Am Sattlerhof 12 · 31134 HildesheimMo–Fr 10–18 Uhr0171 3920011
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Verlobungsring aus dem, was schon da ist

Aus Familiengold

Der Ring Ihrer Großmutter muss weder in der Schublade liegen bleiben noch anonym im Schmelztiegel verschwinden. Wir sehen uns das Altstück an, sagen Ihnen, was sein Metall hergibt, und machen daraus in der Am Sattlerhof einen Ring, der getragen wird.

  • Bewertung vor der Entscheidung
  • Steine werden übernommen
  • Werkstatt im eigenen Haus
Getragener Erbstück-Ring aus Gelbgold auf Leinen in einer Holzschatulle, daneben Pinzette und Wachsmodell
Mehr braucht der erste Termin nicht: das Stück, wie es in der Schatulle liegt.
MATERIAL

Zwei Listen für den ersten Termin

Sortieren, putzen und polieren müssen Sie nichts — im Gegenteil, jede Politur trägt Metall ab. Diese beiden Listen ersparen Ihnen nur den zweiten Weg in die Stadt.

Was Sie mitbringen

  • Das Altstück selbst, auch verbogen, angelaufen, ohne Stein oder mit gerissener Schiene. Der Zustand ändert am Materialwert nichts.
  • Alles, was dazugehört: der zweite Ohrring, die abgerissene Öse, die lose Fassung, der Stein im Papiertütchen.
  • Papiere, falls vorhanden: alte Rechnung, Etui, Steinexpertise. Nötig sind sie nicht, sie sparen aber Prüfzeit.
  • Die Ringgröße der künftigen Trägerin oder ein Ring, den sie am richtigen Finger trägt — nicht am Daumen und nicht am kleinen Finger.
  • Zwei, drei Fotos von Schmuck, den sie täglich anlegt. Das sagt über den Geschmack mehr aus als jedes Adjektiv.
  • Ihr Datum: Antrag, Urlaub, Geburtstag. Danach richtet sich, welcher Weg zeitlich überhaupt in Frage kommt.

Woran Sie erkennen, was sich eignet

  • Gibt gutes Material her

    Massive Trauringe der Großeltern, kräftige Siegel- und Damenringe, dicke Panzerkettenglieder, Manschettenknöpfe, Broschen mit stabilem Rahmen. Im Inneren steht meist 333, 585 oder 750 — je höher die Zahl, desto mehr Feingold steckt im Gewicht.

  • Geht, aber mit Vorbehalt

    Sehr zierliche Ketten und Ohrhänger bringen wenig Gewicht auf die Waage. Mehrfach gelötete Stellen, alte Reparaturen mit Weichlot sowie Weißgold unbekannter Legierung müssen wir vor dem Schmelzen abtrennen. Emaille, Perlen und geklebte Steine kommen zuerst herunter.

  • Bleibt besser, wie es ist

    Doublé, vergoldeter Modeschmuck und Uhrengehäuse mit Goldauflage haben einen unedlen Kern und liefern kein verwertbares Metall. Und ein vollständiger, gut erhaltener Ring aus der Zeit vor 1930 ist als Ring oft mehr wert denn als Gewicht — dann raten wir vom Einschmelzen ab und arbeiten ihn lieber auf.

Was die Zahlen im Ringinneren bedeuten, steht ausführlich unter Punzen, Karat und Feingehalt. Geht es um mehrere Stücke aus einer Erbschaft, ist Erbschmuck umarbeiten der passendere Einstieg. Und wenn Sie die Größe noch nicht kennen, ohne zu fragen: Es gibt drei Wege, die Ringgröße heimlich herauszufinden.

750

Drei Wege vom Altstück zum Ring

Welcher Weg für Ihr Metall gilt, entscheidet sich nach der Sichtung, nicht vorher. Das ist keine Frage des Geschmacks, sondern dessen, was das alte Material verträgt.

Umschmieden aus dem Bestand

Das Stück wird bis zur Rotglut geglüht, in der Beize gereinigt, aufgetrennt und zu Draht oder Blech ausgewalzt. Weil Gold beim Walzen hart und spröde wird, muss es zwischendurch mehrfach neu geglüht werden. Aus diesem Draht entsteht die Schiene. Das Metall bleibt physisch dasselbe, es wechselt nur die Form.

Passt, wenn das Material sauber, lotfrei und im Feingehalt eindeutig ist — typisch bei massiven alten Trauringen.

Einschmelzen und neu legieren

Das Altgold kommt in den Tiegel, wird mit Borax gegen Oxidation abgedeckt und zu Draht oder Platte ausgegossen. Liegen verschiedene Feingehalte zusammen, etwa 333 neben 585, wird der Mischwert gerechnet und mit Feingold oder Legierungszusatz auf den Zielfeingehalt gebracht. Beim Schmelzen und beim späteren Trennen des Gusszapfens geht etwas Material verloren; das kalkulieren wir vorher ein.

Passt, wenn mehrere Stücke zusammenkommen oder der Feingehalt angehoben werden soll.

Materialwert anrechnen

Manchmal passt das Altmetall nicht in den geplanten Ring: zu wenig Gewicht, zu geringer Feingehalt, oder es soll Weißgold werden, wo Gelbgold liegt. Dann kaufen wir das Stück zum Tageskurs an und ziehen den Betrag von der Rechnung ab. Der Ring entsteht aus frischer Legierung mit gleichbleibendem Feingehalt, das Altstück geht zur Scheideanstalt. Wer buchstäblich dasselbe Metall am Finger tragen möchte, braucht Weg eins oder zwei — dieser Weg bringt den Wert, nicht die Substanz. Wir sagen Ihnen das vorher, nicht danach.

Passt, wenn Farbe, Menge oder Reinheit des Altgolds nicht zum Entwurf passen.

Handwalzwerk auf der Werkbank, ein kurzer Streifen geglühtes Gelbgold läuft zwischen die Stahlwalzen, daneben eine Zange
UMSCHMIEDENZwischen den Walzengängen muss das Metall mehrfach neu geglüht werden, sonst reißt es.
Schmelztiegel aus Keramik mit flüssigem Gold unter einer Boraxschicht, daneben Tiegelzange und Gussform
EINSCHMELZENDer Borax deckt die Schmelze gegen Oxidation ab; der Abbrand ist vorher eingerechnet.
Alte Ringe, Kettenglieder und ein Manschettenknopf liegen sortiert in der Schale einer Tischwaage
ANRECHNENGewogen wird vor der Entscheidung, auf der geeichten Waage und in Ihrem Beisein.

Zwei Dinge, die im Tiegel Schaden anrichten: Lötzinn aus Bastelreparaturen macht Gold beim Glühen bröckelig, deshalb trennen wir solche Stellen ab, bevor überhaupt Hitze ans Material kommt. Und Farbe lässt sich nicht umschmelzen — Gelb, Rot und Weiß entstehen durch Kupfer, Silber und Palladium in der Legierung. Aus Gelbgold wird kein Weißgold; es wird nur rhodiniert, und diese Auflage läuft mit den Jahren ab. Warum das so ist, steht unter Warum Weißgold gelblich wird.

Der Stein aus dem alten Ring

Ausfassen
Krappen werden mit dem Stichel geöffnet, Zargen vorsichtig zurückgedrückt. Bei alten Fassungen ist Material oft dünn geworden — deshalb wird ausgefasst, bevor irgendwo Hitze ansetzt.
Prüfen
Unter der zehnfachen Lupe geht der Blick auf die Rundiste. Kleine Abplatzer am Rand entstehen über Jahrzehnte des Tragens und entscheiden mit darüber, welche Fassungsart später sinnvoll ist.
Messen
Durchmesser und Höhe kommen an die Messuhr, denn die neue Fassung wird auf den Stein gebaut und nicht umgekehrt. Altschliffe sind hoch, haben eine kleine Tafel und oft eine offene Kalette — sie brauchen mehr Bauhöhe als ein moderner Brillant.
Empfindliche Steine
Smaragd, Opal, Türkis und Perlen vertragen weder Lötwärme noch Ultraschall. Sie werden erst am fertigen, polierten Ring gesetzt.
Nachschleifen
Ein Altschliff lässt sich modern umschleifen, verliert dabei aber Gewicht und Charakter. Meist raten wir davon ab. Was die Bewertung im Einzelnen ausmacht, erklärt die 4C beim Diamanten.
Alter Ring im Kitt auf der Fasserkugel, ein Stichel liegt an einer geöffneten Krappe an
AUSFASSENDie Krappen werden geöffnet, bevor irgendwo Hitze ans Material kommt — altes Metall ist oft dünn geworden.
Loser Altschliff-Diamant auf weißem Steinpapier unter einer zehnfachen Lupe, daneben eine Messuhr
PRÜFEN UND MESSENDer Blick geht auf die Rundiste, danach kommen Durchmesser und Höhe an die Messuhr.
ABLAUF

Von der Waage bis zum Etui

Sechs Schritte, zwei davon gehören Ihnen: Nach der Bewertung und nach dem Modell entscheiden Sie, ob es weitergeht. Vorher wandert kein Gramm in den Tiegel.

Sichten, wiegen, bewerten

Auf dem Tresen, in Ihrem Beisein: Punzen lesen, dort nachprüfen, wo kein Stempel steht, Steine und Fremdteile abziehen, dann auf die geeichte Waage. Sie hören zwei Zahlen — was das Material wert ist und in welchem Rahmen der Ring liegt. Beides unverbindlich.

Entwurf und Skizze

Wir zeichnen zwei bis drei Varianten: Fassungsart, Schienenprofil, Breite an der Schulter, Höhe über dem Finger. Dabei geht es auch um Alltag — ein hoch gebauter Krappenkopf sieht gut aus und bleibt an Wollpullovern hängen. Sie sagen, was Sie über die Trägerin wissen, wir sagen, was sich tragen lässt.

Modell in Ihrer Größe

Aus Wachs oder als schlichte Silberprobe. Am Finger wirkt ein Ring anders als auf Papier, und hier lassen sich Breite, Höhe und Steingröße noch ohne Aufwand ändern. Das ist der zweite Punkt, an dem Sie entscheiden.

Metall vorbereiten

Jetzt erst kommt Ihr Altgold an die Reihe: Lotstellen heraustrennen, Rhodium abziehen, glühen, walzen, schmieden oder schmelzen und gießen — je nachdem, welcher der drei Wege gilt. In der eigenen Werkstatt bleibt Ihr Material dabei getrennt vom übrigen Bestand.

Fassen, feilen, polieren

Die Fassung wird aufgebaut und der Stein gesetzt, Krappen mit dem Kugelstoßer, Zargen mit dem Punzen niedergedrückt. Die Innenseite bekommt ein leicht gerundetes Profil, damit der Ring über den Knöchel geht. Zum Schluss Vorpolitur, Hochglanz oder Mattierung und die Innengravur.

Abholung

Der Ring liegt im Etui, mit Feingehaltsstempel. Was vom Altgold übrig geblieben ist, bekommen Sie zurück oder wir rechnen es an — Sie entscheiden. Auf Wunsch schreiben wir dazu ein Wertgutachten für die Versicherung.

Wie die Anrechnung rechnet

  1. Abgezogen wird zuerst. Steine, Perlen, Stahlfedern und Uhrenteile wiegen mit, zählen aber nicht — bezahlt wird ausschließlich Edelmetall.
  2. Der Feingehalt bestimmt den Anteil. 333 ist rund ein Drittel Gold, 585 gut die Hälfte, 750 drei Viertel. Zwei gleich schwere Ringe können daher weit auseinanderliegen.
  3. Der Tageskurs bestimmt den Rest. Wie aus Gewicht, Feingehalt und Kurs der Betrag wird, steht Schritt für Schritt unter So berechnen wir Ihren Preis.
  4. Der Betrag geht nicht über den Tresen, sondern gegen die Rechnung: gegen den Arbeitslohn und, wo nötig, gegen zugekauftes Neumaterial. Wollen Sie stattdessen ausgezahlt werden, ist auch das möglich.
Umarbeitung, Arbeitslohn
ab 220 €üblich fertig in 3–5 Wochen
Anfertigung nach Maß
ab 250 €ohne Material, 2–4 Wochen
Einschätzung im Laden
kostenlosmündlich und unverbindlich

Diese Seite behandelt den einzelnen Ring für den Antrag. Wollen Sie als Paar beide Eheringe aus vorhandenem Gold fertigen lassen, führt Trauringe aus eigenem Altgold weiter. Soll aus dem Erbstück kein Ring, sondern ein Anhänger oder ein Paar Ohrringe werden, finden Sie den Ablauf unter Umarbeitung und Anfertigung nach Maß. Was ein Verlobungsring insgesamt kostet, ordnet der Ratgeber zu den Kosten ein.

FRAGEN

Was am Tresen wirklich gefragt wird

Sechs Fragen, die fast jedes Gespräch über ein Erbstück begleiten — meist schon, bevor die Schatulle ganz offen ist.

Das hängt vom gewählten Weg ab, und wir sagen Ihnen vor Arbeitsbeginn, welcher möglich ist. Beim Umschmieden und beim Einschmelzen bleibt Ihr Material im Stück, ergänzt um Legierungszusatz. Wird nur der Materialwert angerechnet, geht das Altstück zur Scheideanstalt und der Ring entsteht aus frischem Metall — dann bleibt der Wert, nicht die Substanz.

Häufig ja, denn ein massiver alter Trauring bringt meist mehr Gewicht mit, als eine schmale Ringschiene braucht. Bei sehr zierlichen Stücken legen wir Neumaterial zu und rechnen nur den Anteil an, der von Ihnen kommt. Gewogen wird vor der Entscheidung, auf einer geeichten Waage und in Ihrem Beisein.

In der Regel ja. Wir fassen den Stein aus, prüfen die Rundiste unter der Lupe auf Abplatzer und messen Durchmesser und Höhe, weil die Fassung genau darauf gebaut wird. Bei Smaragd, Opal oder Perlen arbeiten wir ohne Hitze am fertigen Ring und setzen den Stein zuletzt.

Dafür gibt es den Zwischenschritt vor der Werkstattarbeit: Sie sehen ein Modell in Ihrer Ringgröße und dürfen daran Breite, Höhe und Steingröße noch ändern. Erst wenn Sie zusagen, geht das Altgold in den Tiegel. Nach dem Fassen sind Änderungen aufwendig, deshalb liegt die Entscheidung bewusst davor.

Rechnen Sie in der Regel mit mehreren Wochen, gemessen ab dem Tag, an dem der Entwurf steht. Nennen Sie uns beim ersten Termin Ihr Datum: Wird es knapp, sagen wir das offen, statt es zuzusagen. Für den Antrag selbst lässt sich notfalls ein schlichter Ring vorziehen und das Erbstück in Ruhe danach umarbeiten.

Ja. Oft genügt ein Teil: die Schiene eines Rings, eine Handvoll Kettenglieder, der Rahmen einer Brosche. Was übrig bleibt, bekommen Sie zurück oder wir rechnen es an. Manchmal ist auch der umgekehrte Weg der richtige, nämlich das Stück vollständig zu lassen und es nur aufzuarbeiten.

Soll die Planung unbemerkt bleiben, richten wir Termin, Rückruf und Abholung danach aus — wie das läuft, steht unter Diskretion und Antragsring.

Bringen Sie das Stück mit, nicht nur das Foto

Ob aus dem Erbring ein Verlobungsring werden kann, entscheidet sich an der Waage und unter der Lupe — beides steht in der Am Sattlerhof 12. Für die Bewertung genügt ein Blick während der Öffnungszeiten; für Entwurf und Anprobe legen wir vorher eine Uhrzeit fest.