche nehmen, bevor das Stück ins Bad geht. Der Abtrag liegt im Bereich von Hundertsteln eines Gramms. Je früher Sie kommen, desto weniger muss poliert werden.

Ja. Die Rhodiumauflage ist rund ein Zehntausendstel Millimeter dünn und füllt keine Gravur zu. Aufpassen müssen wir bei der Vorpolitur: An gravierten Stellen arbeiten wir zurückhaltend, damit eine flach gewordene Handschrift nicht noch flacher wird. Sagen Sie uns bei der Abgabe, wenn im Ring etwas steht, das erhalten bleiben soll.

Können Sie. Ohne Auflage zeigt sich der Grundton der Legierung, meist ein helles Graugelb oder ein Champagnerton, der mit den Jahren gleichmäßig wird. Zwei Punkte gehören dazu: Ohne Rhodium ist die Oberfläche weicher und zeigt Kratzer schneller, und bei nickelhaltigem Weißgold fehlt die Trennschicht zur Haut. Wer dauerhaft ein kühles Weiß möchte, ist mit Platin besser bedient.

Zwei Farben an einem Ring? Legen Sie ihn uns hin

Bringen Sie den Ring während der Öffnungszeiten in die Am Sattlerhof 12 — einen Termin brauchen Sie dafür nicht. Wir sehen ihn uns unter der Lupe an, sagen Ihnen, wie viel Vorpolitur nötig ist, und nennen Ihnen den Preis, bevor das Stück in der Werkstatt bleibt.